[Rezension] Andy Weir – Der Marsianer

Der Marsianer von Andy WeirTitel: Der Marsianer

Autor: Andy Weir

Broschiert: 512 Seiten
Verlag:
 Heyne (13. Oktober 2014)
ISBN:
 978-3453315839

Erster Satz:

„Logbuch: Sol 6. Ich bin so was von im Arsch.“

Inhalt:

Es ist der dritte bemannte Flug zum Mars, den die Crew der Hermes zu „Ares 3“ unternimmt. An Tag sechs der Mission bricht die Hölle los: Ein Sandsturm von zerstörerischen Ausmaßen überrollt die Station und die Mission muss abgebrochen werden. Auf dem Rückweg zur Kapsel wird Mark Watney, Biologe und Ingenieur des Teams, von einer losgerissenen Antenne getroffen und von der Gruppe getrennt. Sein Bioscanner fällt aus, seine Kameraden müssen ihn für tot erklären. Im immer mörderischer werden Sturm schaffen es die fünf übrigen Crew-Mitglieder nicht einmal mehr, seine Leiche zu bergen. Gerade noch gelingt ihnen der Start und die Rückkehr zum Schiff.

Mark Watney jedoch ist nicht tot. Benommen kommt er wieder zu sich und muss feststellen, dass er allein auf der tödlichen Oberfläche des Mars zurückgeblieben ist, mit nichts als zwei Rovern, der zeltartigen Wohnkuppel und Lebenserhaltungssystemen, die für eine 31tägige Mission konstruiert wurden. Ohne jede Hoffnung auf Rettung setzt Watney alles daran, zu überleben – so lange wie möglich.

Unterdessen findet die NASA anhand von Satellitenbildern heraus, dass Watney wie durch ein Wunder überlebt hat. Es gibt keine Möglichkeit, mit ihm zu kommunizieren. Ein Defekt des Oxygenators, des Wasseraufbereiters oder ein Riss in der Kuppel würde seinen Tod bedeuten. Selbst, wenn alle Systeme stabil bleiben, reichen die Essensvorräte auch streng rationiert nicht einmal für ein Jahr. Und die nächste Marsmission wird „Ares 4“ erst in vier Jahren erreichen, tausende Kilometer von „Ares 3“ entfernt. Watneys Rettung scheint aussichtslos …

Meine Meinung:

Allein die Veröffentlichungsgeschichte von Andy Weirs Roman ist außergewöhnlich: Rein hobbymäßig schrieb der Programmierer, der sich in seiner Freizeit auch mit Physik, Mechanik und der bemannten Raumfahrt beschäftigt, an seiner Geschichte. Dabei versuchte er, diese so realistische wie möglich zu erzählen, basierend auf existierenden technologischen Möglichkeiten. Die Geschichte stellte er Kapitel für Kapitel zum kostenlosen Download auf seine Website. Als immer mehr Leser Probleme mit dem Herunterladen auf ihren Kindle äußerten, lud Weir den fertigen Roman im ePub-Format auf Amazon hoch. Da ein kostenloses Einstellen nicht möglich war, setzte er den Mindestpreis auf 99 Cent fest. Bald schoss das E-Book in die Top-Ten der Science Fiction Bestseller-Liste, woraufhin ein Lektor von Random House auf den Roman aufmerksam wurde, ihn einem befreundeten Agenten zeigte und dieser sich daraufhin an Andy Weir wandte. Ein Vertrag kam zustande und „The Martian“ erschien endlich als richtiges Buch, ohne dass Weir irgendeine Anstrengung in diese Richtung unternommen hätte. Ein Selbstläufer im Rückwärtsgang, sozusagen. Das Buch platzierte sich ganz oben in den Bestsellerlisten, mittlerweile gibt es mehr als zwanzig Übersetzungen des Romans, der als Meilenstein in der Science Fiction Literatur gefeiert wird. Die Dreharbeiten der Hollywood-Verfilmung starten in diesem Herbst.

So viel zur Vorgeschichte. Nun zu meiner Rezension:

„Der Marsianer“ hat mich begeistert. Wer das Gefühl kennt, sich bei einem Film vor lauter Spannung am Kinosessel festkrallen zu müssen, weiß, wie es mir beim Lesen dieses Buches ging. Andy Weir ist genial. Das zeigt sich schon in seiner Figur Mark Watney, der mit unglaublich riskanten und garantiert tödlichen Situationen konfrontiert wird und sich diesen mit ungeheurer Findigkeit stellen muss. Gerade, wenn man denkt, Weir hätte den Zenit der Spannung erreicht, toppt er das Ganze mit einer neuen Überraschung. Dabei erklärt er Naturwissenschaftliches und Technisches ganz genau, und, soweit ich mitbekommen habe, sehr fundiert. Laien wie ich verstehen dabei vielleicht nicht jedes Detail, (das sollen wir auch nicht, solange Watney versteht, was er tut), aber im Großen und Ganzen kann man alles nachvollziehen. Diese Details sind es auch, die der Geschichte einen unheimlich starken Sinn für Realität verpassen. Alles wirkt schlüssig und sogar wahrscheinlich, man kann sich sehr gut vorstellen, dass eine Katastrophe dieser Art unter ganz ähnlichen Umständen passieren könnte und dass vieles, was im Roman passiert, auch in Wirklichkeit möglich wäre. Es ist einfach unglaublich, dass sich Andy Weir all dieses Wissen rein aus privatem Interesse angeeignet und die im Buch beschriebenen Szenarien aus purer Neugierde gedanklich durchgespielt hat. Das Wort, das mir beim Lesen immer wieder einfiel, war „genial!“.

Und nicht zuletzt beweist Weir mit seinem Debüt auch, was für ein geschickter Erzähler er ist. Der fünfhundert Seiten starke Roman ist von Anfang bis Ende spannend, selbst ruhige Passagen, in denen vor allem viel erklärt wird, blättert man hastig und nägelkauend weiter, so bildhaft ist die Sprache. Dazu kommt, dass Mark schlicht und einfach ein ursympathischer Held ist. Die Prämisse „allein zurückgelassener Astronaut auf dem Mars ohne Aussicht auf Rettung“ hätte auch auf einen düsteren, beklemmenden Roman hinauslaufen können, doch Mark ist ein unverbesserlicher Optimist, der, statt in einer handfesten Depression zu versinken, in den Problemlösungs-Modus schaltet, fest entschlossen, allen Widrigkeiten so lange wie nur möglich zu trotzen. Man könnte ihn einen genialen MacGyver im Weltraum nennen. Einen Robinson Crusoe auf dem Mars. Man könnte auch sagen: Der Marsianer – eine Mischung aus „Apollo 13“ und „Gravity“. (Wobei „The Martian“, wohlgemerkt, vor „Gravity“ erschien.)

Ein grandioser Roman. Etwas Spannenderes habe ich schon lange nicht mehr gelesen und ich kann nur hoffen, dass Andy Weirs nächster Roman nicht allzu lange auf sich warten lässt!

Fazit:

Genial! Ein Science Fiction Roman im besten Sinne. Ich freue mich schon auf die Ridley Scott Verfilmung (mit Matt Damon, Jessica Chastain u.a.)!

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[Rezension] Benjamin Monferat – Welt in Flammen

Monferat, Welt in FlammenTitel: Welt in Flammen

Autor: Benjamin Monferat

Gebundene Ausgabe: 784 Seiten
Verlag:
 Wunderlich (August 2014)
ISBN:
 978-3805250696

Erster Satz:

“Der Himmel im Osten war flüssiges Feuer.”

Inhalt:

Mai 1940: Während Europa in den Krieg zieht, bricht in Paris ein letztes Mal der legendäre Orient-Express zu seiner Fahrt nach Istanbul auf.  An Bord befindet sich eine äußerst illustre – und undurchsichtige – Gesellschaft. Jeder der Reisenden hat einen ganz bestimmten Grund, diese letzte Fahrt anzutreten. Eine inzwischen glanzlose Stummfilmdiva fürchtet das Vergessen und hofft, in Istanbul einen reichen Gönner zu finden. Ein im Exil lebender Balkanfürst will die Macht über sein Land zurückgewinnen. Seine jüdische Geliebte ist auf der Flucht vor den Deutschen. Eine russische Großfürstenfamilie ist gezwungen, unterzutauchen. Ein Spion der Bolschewiki geht über Leichen, um einen Gegenstand von allergrößtem Wert an sich zu bringen. Agenten aller kriegführenden Mächte befinden sich Wagon an Wagon, Abteil an Abteil. Ein Pulverfass, das jeden Moment in die Luft zu gehen droht.

Der Ausgang der Reise ist unabsehbar. Jeden Moment kann die politische Situation in den zu durchfahrenden Staaten kippen, jeder Grenzübertritt, jeder neue Tag kann das Ende bedeuten. Und schließlich bricht Chaos und Zerstörung an Bord aus …

Meine Meinung:

Was für ein Klopper, habe ich mir gedacht, als ich das Buch das erste Mal in der Hand gehalten habe. Und was für ein reißerischer Klappentext. Da scheint ja wirklich alles drin zu stecken. Das wird entweder richtig toll, oder es geht gewaltig in die Hose.

Es wurde richtig toll. Und es steckt wirklich alles drin: Große Geheimnisse. Große Gefahren. Große Gefühle. Große Action. Ein Schmöker, ein großer Abenteuerroman. Eins der Bücher, in die man eingekuschelt am Kamin versinken könnte, wenn man einen Kamin hätte. Oder mit denen man sich die Nacht um die Ohren schlägt, während draußen ein kolossaler Sturm tobt. Mit denen man seine Haltestelle verpasst. Oder die man im Laufen vor sich her trägt, weil man die elenden Minuten bis zur Haustür nicht vergeuden will.

Ich habe „Welt in Flammen“ wirklich gefressen. Ich habe nicht auf die Seitenzahlen geachtet, bin beim Lesen nie mit den Gedanken abgeschweift, habe keine einzige langweilige Passage gefunden, ich bin nicht mal mit den vielen Figuren durcheinandergekommen. Und das bei einem Umfang von 784 Seiten und einem Aufgebot von über dreißig wichtigen Figuren. 784 Seiten, deren Handlung einen Zeitraum von gerade einmal drei Tagen umfasst und beinahe ausschließlich an Bord des Express spielt. Die Erzählperspektive springt dabei immer wieder zwischen den einzelnen Reisenden hin und her, was sich äußerst abwechslungsreich liest und die Spannung zusätzlich anfacht. Die Figuren sind allesamt sehr charakteristisch und vielschichtig gezeichnet. Beinahe habe ich mich manchmal in einen alten Film hineinversetzt gefühlt, so bildhaft erschienen mir die Figuren, die Szenen, die Dialoge.

Fazit:

Wer mal wieder Lust hat auf einen echten Schmöker, auf einen Roman, der bis an den Rand gefüllt ist mit all dem, was man sich in eine richtig gute Geschichte hineinwünscht, der sollte zu „Welt in Flammen“ greifen.

Und jetzt hätte ich gerne eine Verfilmung davon. Am liebsten einen süffigen, toll ausgestatteten  TV-Mehrteiler. Kommt schon, der Stoff bietet sich doch geradezu dafür an. Was die Briten können, können wir doch auch, oder? 😉

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[Rezension] Benjamin Alire Sáenz – Aristoteles und Dante entdecken die Geheimnisse des Universums

Alire Saenz, Aristoteles und Dante entdecken die Geheimnisse des UniversumsTitel: Aristoteles und Dante entdecken die Geheimnisse des Universums

Autor: Benjamin Alire Sáenz

Gebundene Ausgabe: 384 Seiten
Verlag:
Thienemann (16. Juli 2014)
ISBN:
 978-3522201926

Erster Satz:

„An einem Sommerabend schlief ich ein und wünschte mir, dass die Welt beim Aufwachen eine andere wäre.“

Inhalt:

Sommer 1987, El Paso, Texas.

Ari (der eigentlich Aristoteles heißt) ist fünfzehn und findet sein Leben schrecklich. Er hat keine Freunde, will lieber allein sein. Sein Vater, ein Vietnam-Veteran, spricht nicht über seine Vergangenheit. Und sein Bruder, den er mit vier das letzte Mal gesehen hat, sitzt im Gefängnis, ohne dass auch nur ein einziges Wort in der Familie über ihn gesprochen würde.

Dann lernt er beim Schwimmen Dante kennen, einen unverbesserlichen Optimisten, der sich für Kunst und Literatur interessiert und wie er ein Einzelgänger ist. Die beiden werden unzertrennliche Freunde und beginnen, die Welt des jeweils anderen zu verstehen und neu zu formen. Die Mauern, die Ari um sich herum aufgebaut hat, beginnen zu bröckeln.

Meine Meinung:

Dieses Buch hat mich sprachlos zurückgelassen. In seiner Ehrlichkeit, seiner schlichten Intensität und seiner poetischen Sprache hat es mich verzaubert und tief berührt. Es hat mich sogar zum Weinen gebracht.Aristotle_and_Dante_Discover_the_Secrets_of_the_Universe_cover

Hier ist einer, der über die schmerzvolle, verwirrende Erfahrung des Erwachsenwerdens schreibt und es wirklich KANN.  Benjamin Alire Sáenz erschafft mit Ari und Dante zwei Figuren, deren Gedanken- und Gefühlswelt in ihrer Echtheit und Aufrichtigkeit kaum zu übertreffen ist. Beim Lesen wird man in die eigene Zeit des Heranwachsens zurückgeworfen und fühlt: Ja, genau so war es. Genau so hat es sich angefühlt. Genau so beschissen und verwirrend und wunderschön. Dieser Autor versteht, wovon er schreibt. Und zaubert dabei mit Worten.

Ari und Dante – eine unwiderstehliche Coming of Age Geschichte über Identität, Sexualität, Familie, Freundschaft und Liebe in all ihren Formen.

Fazit:

Eins der besten Jugendbücher, die ich je gelesen habe. Eine große Empfehlung für Jungs und Mädels ab 14, die ihren Weg noch suchen. Und bitte auch lesen, wenn man nicht mehr (ganz so) jugendlich ist und seinen Weg (so halbwegs) gefunden hat.

 

Anmerkung: Mit der Covergestaltung bin ich persönlich nicht ganz glücklich und hoffe, dass sich die Zielgruppe dadurch nicht abschrecken lässt. Das Originalcover finde ich viel schöner.

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[Rezension] François Garde – Was mit dem weißen Wilden geschah

garde, was mit dem weißen wilden geschahTitel: Was mit dem weißen Wilden geschah

Autor: François Garde

Gebundene Ausgabe: 318 Seiten
Verlag: C.H.Beck (Februar 2014)
ISBN: 978-3406663048

Erster Satz:

„Als er auf dem Gipfel des kleinen Felsens angekommen war,  entdeckte er, dass er allein war.“

Inhalt:

1843 wird der junge Matrose Narcisse Pelletier versehentlich von seinem Kapitän an einem verlassenen Strand an der australischen Ostküste zurückgelassen.

Siebzehn Jahre später findet die Besatzung eines britischen Schiffs zufällig einen verwilderten Weißen inmitten eines Aborigine-Stammes. Er ist nackt, von oben bis unten tätowiert und spricht nur die Sprache der Wilden.

In Sydney versucht man, der Herkunft des „weißen Wilden“ auf den Grund zu gehen. Dem Forscher Octave de Vallombrun wird Narcisse Pelletier kurzerhand überantwortet, als dieser entdeckt, dass der Wilde auf französische Wörter reagiert. Vallombrun soll herausfinden, was der unglückliche Landsmann in der Wildnis erlebt hat und ihn zurück in seine Heimat bringen.

Voller Eifer stürzt sich Vallombrun in die Aufgabe, den weißen Wilden in das zivilisierte Leben zurückzuführen. Mit wissenschaftlicher Genauigkeit notiert er alle Fortschritte seines Schützlings im Wiedererlernen seiner Muttersprache und der modernen Umgangsformen und berichtet davon in ausführlichen Briefen an den Präsidenten der Société de Géographie, der er als Mitglied angehört. Ungleich schwiegier ist es derweil, Narcisse etwas über sein Leben unter den Wilden zu entlocken. Denn Reden, sagt Narcisse, ist wie Sterben …

Meine Meinung:

Der mit unzähligen Preisen (unter anderem dem Prix Goncourt) ausgezeichneten Debütroman von François Garde basiert auf der wahren Geschichte des Matrosen Narcisse Pelletier.

„Was mit dem weißen Wilden geschah“ ist eine außergewöhnliche Mischung aus Abenteuer- und Briefroman. Eine Mischung, die Garde meiner Meinung nach mehr als geglückt ist. Unheimlich fesselnd sind die Passagen, in denen Narcisse sich in der Einsamkeit zurückgelassen sieht und schließlich von einem Stamm Wilder aufgenommen wird, deren Aussehen und Verhalten ihm durch und durch fremd sind.

Nicht weniger spannend und faszinierend sind die zwischendurch eingefügten Briefe Vallombruns, der seinen verwilderten Gefährten verzweifelt zu entschlüsseln versucht. Warum nur will Narcisse nicht über seine Erlebnisse in Australien sprechen? Wie kann es sein, dass er in den Jahren des Exils seine Muttersprache, seine Familie und sogar seinen eigenen Namen vergessen hat? Kann er in Frankreich, an das er keinerlei Erinnerung zu haben scheint, je seine wahre Heimat wiederfinden? Was bedeutet Identität? Was Zivilisation?

Fazit:

Ein fesselnder, kluger, hervorragend recherchierter und außerordentlich gut geschriebener Roman, der mich gepackt, geschüttelt und nicht mehr losgelassen hat. Eine große Empfehlung!

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[Rezension] Kerstin Gier – Silber – Das zweite Buch der Träume

Gier, Silber - Das zweite Buch der TräumeTitel: Silber – Das zweite Buch der Träume

Autor: Kerstin Gier

Gebundene Ausgabe: 416 Seiten
Verlag: FISCHER FJB (23. Juni 2014)
ISBN: 978-3841421678

Erster Satz:

„Charles hatte es mir wirklich nicht schwer gemacht, seine Tür zu finden: Sie war mit einem lebensgroßen Foto von ihm selber bedruckt, breit grinsend in einem blütenweißen Kittel, auf dessen Brusttasche „Dr. med. dent. Charles Spencer“ stand, und darunter: „Der Beste, den Sie für Ihre Zähne bekommen können.“

Inhalt:

Liv ist den dunklen Machenschaften von Anabel und Arthur gerade noch entkommen und hat nun endlich Ruhe vor den beiden – doch es ist noch längst keine Ruhe in ihrer Traumwelt eingekehrt. Eine Gestalt schleicht durch die Korridore mit den verschlossenen Türen, jemand scheint sie zu beobachten. Und obwohl Grayson sie gewarnt hat, trifft sie sich auch weiterhin mit Henry in ihren Träumen. Obwohl sie keinen Schimmer hat, wie das alles überhaupt möglich sein kann.

Außerdem scheint Secrecy, die anonyme Bloggerin der Frognal Academy, plötzlich über Livs intimste Geheimnisse bescheid zu wissen. Dann fängt ihre Schwester Mia seltsamer Weise auch noch an, zu schlafwandeln. Und es gibt jemanden, der noch eine Rechnung mit ihr offen hat und am Tag und in der Nacht nicht ruhen wird, bis diese Rechnung beglichen ist …

Meine Meinung:

Was für ein tolles Buch, und wie viel unbändigen Spaß ich mit dem zweiten „Silber“-Band hatte! Das unschlagbare Geschwister-Duo Mia und Liv ist einfach nur ursympathisch und ihre verrückte Patchworkfamilie unterhält großartig (inklusive ihrem wunderbaren, Vanillekipferl backenden deutschen Kindermädchen Lottie, sowie ihrer furchtbaren neuen Großmutter aka „Biest in Ocker“ aka „das Bocker“).

Die Liebesgeschichte bleibt wunderbar romantisch, ohne kitschig zu werden – und sie ist nicht immer ganz vorhersehbar. Die Träume werden immer fantasiereicher und komplexer, vielleicht auch deswegen, weil Liv und die anderen immer „geübtere“ Träumer werden. Es wird noch spannender. Und teilweise ziemlich fies. Und dabei gibt es immer wieder Szenen, in denen ich mich gekringelt habe vor Lachen. Selten lese ich so Komisches wie aus der Feder von Kerstin Gier!

Und dann, um das Ganze noch perfekter zu machen, als es eh schon ist, hat am Ende auch noch mein absoluter Lieblingsschauspieler (nein, ich verrate nicht, wer) einen „Gastauftritt“. Super! Die Leute in der Bahn müssen mich echt komisch angeguckt haben, als ich die Passage gelesen habe.

Jetzt habe ich doch fast noch das Sahnehäubchen vergessen: Das Cover von der wunderbaren Eva Schöffmann-Davidov! Dieses dürfte wohl eines meiner liebsten bisher sein. Ich bin ganz verliebt!

Fazit:

Ein Phatansiereichtum, der einer JK Rowling würdig ist, ein kunterbuntes Figurenensemble, das einfach Spaß macht, ein lockerer, pointierter, unschlagbar komischer Sprachwitz, eine Geschichte, die spannend anfängt und noch viel spannender aufhört: Ich bin begeistert, und ich möchte sofort weiterlesen! 🙂

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[Rezension] Marie Jalowicz Simon – Untergetaucht

Jalowicz Urban, UntergetauchtTitel: Untergetaucht – Eine junge Frau überlebt in Berlin 1940-1945

Autor: Marie Jalowicz Simon

Gebundene Ausgabe: 416 Seiten
Verlag: S. FISCHER
ISBN: 978-3100367211

Erster Satz:

„Es war sehr kalt draußen und schon dunkel geworden.“

Inhalt:

Marie Jalowicz Simon (1922-1998) wurde als Tochter eines jüdischen Anwalts in Berlin geboren. Auf der Flucht vor der Gestapo war sie gezwungen, unterzutauchen. Als eine von 1.500 Berliner Juden (von insgesamt 160.000) konnte sie sich vor der Deportation retten und überlebte. Nach der Befreiung 1945 blieb sie in Berlin und wurde Professorin für Antike Literatur- und Kulturgeschichte an der Humboldt-Universität. Kurz vor ihrem Tod gab sie der Bitte ihres Sohnes Hermann Simon, Historiker, nach und sprach die Geschichte ihres Überlebens auf 77 Kassetten, die für dieses Buch transkribiert wurden.

Meine Meinung:

Was für eine ungewöhnliche, mutige, ehrliche, ungeschönte Geschichte! Ich habe Marie Jalowicz‘ Erinnerungen mit Staunen, Faszination und immer unterschwelligem Grauen vor der Zeit, in der sie untertauchen musste, gelesen. In ihrem Buch gibt sie auch Einblicke in ihre Kindheit inmitten einer großen jüdischen Familie im Berliner Stadtzentrum, von ersten überstürzten Auswanderungen vieler Verwandter und Bekannter und ihre Zeit als Zwangsarbeiterin bei Siemens, bis sie schließlich keinen anderen Ausweg mehr sieht als die Flucht in den Untergrund.

Ihrem unerschütterlichen Überlebenswillen, ihrem Mut, ihrer Findigkeit und Anpassungsfähigkeit ist es ebenso wie der Hilfe zahlreicher Personen zu verdanken, dass sie das Nazi-Regime überleben konnte. Und nicht zuletzt einer großen Portion Glück, das vielen anderen untergetauchten Juden nicht beschieden war.

Fazit:

Jeder weiß, dass es versteckt lebende Juden gab, wer aber wissen will, wie das Leben der jüdischen Untergetauchten, genannt „U-Boote“, wirklich aussah, sollte Marie Jalowicz Simons‘ Erinnerungen lesen. Ein eindrückliches, spannendes, erschreckendes Zeitdokument.

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[Rezension] Emily Murdoch – Wenn ihr uns findet

Wenn ihr uns findet von Emily MurdochTitel: Wenn ihr uns findet

Autor: Emily Murdoch

Broschiert: 304 Seiten
Verlag: Heyne Verlag (3. März 2014)
ISBN: 978-3453534346

Erster Satz:

Mama sagt, egal wie arm die Leute sind, ob man zu den Habenden gehört oder zu denen, die nix haben, oder ob man seiner Mama auf den Stufen dazwischen das Kreuz bricht, die besten Sachen auf der Welt gibt’s fast für umsonst.”

Inhalt:

Die fünfzehnjährige Carey lebt mit ihrer Mom und ihrer kleinen Schwester Jenessa in einem Trailer mitten im Wald. Oftmals ist sie mit der kleinen Nessa wochenlang allein, kümmert sich um sie, zieht sie auf. Zu Essen ist nie genug da, im Winter müssen sie frieren. Doch genau das ist das Leben, was Carey kennt. Als dann eines Tages eine Frau vom Jugendamt und ihr Vater vor dem Trailer auftauchen und die zwei Kinder mitnehmen wollen, verändert sich alles.

Meine Meinung:

Ich habe selten ein Buch gelesen, bei dem ich gleich vom ersten Satz an mitten drin war und unbedingt weiterlesen wollte. „Wenn ihr uns findet“ von Emily Murdoch ist eins dieser Bücher. Die Geschichte der beiden in der Wildnis lebenden Kinder, die unter ihrer drogensüchtigen Mutter leiden müssen, hat mich wirklich fasziniert. Nichts wirkt aufgesetzt oder Aufmerksamkeit heischend. Murdoch beschreibt das Leben im Wald und die Gefühle und Gedanken in der zivilisierten Welt so authentisch, dass man meinen könnte dabei gewesen zu sein. Die Entwicklung, die Carey und Jenessa durchmachen lässt sich sehr gut nachvollziehen und mitfühlen. Die Beziehung zu den neuen Menschen in ihrem Leben, all das Neue, was auf die beiden einprasselt und mit dem die beiden Mädchen so unterschiedlich umgehen wirkt echt und nachvollziehbar, regt zum Nachdenken an.

Murdochs Schreibstil hat mich gefesselt, war authentisch, war poetisch und schockierend zugleich. Er hat etwas in mir berührt und mich voller Spannung zum Weiterlesen gedrängt. Ich liebe dieses Buch von vorne bis hinten.

Fazit:

Eine ergreifende Geschichte, eingebettet in einen wundervollen Schreibstil. Unbedingt empfehlenswert!

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