[Rezension] Antonia Michaelis – Friedhofskind

Michaelis, FriedhofskindTitel: Friedhofskind

Autor: Antonia Michaelis

Broschiert: 480 Seiten
Verlag: Emons (29. Januar 2014)
ISBN: 978-3954512867

Erster Satz:

Was wird das Letzte sein, das ich denke?“

Inhalt:

Siri Pechton kommt in das namenlose Dorf an der Küste, um die Fenster der alten Kirche zu erneuern. Vor dreißig Jahren ertrank die kleine Iris in einer stürmischen Nacht, und seitdem scheint über dem Dorf ein dunkler Schatten aus verschwiegenen Geheimnissen zu liegen. Vor allem Lenz, der Totengräber, der mit den Seelen der Verstorbenen spricht, gibt Siri Rätsel auf. Und bald muss sie erkennen, dass ihre Ankunft längst vergrabene Geschehnisse von damals wieder an die Oberfläche bringt …

Meine Meinung:

„Friedhofskind“ ist mein viertes Buch von Antonia Michaelis, nach „Der Märchenerzähler“, „Solange die Nachtigall singt“ und „Nashville oder das Wolfsspiel“, die allesamt zu meinen Lieblingsbüchern zählen. Mit ihrem ersten Kriminalroman für Erwachsene hatte ich jedoch so meine Probleme.

Ich habe ewig für dieses Buch gebraucht. Die Handlung will und will einfach nicht in Gang kommen, einige Episoden scheinen sich beinahe zu wiederholen, man wartet auf erste Hinweise oder ein fühlbares Voranschreiten der Kriminalgeschichte, aber ich kam nicht umhin zu denken, dass die Geschichte „vor sich hin dümpelt“. Da bin ich von Antonia Michaelis sonst anderes gewohnt, nämlich eine dichte, unwiderstehliche Erzählweise, die vielleicht gemächlich anfangen mag und zu Ausschweifungen und Detailverliebtheit neigt, den Leser aber dennoch oder gerade deshalb bald nicht mehr loslässt, fest umklammert hält, einen Sog entwickelt, das Lesen zu einem Wettlauf mit den Seiten macht.

Nicht so beim „Friedhofskind“. Im Vergleich zu den bereits genannten Büchern habe ich diesen Sog vermisst. Der Plot erschien mir nicht annähernd so genial gestrickt, die Ereignisse eher etwas willkürlich und mutlos aneinandergefügt statt perfekt und in stetig steigender Spannung miteinander verwoben. Im Gegenteil, ich habe sogar des Öfteren mit Fragwürdigkeiten und kleinen Brüchen in der Logik zu kämpfen gehabt. Und manches Mal, ja, waren mir Ereignisse oder Handlungen der Personen zu abstrus. Ich weiß, gerade das ist einer der Aspekte, der Antonia Michaelis‘ Bücher zu etwas Besonderem machen: Das Verwischen der Grenzen zwischen Traum und Realität, die Liebe zum Unkonventionellen, zum Unwahrscheinlichen,  das „aus der Zeit Gefallene“. Auch ich liebe ihre Bücher dafür. Aber im „Friedhofskind“ geschehen Dinge und finden Dialoge statt, die mir einfach nicht in sich schlüssig erschienen. Sogar aufgesetzt. So kommt es zum Beispiel, dass drei Leute kurz nacheinander einen bestimmten, unheilschwangeren Satz sagen, ohne dass sie ihn zuvor von einem der anderen gehört hätten. Das soll an dieser Stelle prophetisch anmuten, die düsteren Vorzeichen untermalen, die den Leser nichts Gutes ahnen lassen. So was passiert häufiger im Buch. Und wirkte auf mich, wie gesagt, leider zunehmend aufgesetzt.

Auch die Charaktere habe ich diesmal als nicht so plastisch empfunden wie sonst, mit Ausnahme von Lenz und Siri, den beiden Hauptfiguren. Einige Dörfler tauchen zu Beginn der Handlung relativ scharf umrissen auf, nur um danach in der Versenkung zu verschwinden, nur noch hin und wieder namentlich genannt zu werden und schließlich völlig an Bedeutung zu verlieren. Schade.

Fazit:

Alles in Allem reicht „Friedhofskind“ – obwohl ein durchaus nicht schlecht geplotteter, schön ungewöhnlicher und auch atmosphärischer Thriller – für mich nicht an Michaelis‘ andere Bücher heran, die ich bisher gelesen habe und die mich durch die Bank sprachlos zurückgelassen haben.

3_Kaffeetassen

[Rezension] Carmine Abate – Der Hügel des Windes

av_abate_huegel_rz.inddTitel: Der Hügel des Windes

Autor: Carmine Abate

Gebundene Ausgabe: 314 Seiten
Verlag: Aufbau Verlag (August 2013)
ISBN: 978-3351035457

Erster Satz:

“Die Schüsse klangen wie der Auftakt eines Feuerwerks am helllichten Tag, mit einem trockenen und irrealen Echo, das vom Meer verschluckt wurde.”

Inhalt:

Anfang 20. Jahrhundert, Kalabrien. Der wunderschöne, durch den Süßklee rot blühende Hügel Rossarco bestimmt das Leben der Familie Arcuri. Dort lebt sie von der Landwirtschaft auf diesem Hügel, erntet Obst, Oliven und anderes, stellt ihren eigenen Wein her. Dieses Buch begleitet die Familie von Alberto Arcuri, der die Gebiete des Rossarco gekauft hat, über viele Generationen bis heute. Sie beschreibt das harte Leben der Bauern, den Krieg, das Miteinander in einer Familie und vor allem die Herrlichkeit der Natur.

Meine Meinung:

„Der Hügel des Windes“ beginnt mit einem, meiner Meinung nach, sehr schlechten Einstieg. Dadurch, dass eine Person etwas aus eigener Perspektive erzählt, die man überhaupt nicht kennt und nicht vorgestellt bekommt, hat der Anfang dieses Romans für mich eine absolut abwehrende Wirkung gehabt. Ich habe das Buch relativ schnell wieder zugemacht und musste mich erst einmal wieder zum Lesen überreden.

Mit der Zeit lässt uns Abate dann doch ein bisschen mit den Protagonisten vertraut werden, wird persönlicher. Für mich aber leider während des ganzen Buches nicht genug. Das Gefühl, das Geschehen als Außenstehende mitzuerleben, blieb leider.

Was der Autorin aber gut gelingt, ist, uns einen Einblick in das bäuerliche Leben Kalabriens des 20. Jahrhunderts zu verschaffen. Auch die Familienstruktur und das soziale Miteinander kommen in Abates Werk gut zur Geltung und haben die Geschichte für mich interessanter gemacht. Ebenso wird man mit der Natur Kalabriens, vor allem dem Hügel Rossarco vertraut gemacht und beginnt die Zuneigung der Familienmitglieder zu diesem zu verstehen. Ich habe mich allerdings mit der Zeit etwas an den sich stetig wiederholenden Beschreibungen des Hügels gestoßen. Ja, der Hügel ist immer noch rot von den Blüten des Klees, ja, er verströmt immer noch einen wunderbaren und einzigartigen Duft.

Fasziniert hat mich, wie Carmine Abate es geschafft hat, eine Geschichte über so viele Generationen hinweg zu schreiben, ohne dass es mir zu viel wurde oder Langeweile aufkam. Spannung kam zwar für mich im Buch äußerst selten auf, dennoch habe ich mich nie gelangweilt.

Fazit:

Solides Werk, in dessen Vordergrund das Familienleben einer kalabrischen Familie und die Schönheit des Hügels Rossarco steht. Spannungsliebhaber sollten  aber die Finger von diesem Buch lassen.

3_Kaffeetassen

[Rezension] Kathrin Lange – Herz aus Glas

Lange, Herz aus GlasTitel: Herz aus Glas

Autor: Kathrin Lange

Gebundene Ausgabe: 416 Seiten
Verlag: Arena (Januar 2014)
ISBN: 978-3401069784

Erster Satz:

„Sein Blick traf mich wie ein Hieb.“

Inhalt:

Die 16-jähirge Juli lebt seit ein paar Jahren mit ihrem Vater, einem gefeierten Bestsellerautor von Romantik Thrill Romanen, in Boston, obwohl sie ursprünglich aus Deutschland kommen. Dort hat sich Juli einen festen Freundeskreis aufgebaut, doch dieses Silvester wird sie ohne ihre beste Freundin Miley und die anderen feiern, denn für die Ferien geht es auf die Insel Martha’s Vineyard, wo Jason, der Freund und Verleger von Julis Vater, eine Villa besitzt.

Zunächst reagiert Juli auf diese Idee äußerst widerwillig, bis sie erfährt, weshalb ihr Vater mit ihr nach Vineyard will: Jasons Sohn David, dem sie früher einmal flüchtig auf einer Party begegnet ist, hat vor sechs Wochen bei einem tragischen Unfall seine Freundin Charlie verloren, mit der er sich kurz zuvor verlobt hatte. Sein Vater befürchtet, dass David selbstmordgefährdet ist und Juli soll während ihres Aufenthaltes in der Villa „Sorrow“ versuchen, ihn auf andere Gedanken zu bringen.

Bereits bei ihrem ersten Aufeinandertreffen begegnet David ihr kühl und in einen undurchdringlichen Mantel aus Trauer und unerklärlichen Schuldgefühlen. Dennoch geschieht das Unausweichliche: Juli verliebt sich auf den ersten Blick in ihn. Ihre Liebe scheint jedoch nicht nur unter einem schlechten Stern zu stehen, weil Davids geliebte Charlie für immer zwischen ihnen zu stehen scheint – es soll einen Fluch auf „Sorrow“ geben, der großes Unglück über diejenige bringt, die sich an diesem schicksalhaften Ort verliebt …

Meine Meinung:

Ich habe „Herz aus Glas“, mein erstes Buch von Kathrin Lange, im Grunde gern gelesen – es ist flüssig und eingängig geschrieben, stimmige Beschreibungen der Umgebung wechseln sich mit spannenden Szenen ab – und dennoch gibt es wirklich einiges, was ich an diesem Buch zu bekriteln habe.

Zum Einen ist es das stellenweise überhastete Tempo, in dem der Roman erzählt wird. Am Anfang überstürzen sich alle Ereignisse, Juli verliebt sich zu schnell, der „Mystery“-Part der Handlung wird dem Leser offenbart, kaum dass er in der Handlung angekommen ist und nach einem relativ ausgeglichenen Mittelteil schließt das Ganze mit einem überhasteten, um nicht zu sagen arg konstruierten Finale, auf das ich noch zu sprechen komme.

Dann die Figuren. Im Grunde mochte ich die Charaktere, allen voran Davids hippen Künstlerfreund Henry und Jasons spritzige Assistentin Taylor. Für meinen Geschmack neigen die anderen jedoch zu Überzeichnung, gerade Juli, ein Bündel an Impulsivität, das im einen Moment himmelhoch jauchzend und eine Seite weiter schon wieder zu Tode betrübt ist. Anstrengend und nicht immer nachvollziehbar, die Geschichte aus ihrem Blickwinkel zu erleben. Auch David fand ich in all seiner tiefen Melancholie, seinen ruppigen Ausbrüchen und seinem geradezu borderlinigen Selbstzerstörungstrieb als überraschend einseitig, vielleicht, weil man diesen Typus aus Büchern mittlerweile sehr gut kennt – in einer Szene bezeichnet ihn ein Mädel sehr treffend als „Vampir“. (Kleines Augenzwinkern am Rande: Auch zum heimlichen Beobachten und unangekündigten Auftauchen neigt er.)

Wie auch immer: Julis Stimmungsschwankungen waren gerade am Anfang für mich schwer nachvollziehbar, gleich am ersten Tag auf „Sorrow“ löst David einen wahren Gefühlscocktail in ihr aus; das reicht von ersten Verliebtheitsgefühlen bis zu Zornesausbrüchen auf seine reserviert-unfreundliche Art, (schon am Morgen des zweiten Tages überlegt sie ernsthaft, wieder nach Hause zu fahren), und das, obwohl sie ihn gerade erst kennengelernt hat und um seinen äußerst labilen psychischen und seelischen Zustand weiß.  David hat also seine Verlobte verloren und Juli begegnet ihm schon an Tag eins mit der Sensibilität einer Abrissbirne, um kurz darauf wieder mit flatterndem Herzen auf eine Geste der Zuneigung seinerseits zu hoffen. Das war mir nicht nur ziemlich unsympatisch, ich konnte es einfach nicht nachvollziehen … Und die dadurch geschaffene Distanz zur Erzählerin zog sich für mich durch das ganze Buch.

Weiter geht es mit der Geschichte an sich, die in das Genre „Mystery Thrill“ einzuordnen ist. „Herz aus Glas“ ist durchaus spannend erzählt und der kriminalistische Teil überzeugt – einer der größten Pluspunkte für mich. Was für mich jedoch nicht funktioniert hat, ist der Mystery-Part. Kathrin Lange schafft es in meinen Augen einfach nicht, eine geheimnisvolle, düstere Stimmung aufzubauen. Gerade der übernatürliche Teil der Geschichte sollte für mich dieses unerklärliche Gänsehaut-Gefühl hervorrufen, eine gewisse schaurige Stimmung. Das war für mich hier nicht der Fall. Gleich zu Beginn, noch bevor Juli selbst über Eigenartiges oder Unerklärliches stolpern kann, wird ihr der angebliche Fluch von „Sorrow“ klipp und klar vom Hausmädchen erzählt – verknüpft mit einer unmissverständlichen Warnung und dem Tipp, am besten sofort wieder die Insel zu verlassen. Für mich kam das viel zu früh, zu schlecht verpackt, zu unmysteriös. Als würde dem Leser ein blinkendes Neon-Schild entgegen gehalten: „Hallo, du bist hier in einer Mystery-Geschichte, ab hier wird es übernatürlich!“ Das ganze Buch über wollte sich für mich kein Mystery-Feeling einstellen, vor allem nicht, da Juli anfangs überhaupt nichts hinterfragt und überdeutliche Hinweise geflissentlich übersieht oder gleich wieder vergisst, nur um etwa ab der zweiten Hälfte der Handlung plötzlich alles Mögliche und Unmögliche in Betracht zu ziehen.

Ein bisschen mag daran auch das „Timing“ beim Erzähltempo Schuld sein, denn immer wieder schienen mir Szenen etwas überhastet oder Aktionen und Reaktionen der Protagonisten etwas aus dem Rahmen fallend. Die gesamte Liebesgeschichte zwischen Juli und David ging mir zu schnell vonstatten, vor allem, wenn man bedenkt, dass ein Großteil der Handlung innerhalb einer einzigen Woche stattfindet. Desweiteren gibt es einen für den Mystery-Part der Geschichte entscheidenden Ort, an dem sich die Protagonisten unwahrscheinlich oft und aus selten nachvollziehbaren Gründen wiederfinden. Auch bedient sich Frau Lange für meinen Geschmack etwas zu häufig der Deus ex Machina: Mehrere brenzlige Situationen werden durch beinahe indentisch auftretende Ereignisse entschärft, die nicht ganz logisch sind. Das betrifft vor allem das Ende des Buches. Eine gefährliche, actionreiche Szene, in der große Geheimnisse gelüftet werden. Hier häufen sich die Logiklöcher, der Zufall wird zu sehr bemüht und einiges ist einfach nicht stimmig. Zu allem Überfluss entpuppt sich der/die Bösewicht/in der Geschichte als hoffnungsloser Schwarz-weiß-Abriss, was mich persönlich sehr enttäuscht hat.

Zum Schluss möchte ich noch einmal auf den Titel des Buches zu sprechen kommen. „Herz aus Glas“ ist ein schöner, klangvoller Titel, der vielversprechend ist und die Phantasie beflügelt. Ich möchte aber fast behaupten, dass der Titel zuerst da war und irgendwann die Handlung dazu gefunden hat. Die Worte „Herz“ und „Glas“ fallen sehr oft in diesem Buch, und zwar bereits auf den ersten 50 Seiten, was für meinen Geschmack zu früh und zu melodramatisch war und bis zum Schluss im Kontext der Handlung kein wirklich passendes Bild abgegeben hat. Schade …

Fazit:

„Herz aus Glas“ ist ein Mystery-Thriller, den ich als locker wegzulesenden Krimi empfunden habe. Das erzählerische Timing fand ich nicht immer stimmig und die Protagonisten teilweise zu überzeichnet, weshalb die Liebesgeschichte für mich nicht wirklich funktioniert hat. Auch ist bei mir kein richtiges Mystery-Feeling aufgekommen. Dennoch hat die Geschichte ihre Qualitäten und ich bin mir sicher, dass das Buch viele wohlwollendere Leser finden wird, auch wenn ich die beiden folgenden Teile der Trilogie leider nicht mehr lesen werde.

3_Kaffeetassen

[Rezension] Stella Gibbons – Der Sommernachtsball

Gibbons, Der SommernachtsballTitel: Der Sommernachtsball

Autor: Stella Gibbons

Gebundene Ausgabe: 560 Seiten
Verlag: Manhattan (November 2013)
ISBN: 978-3442547265

Erster Satz:

„Es ist gar nicht so einfach, einen ausgesprochen langweiligen Garten anzulegen, aber Mr Wither war dies gelungen.“

Inhalt:

Die bildhübsche und naive Viola ist gerade mal 21, als sie ein Jahr nach der Hochzeit als Witwe dasteht. Nach ihrer ebenso kurzen wie langweiligen Ehe zieht sie nun auf den noch langweiligeren Landsitz The Eagles, um bei der Familie ihres verstorbenen Ehemannes zu leben.

Alles auf The Eagles ist öde und verstaubt und Violas Eintreffen bringt einen frischen Wind ins Haus. So geschieht es auch, dass sich Tina, 35-jähirge Tochter des Hauses, die schon seit Jahren in den viel jüngeren Chauffeur Saxon verliebt ist, endlich ein Herz fasst und heimlich eine Romanze mit ihm beginnt, während ihre ältere Schwester Madge, die bereits auf die Vierzig zugeht, ihren Willen durchsetzt und dem Vater die Erlaubnis abringt, endlich einen kleinen Hund zu halten.

Viola indessen, die sich auf dem stickigen Anwesen mit dessen „mumienhaften“ Bewohnern zu Tode langweilt, träumt von Victor Spring, dem begehrtesten Junggesellen weit und breit, der auf Grassmere lebt, dem Herrensitz auf der anderen Talseite. Doch Victor ist ein eitler Snob und steht zudem kurz vor seiner Verlobung mit einer wahren Schönheit, die ihm entsetzlich auf die Nerven geht. Es braucht also einiges, bis Victor merkt, dass er insgeheim Gefallen an Viola gefunden hat …

Meine Meinung:

Stella Dorothea Gibbons (1902-1989) war eine erfolgreiche Londoner Schriftstellerin, die zwischenzeitlich fast vergessen war und in den letzten Jahren durch Neuauflagen ihrer Werke wiederentdeckt wurde. Ihr bekanntester Roman, „Cold Comfort Farm“, wurde mehrfach verfilmt. „Nightingale Wood“ („Der Sommernachtsball“) erschien 1938 und war gleichzeitig ihre letzte Veröffentlichung vor Ausbruch des Krieges.

Mit „Der Sommernachtsball“ entspinnt Gibbons eine breit angelegte und einige Irrungen und Wirrungen durchlaufende Aschenputtelgeschichte, in deren Zentrum die liebevoll gezeichneten Charaktere stehen: Viola, die Heldin der Geschichte, ist naiv, ungebildet und etwas oberflächlich und zieht trotzdem mit ihrer Leidenschaft und Aufrichtigkeit die Sympathien des Lesers auf ihre Seite. Auch Tina Withers ist eine spannende Protagonistin, schafft sie es (zwar relativ spät, aber immerhin), sich von den verkrusteten Moralvorstellungen ihrer Eltern zu befreien, indem sie erst Fahrstunden bei Saxon nimmt und sich schließlich, aller Konventionen zum Trotz, für die Liebe zu ihm entscheidet. Ihre Schwester Madge ist dagegen weniger sympathisch, haben sie doch vier Jahrzehnte ihres Lebens auf The Eagles zu einer frustrierten und engstirnigen Person gemacht, die Tinas und Violas Träume von einem anderen Leben missbilligt.

Auch Victor, über die Maßen reich, von hinreißendem Aussehen und natürlich notorischer Weiberheld, erscheint anfangs wenig sympathisch. Das findet auch seine einzelgängerische Cousine Hetty, die ebenfalls auf Grassmere lebt und wenig mit seinen Allüren oder Phyllis, seiner unsäglichen Verlobten, anfangen kann. Sie vergräbt sich lieber in Büchern und träumt von einer bescheidenen Dachwohnung im hippen Bloomsbury in London.

Die Geschichten all dieser Personen in den Herrschaftshäusern des Örtchens Sible Pelden verwebt Stella Gibbons zu einer bunten und heiteren Geschichte, die in manchem Handlungsstrang oder bestimmten Figurenkonstellationen an „Downton Abbey“ erinnert (ohne je eine ähnliche dramatische Tiefe zu erreichen), ganz sicher aber in der Tradition Jane Austens erzählt wird, die unübersehbar ein Vorbild für Stella Gibbons gewesen ist. Locker und heiter geht es im „Sommernachtsball“ zwar zu, von Austenschem Witz und Esprit ist der Roman dabei aber weit entfernt.

So bleibt „Der Sommernachtsball“ eine unterhaltsame, zuweilen recht lustige Liebes- und Familiengeschichte mit dem nostalgischen Flair der Dreißigerjahre, der jedoch nie ganz so romantisch und lustig ist, wie man es sich wünschen würde und auf 560 Seiten auch recht zäh erzählt wird, was dem Ganzen eine gute Portion seiner Beschwingtheit raubt.

Fazit:

Eine amüsante und lesenswerte Aschenputtel-Geschichte aus den Dreißigerjahren, die man jedoch nicht unbedingt gelesen haben muss.

3_Kaffeetassen

[Rezension] Jennifer Benkau – Himmelsfern

Benkau, HimmelsfernAutor: Jennifer Benkau

Titel: Himmelsfern

Gebundene Ausgabe: 496 Seiten
Verlag: Script5 (September 2013)
ISBN: 978-3839001431

Erster Satz:

„Das Gefühl überkam mich flüchtig wie ein Déjà-vu von fallenden Federn und gleichzeitig drängend, als drücke eine Hand gegen meine Brust.“

Inhalt:

Die siebzehnjährige Noa lebt allein mit ihrem Vater in einem trostlosen Viertel einer reizlosen Stadt. Am lebendigsten fühlt sie sich beim Spiel mit den Poi, brennenden Jonglierbällen an Ketten und Bändern, mit denen sie eine Rockband begleitet.

Doch Noas Leben wird sprichwörtlich komplett aus der Bahn geworfen, als sie bei einem U-Bahn-Unglück knapp mit dem Leben davonkommt. Zur selben Zeit tritt der geheimnisvolle Marlon in ihr Leben. Schon bald wir Noa klar, dass mit Marlon etwas ganz und gar nicht stimmt – und dass sie auf dem besten Weg ist, sich in ihn zu verlieben. Auch Marlon scheint Gefühle für sie zu entwickeln. Doch den beiden bleiben nur zwei Wochen, bevor er sich verwandeln und seine menschliche Gestalt aufgeben wird – vielleicht für immer.

Meine Meinung:

Nach der Dilogie „Dark Canopy“ und „Dark Destiny“ ist „Himmelsfern“ nun mein drittes Buch von Jennifer Benkau, das ich aufgrund seiner Thematik wohl mehr dem Jugendbuch-Bereich zuordnen würde. Ich habe eine ganze Weile mit mir gerungen, ob ich dem Buch drei oder vier Kaffeetassen geben soll, aber letztendlich fühle ich mich mit dreien am wohlsten und ehrlichsten und im Folgenden versuche ich zu erklären, weshalb.

Das Herausragendste an „Himmelsfern“ ist für mich eindeutig Jennifer Benkaus Schreibe. Trotz des düsteren Zugs der Geschichte erzählt sie locker und leicht, findet, wie man es von ihr bereits kennt, immer wieder neue und reizvolle Wortbilder und überzeugt mich hier besonders mit ihrem unverblümten und zeitweise wunderbar rotzfrechen Humor. Beim Lesen habe ich mich immer wieder köstlich amüsiert und mich gefragt, warum es nicht mehr Jugendbuchautoren gibt, die sich auch mal trauen, ihre Charaktere ab und zu so popelig-unverblümt sprechen und denken zu lassen, wie es Jennifer Benkau tut. Das gibt dem Ganzen etwas sehr authentisches und lockert ungemein auf, vor allem wenn es sich um eine so dramatisch bis theatralische Geschichte handelt wie „Himmelsfern.“

Weiter geht es mit den Protagonisten. Noa hat mir sehr gefallen, vor allem in Gesellschaft ihres Kumpels Dominic. Mein heimlicher Held ist aber ihr Papa, ein saucooler Typ und für mich der überzeugendste Charakter des Buches. Weniger überzeugen konnte mich Marlon, was jammerschade ist, da er die wichtigste Person im Buch ist. Auch Corbin und Emma, die mit Marlon im Untergrund leben, erschienen mir etwas blass und nicht all ihre Handlungen konnte ich immer nachvollziehen. Beinahe alle anderen Charaktere kommen in meinen Augen sträflich zu kurz, vor allem, wenn man den Umfang des Buches bedenkt.

Womit ich zum Meckerteil der Rezension komme. So schön und überzeugend ich Jennifer Benkaus Sprache auch finde, handlungstechnisch hätte ich mir hier so viel mehr gewünscht. Der gesamte mythologische Hintergrund erschien mir viel zu wenig durchdacht und für den Leser nicht immer nachvollziehbar. Ich habe mich wirklich bemüht, aber der magisch-mythologische Aspekt der Geschichte hat sich mir nur zum Teil erschlossen, ich habe mich oft etwas hilflos gefühlt mit den wenigen Informationen, die Jennifer Benkau nur nach und nach und um drei Ecken herum preisgibt. Einige Male findet Noa Dinge heraus, bei denen ich ihre Schlussfolgerungen nicht ganz begreifen konnte. Vieles wird immer nur angerissen, die ersten paar hundert Seiten ist Noa nur am herumrätseln, während Marlon ihr zähneknirschend nur hin und wieder ein Bröckchen seines Geheimnisses verrät. Noa bleibt für mein Verständnis unglaublich lange gelassen und findet sich damit ab, so gut wie gar nichts über Marlon zu wissen; mir selbst ist beinahe der Geduldsfaden gerissen. Das Märchen, das Marlon ihr aufschreibt und Stück für Stück zukommen lässt, hat auf den ersten Blick erstaunlich wenig mit seinem Geheimnis zu tun und erschließt sich erst im Nachhinein halbwegs. Den Großteil der Handlung über dient es aber hautpsächlich dazu, noch größere Verwirrung zu schaffen. Umso unverständlicher für mich, wie geduldig Noa bleibt, wie wenig sie nachhakt, wie wenig Misstrauen sie Marlons seltsamer Vergangenheit und seiner kleinen Gruppe Untergetauchter entgegenbringt, die sie selbst nicht wenige Male mit Terrorismus in Verbindung bringt.

Spannender fand ich die wenigen Actionsequenzen, die sich meist aus den Zusammenstößen von Marlons Gruppe und den undurchsichtigen „Huntsmen“, die ihm und Noa auf den Fersen sind, ergeben. Womit ich schon auf einen weiteren Wermutstropfen zu sprechen komme: Stephan Olivier, der ein Huntsman und Hauptantagonist in dieser Geschichte ist, hätte so viel Potential hergegeben. Seine Figur ist interessant, bereits sein erster Auftritt im Intro macht ihn zu einem der geheimnisvollsten und spannendsten Charaktere im Buch. Tatsächlich tritt er aber nur noch wenige Male in Erscheinung, das meiste erfahren wir aus Gerüchten und Erzählungen über ihn. Liebend gern hätte ich mehr über ihn gewusst und mehr Interaktion zwischen ihm, Noa und Marlon gelesen. Meines Erachtens hat Jennifer Benkau hier eine wirklich starke Figur verschenkt.

Die Liebesgeschichte. Spreche ich einfach mal den wichtigen Kern der Geschichte an, das pochende Herz sozusagen, bei dem ganz wahrscheinlich (und hoffentlich) meine Meinung und die anderer Leser auseinandergehen wird: Auf mich ist der Funke einfach nicht übergesprungen. Das liegt sicher zum Teil daran, dass Benkau ihre beiden Protagonisten eingangs als richtiggehend beziehungsresistent angelegt hat – Marlon, der weiß, dass er nur noch zwei Wochen als Mensch hat und dessen Gefühle einem Menschen großes Unheil bringen können; Noa, deren Eltern eine schmerzhafte Trennung hinter sich haben und die deshalb eine gebranntes Kind ist. Voraussetzungen, die eine Liebesgeschichte gerade spannend machen können, doch für mich hat es in „Himmelsfern“ einfach nicht funktioniert. Die beiden verlieben sich in meinen Augen zu schnell, der Konflikt, der sie am Zusammensein hindert, war mir nicht überzeugend genug geschildert, Probleme schienen mir zu einfach aus dem Weg geräumt. Ich habe keine Magie zwischen den beiden gespürt, es hat mir einfach der Funkenflug gefehlt. Vielleicht blieben für mich die Mauern, die die beiden zu ihrem Schutz und dem Schutz ihrer Liebsten um sich herum erichtet haben, bis zum Ende bestehen.

Was kann ich schlussendlich sagen? Was „Himmelsfern“ für mich am Ende etwas enttäuscht zurücklässt, sind die zum Teil blässlichen oder wenig Handlungsraum bekommenden Charaktere. Die Liebesgeschichte, die „Himmelsfern“ nun einmal sein soll, konnte mich nicht überzeugen. Und zuletzt ist es die Länge des Buches (knapp 500 Seiten), die mir nicht ganz gerechtfertigt schien. Die Mitte fand ich – nach einem tollen Einstieg und den unterhaltsamen ersten 200 Seiten – beinahe zu lang. Der mythologische Hintergrund hätte meines Erachtens besser ausgearbeitet und besser in die Handlung eingwoben werden müssen. Und, ich traue mich kaum, es zu sagen: Die Story eines gewöhnlichen Mädchens, das einen geheimnisvollen Jungen mit übernatürlichen Fähigkeiten (und dessen ebenso mysterösen Freunde und die dazugehörigen Feinde) kennenlernt und sich in einer tragischen Liebesgeschichte und einem Kampf zwischen Gut und Böse wiederfindet, ist wirklich nicht mehr neu. Ich habe versucht, in „Himmelsfern“ einen neuen Ansatz zu finden, aber es ist mir nicht gelungen.

Fazit:

Während mich Jennifer Benkaus Schreibe abermals überzeugt, finde ich den Plot nicht ganz ausgewogen, den mythologischen Hingergrund nicht stringent genug und die Liebesgeschichte zwischen Noa und Marlon leider nicht zündend. „Himmelsfern“ zeigt, dass Jennifer Benkau auf dem besten Wege ist, sich stilistisch in die erste Riege deutschsprachiger Jugendbuchautoren zu schreiben. Die Ansätze haben mir gefallen, aber im Ganzen konnte mich die Geschichte nicht überzeugen oder etwas Neues zur romantischen Urban Fantasy beitragen.

3_Kaffeetassen

[Rezension] Favel Parrett – Jenseits der Untiefen

Parrett, Jenseits der UntiefenTitel: Jenseits der Untiefen

Autor: Favel Parrett

Gebundene Ausgabe: 224 Seiten
Verlag: Hoffmann und Campe (August 2013)
ISBN: 978-3455404340

Erster Satz:

„Draußen, jenseits der Untiefen, jenseits der sandbödigen Buchten, kommt das dunkle Wasser – schwarz, kalt und tosend.“

Inhalt:

Die Brüder Joe, Miles und Harry wachsen an der tasmanischen Küste auf. Der Vater, ein Abalone-Fischer, ist ein Trinker und tyrannisiert die Söhne. Joe, der älteste der Brüder, kann es kaum erwarten, von ihm wegzukommen, während Miles sich in der Freiheit des Surfens verliert und sich so gut es geht um den kleinen Harry kümmert, der völlig aufgeht in seiner Welt aus gesammelten Schätzen, die er am Strand findet. Doch es kommt der Tag, an dem der Ozean seinen Tribut zollen und sich das Schicksal aller ändern wird.

Meine Meinung:

Der Roman „Jenseits der Untiefen“ der Australierin Favel Parrett wurde mit zahlreichen Preisen ausgezeichent und von den Kritikern in den höchsten Tönen gepriesen. („Wenn Sie in diesem Jahr nur ein Buch lesen, dann lesen Sie dieses“, schreibt die Sunday Times und die Marie Claire befindet: „Wunderschöne, unverfälschte Prosa … magisch.“)

Dementsprechend hoch waren meine Erwartungen an Parretts Debüt, doch irgendwie trifft das Buch nicht meinen Geschmack und mein Herz, dabei ist ihre Schreibe gleichzeitig rauh und eingängig und die Geschichte emotional aufwühlend.

Ich komme einfach nicht umhin, zumindest die erste Hälfte des Buches inhaltlich als relativ belanglos zu empfinden. Die Figur des kleinen Harry wird eingeführt, Parrett setzt erste Andeutungen darüber, was mit der Mutter der Jungs geschehen ist und weshalb Joe so schnell wie möglich die Insel verlassen will. Doch alles passiert so subtil und der eigentliche Handlungsverlauf ist so demonstrativ nebensächlich, dass ich beim Lesen irgendwann so ungeduldig und gelangweilt wurde, dass ich das Buch abgebrochen hätte, wenn es nicht so schmal wäre.  Parrett schreibt mir zu vage, die Charaktere erfahren kaum eine tiefergehende Umschreibung, einzig die Gedankenwelt Harrys kam mir wirklich nahe.

Erst in der zweiten Hälfte des Buches lässt die Autorin die Handlung auf das große Finale zulaufen, die Erzählung nimmt Fahrt auf mündet in einem Ende von großer Wucht.

Fazit:

Eine Geschichte über die Liebe zwischen Brüdern und ihren unberechenbaren Vater, die mir persönlich zu lange belanglos vor sich hin plätschert und deren Charaktere nie ganz greifbar werden. Das starke Thema hätte in meinen Augen noch mehr Tiefe verdient und hat mich lange nicht so aufgewühlt, wie ich es erwartet hätte.  Ich kann mir vorstellen, dass andere Leser begeisterter sind von Parretts unangepasstem Erzählstil als ich, aber mir blieb insgesamt alles zu sehr an der Oberfläche, um mich wirklich zu berühren.

3_kaffeetassen1

[Rezension] Lawrence Norfolk – Das Festmahl des John Saturnall

Das Festmahl des John SaturnallTitel: Das Festmahl des John Saturnall

Autor: Lawrence Norfolk

Taschenbuch: 448 Seiten
Verlag: Albrecht Knaus Verlag (November 2012)
ISBN: 978-3813503661

Erster Satz:

“Die Packpferde stapften langsam zum Tal hinunter.” 

Inhalt:

England im 17. Jahrhundert. Der Junge John Saturnall ist anders als andere Kinder in seinem Alter. Er kann jedes Kraut, jede Zutat eines Gerichts nur an ihrem Geruch erkennen. So kommt es, dass er, als er nach dem Tod seiner Mutter in einem großen Gutshaus landet, schnell vom Küchenjungen zum Koch aufsteigt. Er wird immer erfolgreicher und kocht sogar für den König. Doch dann verliebt sich John in ein höher stehendes Mädchen und der Krieg bricht aus. Und dann ist da noch die mysteriöse Geschichte vom Festmahl eines Koches …

Meine Meinung:

Leider muss ich gleich vorweg nehmen, dass dieses Buch mich sehr enttäuscht hat. Von einem Wälzer mit einer solchen Aufmachung und bei diesem mysteriösen  Titel hatte ich mir wirklich weitaus mehr vorgestellt.

Ich habe „Das Festmahl des John Saturnall“ hauptsächlich als langatmig, zeitweise uninteressant und teilweise sehr verworren empfunden. Die ersten 200 Seiten habe ich mich wirklich gequält, dann wurde es dank der aufkeimenden Liebesgeschichte langsam besser. Als dann wenig später der Krieg ausbrach, ich mich als Leser völlig vor den Kopf gestoßen ohne erklärendes Wort dort wiederfand und das Geschehen wieder um einiges uninteressanter wahrnahm, wäre ich fast verzweifelt. Wie froh war ich, dass der so große und bedeutende Krieg im Buch dann doch eher eine kleine Rolle einnimmt und Norfolk relativ schnell wieder zum Hauptinteresse zurückfindet.

Von den Hauptprotagonisten erfährt man meiner Meinung nach zu wenig. Zwar kennt man John Saturnalls komplette Geschichte mit all ihren Mythen, bis es mir dann irgendwann zu verwirrend wurde, aber von seiner Persönlichkeit hätte ich mir mehr gewünscht. Er riecht gut, er kocht gut und er kann schnell zornig werden. Und weiter? Von seiner Angebeteten Lucretia erfährt man noch weniger. Kratzbürstig, doch im Grunde des Wesens weich. Das war es dann auch schon.

Die kurzen Einschübe zwischen den Kapiteln, die Gerichte und Geschehen miteinander verwebt, haben mich persönlich ziemlich genervt. Genauso konnte ich nicht viel mit den ewig andauernden Beschreibungen der Speisen und den Aufzählungen der Zutaten anfangen. Mir war ja klar, dass es um ein Festmahl geht, aber das war dann doch etwas zu viel des Guten.

Überzeugt hat Norfolk mich allein mit seinem Schreibstil und den Hintergrundinformationen, die man über das England des 17. Jahrhunderts und das Leben in einem Gutshaus bekommt. Verglichen mit Auflistungen von Zutaten fallen diese jedoch ziemlich knapp aus. Die 3. Kaffeetasse gibt es eigentlich nur dafür, dass ich den dicken Schinken bis zum Ende gelesen habe.

Fatit:

Wenig Spannung, dafür viel Palaver über Zutaten und Küchenabläufe. Leider trotz angenehmen Schreibstils und interessanten Infos über das Leben im Gutshaus des 17. Jahrhunderts keine Leseempfehlung.

3_Kaffeetassen

Vorherige ältere Einträge