[Rezension] Noam Shpancer – Der glücklose Therapeut

der-gluecklose-therapeut-45440-1Titel: Der glücklose Therapeut

Autor: Noam Shpancer

Taschenbuch: 256 Seiten
Verlag: Albrecht Knaus Verlag (September 2013)
ISBN: 978-3813505078

Erster Satz:

„Ich erinnere mich nicht mehr genau, wann mir klar wurde, dass Barry Long log.“

Inhalt:

David Winter ist Psychotherapeut mit der Spezialisierung auf Depressionen. Tagein, tagaus kommen Menschen mit Problemen zu ihm und erhoffen seine Hilfe. Doch auch ein Therapeut kann irgendwann an einen Punkt kommen, an dem nichts mehr funktioniert und er mit seinem Privatleben völlig überfordert ist…

Meine Meinung:

Ich war von diesem Buch leider sehr enttäuscht. Wo er mit Sprachstil und Ideenreichtum glänzt, versagt Shpancer auf voller Linie beim Ausschöpfen der Potenziale. Immer wieder bietet er eine gute Vorlage um eine spannende Geschichte zu entwickeln und kratzt dann nur ganz oberflächlich daran, bis er es wieder fallen lässt. Shpancer geht übetrhaupt nicht in die Tiefe, bringt keine Idee zu Ende und beendet ein Thema jedes Mal dann abrupt, wenn gerade Spannung aufkommen will.

Die Beziehung zwischen David und seiner Frau? Abgesehen von seinen Gedanken an sie wird das kaum beleuchet.

Sein Klient Barry Long? Man ist gespannt wie die ganze Sache nun ausgeht und sieht sich am Ende dann vor genau dem stehen, was man die ganze Zeit über erwartet hat und noch weniger.

Sein Faux-pas in Bezug auf den Verlobten seiner Tochter, der sogar im Klappentext erwähnt wird (!!)? Angekratzt und fallen gelassen.

Man quält sich ewig durch seine sich ständig wiederholenden Gedankengänge, liest sich geduldig durch die Monologe seines Freundes Helprin (der allerdings wenigstens mal ein interessanter Charakter war), schafft es schließlich die ganze Urlaubsgeschichte durchzulesen um am Ende rauszufinden, dass es das schon gewesen ist. Das es kein zufriedenstellendes Ende gibt. Dass man umsonst gespannt war. Dass all die Handlungsstränge, die man beispielsweise während des Urlaubs auf Eis gelegt sah, danach auch kaum wiederfinden konte.

Zu allem Überfluss hat es David Winter auch das ganze Buch über nicht geschafft, mir halbwegs symphatisch zu werden. Schade.

Fazit:

Lustiger Titel und ansprechendes Bild, der Rest hat mich arg enttäuscht. Ich kann das Buch beim besten Willen nicht weiterempfehlen, auch wenn ich das Buch des Sprachstils und der (leider nicht zufriedenstellend aufgelösten) Handlungsstränge tapfer bis zu Ende gelesen habe.

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[Rezension] Arturo Pérez-Reverte – Dreimal im Leben

Pérez-Reverte, Dreimal im LebenTitel: Dreimal im Leben

Autor: Arturo Pérez-Reverte

Gebundene Ausgabe: 525 Seiten
Verlag: Insel Verlag (August 2013)
ISBN: 978-3458175803

Erster Satz:

„Im Sommer 1929 reiste Armando de Troeye nach Buenos Aires, um einen Tango zu komponieren.“

Inhalt:

Max arbeitet als Eintänzer auf einem Luxuskdampfer und besitzt nichts als sein blendendes Aussehen, einen unwerfenden Charme und die Fähigkeit, aus allen Bekanntschaften seinen Vorteil zu ziehen.

Mecha ist die ebenso wunderschöne wie intelligente Frau an der Seite des berühmten Komponisten de Troeye. Als sie und Max sich beim Tangotanzen näherkommen, ist es der Beginn einer ungewöhnlichen und lebenslangen Liebe, die Jahrzehnte und Kontinente umspannt und für immer unerfüllbar scheint.

Meine Meinung:

Eine große Liebe, die wilden Zwanziger Jahre, Frankreich, Italien, Buenos Aires – „Dreimal im Leben“ hätte mir auf so vielen Ebenen gefallen können und hat mich stattdessen gleich mehrfach enttäuscht.

Die Geschichte beginnt mit der spannendsten – und gelungensten – Episode Ende der Zwanziger an Bord des Ozeandampfers. Max und Mecha begegnen sich das erste Mal, beide verfallen einander im Rausch des Tangos, und doch scheint die ganze Welt zwischen ihnen zu stehen. Hier gelingt Pérez-Reverte ein packender und atmosphärisch dichter Einstieg, man wähnt sich selbst inmitten der feinen Gesellschaft, sieht die Musiker, Kellner, seidigen Krawatten und gewagten Kleider fast vor sich.

Von da an ging es für mich handlungs- und spannungstechnisch jedoch nur noch bergab. Der Autor wechselt häufig zwischen drei Zeitebenen. Zunächst begleiten wir Max, Mecha und ihren Ehemann nach Buenos Aires, wo die drei in zwielichtigen Bars in die alte und rauhe Art des argentinischen Tangos eintauchen. Es folgt eine ziemlich lange und recht geschwätzige Einführung in die Kunst des Tangos „der alten Schule“, die auch nicht Halt vor detailierten Einschüben über Tanz und Musik im Spezielleren macht. Als Leser fragt man sich irgendwann, wo während dieses Exkurses denn die Geschichte geblieben ist, bevor man in eine neue Zeitebene hineinkatapultiert wird, diesmal in die Sechziger Jahre. Doch Pérez-Reverte lässt es sich auch hier nicht nehmen, seine Leserschaft mit den Kniffen und Feinheiten einer weiteren hohen Kunst bekannt zu machen: der des Schachspiels.

Die gesamte Rahmenhandlung des Buches wird tatsächlich in ein mehrtägiges Schachturnier verpackt. Wer sich nur leidlich für diese Sportart interessiert, wird Mühe haben, dem Geschehen mit Interesse zu folgen, zumal Pérez-Reverte sich auch hier nicht lumpen lässt und sich in vielfachen Spielmanövern, Fachausdrücken und anderen schwelgerischen Details verliert. Unterbrochen indes von einer nunmehr dritten Zeitebene, die im Nizza der Dreißiger spielt. Hier fährt der Autor eine Art Spionage-Thriller auf, die aber derart mit politischem Hickhack (und in diesem Zusammenhang gefühlten hundert italienischen und spanischen Namen) gespickt ist, dass man beinahe das zentrale zweite Treffen der Liebenden Mecha und Max übersieht. Keine der drei Zeitebenen scheint ausgewogen, in der ersten verliert sich der Autor zu sehr im argentinischen Tango, während er in die zweite zu viel Action- und Thrillerelemente hineinpresst, um in der letzten den erschöpften Leser ausgiebig mit Schach zu langweilen.

Zwischen all dem soll auch noch die große Liebesgeschichte stecken, doch irgendwie konnte ich die nicht finden. Aber das kann auch einfach an den Figuren Max und Mecha liegen. Auf 525 Seiten ist es mir nicht gelungen, mich den beiden wirklich anzunähern. Max ist ein arroganter, egozentrischer Charmeur, der stets auf seinen eigenen Vorteil bedacht ist. Mecha ist kühl und narzisstisch, tut stets, was ihr gefällt, am besten, indem sie andere gleichzeitig provoziert und aus der Reserve lockt, aber ohne jemals ihre wahren Gefühle offenzulegen. Zwei Protagonisten, die es einem nicht leicht machen, sie zu mögen, ja, sie tatsächlich zu verstehen, und mir ist es bis zum Schluss nicht gelungen. Wohl einer der wichtigsten Gründe, weshalb die Liebesgeschichte in „Dreimal im Leben“ für mich nicht funktioniert hat. Ich habe einfach nicht verstanden, weshalb sich die beiden lieben sollten, und ich habe es in kaum einer Zeile tatsächlich gespürt. Die erotische Anziehungskraft der beiden, ja, und die Faszination füreinander, die selbst die Jahre der Trennung nicht auslöschen können. Aber wenn es tatsächlich eine Liebesgeschichte sein soll, die Pérez-Reverte erzählen will, dann habe ich sie offenbar nicht verstanden oder einfach nicht nachempfunden. Wahrscheinlich war die Distanz zu den beiden Protagonisten zu groß, als dass der Funke auf mich überspringen konnte.

Zudem konnte ich auch einige ständig auftauchende Wiederholungen nicht übersehen: Geradezu nervtötend oft betrachtet Max die elegante Kurve von Mechas Hals, und wieder ihr schlanker Hals und immer wieder ihr Hals, der von ihrem kurz geschnittenen Haar betont wird. Das Erscheinungsbild einer Frau wird durch Max‘ Perspektive stets mit dem Erkennen ihres Kleidermodells oder der Marke ihres Parfums ergänzt, was sicher seinem aufmerksamen Blick als Gauner/Charmeur geschuldet ist, nach dem vierten Mal aber zu nerven beginnt. Das ganze Buch über steckt sich immer irgendjemand eine Zigarette an, um dann sein Gegenüber durch die erste Rauchwolke hindurch zu betrachten. Menschen, die lässig sind, haben immer die linke Hand in der Hosentasche stecken und so weiter und so fort. Der Autor wiederholt und wiederholt sich, was den ohnehin sehr ausufernden Erzählstil nicht weniger ermüdend macht.

Fazit:

„Dreimal im Leben“ ist auf mehreren Ebenen für mich gescheitert: Pérez-Reverte neigt zu einem geschwätzigen Erzählstil, verfranst sich mit seinem ausführlich recherchierten Fachwissen in seitenlangen Ausführungen über Tango und Schach und stopft zu viel Action, Erpressung, Spionage und Mord in einen dünnen Mittelteil. Die eigentlich zentrale Liebesgeschichte von Mecha und Max erstickt für mich unter der Last der Rahmenhandlung, während sie mir als Figuren stets etwas fremd und nie wirklich sympathisch erschienen. Für mich ist es ein Buch, das mir viel Geduld abverlangt und mich am Ende enttäuscht zurückgelassen hat.

Anmerkung zum Cover: Ich bin im Bezug zur Covergestaltung sonst nicht kleinlich, aber da hier nun einmal das Foto einer Frau drauf musste, fällt dem Leser sofort der Fehler auf: Mecha hat kurzes, blondes Haar. Ich weiß, ein Cover ist nur ein Cover. Aber es irritiert doch jedes Mal, wenn man das Buch zur Hand nimmt.

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[Rezension] Johanna Rosen – Liberty Bell: Das Mädchen aus den Wäldern

Rosen, Liberty BellTitel: Liberty Bell -Das Mädchen aus den Wäldern

Autor: Johanna Rosen

Gebundene Ausgabe: 375 Seiten
Verlag: Arena (Juni 2013)
ISBN: 978-3401068046

Erster Satz:

„Das Leben war wunderschön.“

Inhalt:

Ernesto lebt das relativ normale Leben eines 17-Jährigen und versucht, gemeinsam mit seinen Freunden die Zeit zwischen Highschool und Beginn des ersten Collegejahres irgendwie totzuschlagen.

Alles ändert sich jedoch, als einer der Freunde bei einer Mountainbiketour in einem Waldstück ein nacktes, verwildertes Mädchen entdeckt. Gemeinsam beschließen die Jungs, der Sache nachzugehen und herauszufinden, wer dieses geheimnisvolle Mädchen ist. Liberty Bell, wie sie sich nennt, ist in einer urigen Hütte vernab der Zivilisation aufgewachsen. Aus der Sicherheit der Wälder wird sie jedoch herausgerissen, als mitten in der friedlichen Gemeinde von Old Town ein Mord geschieht. Und es wird nicht der letzte gewesen sein …

Schon bald muss Ernesto erkennen, dass die erschreckenden Vorkommnisse auf irgendeine Weise mit Liberty Bells Vergangenheit zu tun haben müssen. Und je eher er herausfinden kann, wer dahinter steckt, desto besser, denn Liberty Bells Leben schwebt in größter Gefahr.

Meine Meinung:

Was hab ich mich über dieses Buch aufgeregt. Hier stimmt in meinen Augen so vieles hinten und vorne nicht, dass es zum Haareraufen ist. Dabei hätten die Geschichte und ich so gut zusammenpassen können, denn Untertitel und Aufhänger der Story – „Das Mädchen aus den Wäldern“ – ist normalerweise genau mein Ding. Aber von vorn:

Die Geschichte beginnt mit der Einführung Ernestos und seiner Freunde Ronan, Salva, Jaden, Dara und Mose. Was erfahren wir über das illustre Sechsergespann? Eigentlich nur ihre Vor- und Nachnamen, dann noch Daras und Mose‘ religiösen Hintergrund, dass Dara ein Witzereißer ist und Jaden von allen in der Runde eher akzeptiert denn geschätzt wird. Das war’s auch schon. Die Autoren gibt uns keine einzige äußerliche Beschreibung mit auf den Weg (was bis auf eine einzige Außname übrigens auf sämtliche Personen im Buch zutrifft), geschweigedenn eine tiefergehende Charakterisierung, was das Auseinanderhalten der Freunde und deren Speicherung im Gedächtnis des Lesers ungemein erschwert (weshalb ich die Namen gerade noch mal im Buch nachschlagen musste). Und dafür, dass sich die Geschichte eigentlich in einem relativ kleinen Rahmen bewegt, packt Rosen eine derart große Menge von – zum Großteil unwichtigen – Nebenfiguren in die 370 Seiten starke Handlung (genau 53 namentlich genannte Personen insgesamt!), dass sie sogar ein Register ans Ende hängen musste.

Womit wir auch schon eines der Grundprobleme des Buches hätten: Die Figuren sind flach, um nicht zu sagen bretteben. Selten ist mir eine so langweilige Hauptfigur untergekommen wie Ernesto. Der Typ scheint keinerlei eigene Impulse zu haben und permanent nur auf alle in seinem Umfeld zu reagieren, und wenn er doch mal ein Quentchen Regung zeigt, dann tut er das himmelhochjauchzend oder vor Wut schäumend, und zwar von Null auf Hundertachzig, sodass es einfach nur so wirkt, als hätte die Autorin für die jeweilige Szene den „Ernsto auf Action“-Knopf gedrückt.

Eine viel größere Enttäuschung und einer der Gründe, warum das Buch für mich ins Wasser fällt, ist Titelheldin Liberty Bell. Ganz ehrlich, mir ist bisher kaum eine derart blasse, unglaubwürdige, verstockte und einfach nur öde Protagonistin begegnet. Am liebsten würde ich die Autorin nehmen und schütteln. Ich meine: DAS MÄDCHEN HAT IHR GANZES BISHERIGES LEBEN IN DER WILDNIS VERBRACHT! Und jetzt wird sie plötzlich in die moderne Welt katapultiert, sie ist dabei, sich in einen Jungen zu verlieben, wird gezwungen, ihre eigene bruchstückhafte Vergangenheit zu hinterfragen und zudem ist ihr möglicherweise noch ein Mörder auf den Fersen – wenn das mal nicht ordentlich Zündstoff für eine atemlose Handlung hergibt. Doch statt ihn zu nutzen, lässt die Autorin alle ihr zur Verfügung stehenden Mittel einfach verpuffen und zurück bleibt ein penetranter Geruch nach großzügig verschenktem Potenzial. Liberty Bell ist nervtötent bis zum Umfallen. Sie hat wie eine Wilde in den Wäldern gelebt? So what. Darüber erfährt der Leser nichts und davon ist ihr auch nichts anzumerken. Oh ja, sie wundert sich kurz, bevor sie in ein Auto steigt und den Anschnallgurt umlegt, oh, sie fürchtet sich einen Augenblick, bevor sie den Fahrstuhl nutzt und an irgeneiner Stelle (ich glaube, es  war, nachdem sie Ernesto erstaunt beim Tippen einer SMS beobachtet hat), meint sie offenherzig, dass es ja so vieles gäbe, was sie noch gar nicht kenne, aber damit hätten wir alles  zum Thema „Aufeinanderprallen verschiedener Welten“ auch schon gesagt.

Überhaupt kommt der für die Handlung elementare Wald nur äußerst selten vor. Die ganze Geschichte der Entdeckung Liberty Bells durch Jadens Mountainbiktour ist so wie so schon recht hanebüchen, allein deshalb, weil eben jenes Waldstück 2 Autostunden von Old Town entfernt liegt und Liberty Bells Hütte so prominent in Waldrandnähe zu stehen scheint, dass es an ein Wunder grenzt, dass sie die letzten 17 Jahre abgeschnitten von der Außenwelt verbringen konnte. Die zwei Autostunden Entfernung schrumpfen außerdem im Laufe der Handlung erheblich, zumindest gefühlt, fahren doch die Jungs munter zwischen der Stadt und dem Wald hin und her (anfangs packen sie noch umständlich Proviant ein, später reicht eine fixe Idee, um noch mal eben vier Stunden Sprit zu verfahren).

Abgesehen von den absolut flachen Figuren (muss ich jetzt noch erklären, weshalb ich noch nie eine unglaubwürdigere und langweilige Liebesgeschichte gelesen habe?) und der wenig überzeugenden Kriminalgeschichte (deren Auflösung teilweise aus haarsträubenden Zufällen besteht), bleibt leider auch noch die Sprache, die ich bemängeln muss. Wirklich, ich habe noch nie einen solchen Overkill an Gedankenstrichen und Auslassungspunkten erlebt. Bisher war mir gar nicht klar, dass man nur durch die Verwendung von Satzzeichen die Sprache eines ganzen Romans ruinieren kann. Aber zeitweise hatte ich das Gefühl, von den ganzen „…“ und „-“ erschlagen zu werden. Aus Gründen, die mir ein absolutes Rätsel sind, zerpflückt die Autorin ihre Sätze, vor allem aber die Dialoge, derart mit Auslassungspunkten und Gedankenstrichen, dass der Lesefluss ins Stocken gerät und Personen, die offenbar normal denken und sprechen, oftmals stotternd, zaudernd und abgehackt reden. Das war beim Schreiben vielleicht nicht mal beabsichtigt, aber der Effekt war (zumindest bei mir) genau dieser. Die schlimmste Stotterin und Zauderin ist übrigens Liberty Bell. Kaum ein Satz, den sie ohne ein „…“ oder einen „-“ (manchmal sogar in Kombination!) über die Lippen bringt. Beispiel:

Liberty Bell biss sich auf die Lippen. „Ich bin so … eingesperrt. Dabei habe ich – doch gar nichts … getan …“, sagte sie bedrückt. (S. 289)

Erstaunlich, dass Ernesto ihre Sprechweise in Gedanken zweimal als überaus schnell und fließend beschreibt, ja so, als würde sie vorher genau überlegen und sich dann in flink sprudelnden Sätzen mitteilen. Ironie? Ich glaube nicht. Leider haben mir die unzähligen und an den kuriosesten Stellen platzierten „…“ und „-“ den Lesespaß erheblich getrübt. Zumindest die Lektorin scheint da nicht der gleichen Meinung gewesen zu sein, sonst hätte sie diesen Satzzeichen-Wald sicher etwas ausgedünnt. Fakt ist, dass ich auf irgendeiner Seite mal acht Gedankenstriche und zehn Auslassungspunkte gezählt habe. Und das soll mein letztes Wort zu diesem Thema sein.

Fazit:

Aus meiner Rezension spricht nicht Böswille, sondern blanke Enttäuschung, fand ich doch Cover, Thema und Inhaltsangabe so vielversprechend. Der Untertitel  und Aufhänger des Buches „Das Mädchen aus den Wäldern“ hat sich für mich als leere Versprechung entpuppt und sämtliches Potenzial einer spannenden Geschichte scheitert für mich an einer Überfülle absolut flacher Charaktere, einem unausgegorenen Plot und einer sprichwörtlich lieblosen Liebesgeschichte. Zuletzt ist es Johanna Rosens Sprache, die mich überhaupt nicht überzeugen konnte.

Die Grundidee hat mir gefallen und die Geschichte ist nicht vollends schlecht erzählt, immerhin habe ich das Buch bis zum Ende gelesen, daher vergebe ich zwei Kaffeetassen. Vielleicht geht es anderen Lesern anders, aber von mir gibt es diesmal leider keine Empfehlung.

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[Rezension] Jennifer Rush – Escape

7516-01_escape.inddTitel: Escape (Band 1)

Autor: Jennifer Rush

Broschiert: 319 Seiten
Verlag: Loewe Verlag (Januar 2013)
ISBN: 978-3785575161

Erster Satz:

„Fast vier Jahre lang hatte ich das Labor nicht betreten dürfen.“

Inhalt:

Anna lebt mit ihrem Vater auf einer abgeschiedenen Farm, die alles andere als gewöhnlich ist: Unter dem Gebäude befindet sich ein geheimer Labortrakt, in dem vier junge Männer für medizinische Tests der Regierung gefangen gehalten werden. Tagsüber unterstützt Anna ihren Vater bei seinen wissenschaftlichen Arbeiten, aber nachts schleicht sie sich nach unten, denn für einen der Jungs, Sam, hegt sie heimlich Gefühle.

Als das Militär die jungen Männer aus der Isolation holen und für seine dubiosen Zwecke nutzen will, überschlagen sich die Ereignisse und den Jungs gelingt gemeinsam mit Anna die Flucht. Eine wilde Hetzjagd quer durch die USA folgt, bei der Sam zum Anführer avanciert, dessen oberste Priorität es ist, mehr über seine Vergangenheit zu erfahren – und darüber, was man mit ihnen vorhat.

Meine Meinung:

Was anfangs noch nach einem großartigen Plot mit unendlichem Potenzial klingt („Escape“ soll den Anfang einer mehrteiligen Serie bilden), mausert sich in meinen Augen sehr schnell und sehr ernüchternd zu einem wackeligen Handlungsgerüst voller Logiklöcher und flacher Charaktere ohne jede innovative Idee.

Allein der Beginn der Geschichte ist reichlich an den Haaren herbeigezogen – ein für die Regierung äußerst wichtiges, offenbar mit hohen Kosten verbundenes militärisches Projekt, das auch noch lebende Menschen involviert, soll ausgelagert im Keller irgendeines Farmhäuschens stationiert sein, wo ein paar Beauftragte ein, zwei mal im Monat Stippvisite machen, wo Vater und minderjährige Tochter(!) allein und weitgehend unbeaufsichtigt ihr Ding machen dürfen? Sehr unglaubwürdig. Auch, dass die vier Versuchsobjekte, allesamt von Amnesie betroffen und sich bewusst, dass ihnen ein ungemütliches Schicksal bevorstehen wird, ihr Gefangenendasein so gut wie klaglos hinnehmen und Anna, die Vertrauen zu ihnen gefasst hat, nicht als Schlüssel zu ihrer Freiheit benutzen? Kann ich nicht verstehen. Und dann ist da natürlich auch noch Anna selbst, die nun schon seit vier Jahren (erst heimlich, dann offiziell) zu den Kerlchen hinunter steigt und sich um kaum etwas Gedanken macht als darüber, was für ein Spiel sie mit dem lustigen Cas spielen könnte, welches Buch sie dem intelligenten Trev als nächstes bringt, wie sie den grimmigen Nick dazu bringen könnte, sie endlich freundlich zu behandeln und wie sie Sam ihre Gefühle zeigen soll. Weiter denkt das Mädchenhirn nicht. Kein Gedanke in all der Zeit, wie sie den Jungs aus der Gefangenschaft helfen könnte. Daran, was man mit ihnen vorhat. Oder wie ihr Vater in all dem verwickelt ist. Im Laufe der Zeit habe ich direkt das Gefühl bekommen, dass Anna eine ausnehmend naive, um nicht zu sagen begriffsstutzige Protagonistin is und die vier Jungs sie zu ihrem eigenen Besten lieber heute als morgen fallenlassen sollten.

Was mich leider schon zum kritischsten Teil der Handlung kommen lässt: der Flucht. Man sollte meinen, dass man nach der Flucht aus einem Hochsicherheitstrakt und mit einer Spezialeinheit der Regierung auf den Fersen ordentlich Feuer unterm Hintern hat. Das scheint allerdings nicht für unsere fünf Flüchtlinge in „Escape“ zu gelten, denn ständig wird irgendwo pausiert, diskutiert und längere Aufenthalte eingelegt. Denn nein, die Gruppe will nicht nur fliehen, sondern gleichzeitig und am besten sofort mehr über die Herkunft der Jungs erfahren. Sam hat nämlich vor seiner künstlich herbeigeführten Amnesie versteckte Hinweise hinterlassen, mit deren Hilfe er seine eigene Identität aufschlüsseln will und denen die fünf nun eifrig wie auf einer Schnitzeljagd hinterhereilen (ein  wichtiger Hinweis dazu ist ein riesiges  Tattoo auf Sams Rücken). Ab und zu kreuzen sich ihre Wege mit den bewaffneten Einsatzkräften, die hinter ihnen her sind, doch jedes Mal gelingt um Haaresbreite die Flucht, nur um danach wieder mehr oder weniger relaxt irgendwo Station zu machen, zu planen, sich zu streiten oder (in Cas‘ Fall) dumme Witze zu reißen. In dieser Zeit wären andere sicher schon über die Landesgrenzen geflohen. Der Höhepunkt der Lächerlichkeit ist noch nicht einmal erreicht, als sich Anna und die Jungs mehrere  Stunden in einem Kaufhaus rumtreiben, um sich mit (modisch und farblich abgestimmten) neuen Klamotten einzudecken, sondern als sie sich bei einem Kleinkriminellen eben mal ein paar Waffen besorgen, die Sam und Anna hinter dem Haus schon mal ausprobieren(!), um Schießen zu üben. Wer sich dann noch wundert, dass irgendwann erneut die schwarzen Männer auftauchen, der hat sich wohl um etwas mehr als eine Amnesie zu sorgen.

Abgesehen von dieser nicht geglückten Mischung aus Flucht und schlecht verpackter Spurensuche in der Vergangenheit konnten auch Figuren und Schreibstil nichts mehr für mich retten. Anna ist hoffnungslos naiv und für eine Titelheldin überraschend langweilig. Sam ist ein zielstrebiger Anführertyp, der wissen will, wo er herkommt. Mehr konnte die Autorin beim besten Willen nicht aus ihm herauskitzeln. Trev, der Kumpeltyp, ist der einzige richtige Sympathieträger, neigt jedoch dazu, aufgrund seiner Belesenheit ständig (leider ziemlich unpassende) Zitate berühmter Persönlichkeiten herauszuhauen. Cas ist sportlich, dauerhungrig und noch einfältiger als Anna. Nick ist der „Böse“, was man daran erkennt, dass er in jeden Satz, den er sagt, ein Schimpfwort oder zumindest ein „verdammt“ einbaut. Damit hätten wir unsere fünf Protagonisten in  all ihrer vorhersehbaren Einfachheit auch schon beisammen.

Bleibt noch Jennifer Rushs Schreibstil. Ich wollte ja wohlwollend sein, zumal dies ihr Debüt ist, aber ich kann nicht anders, als ihre Fähigkeiten bestenfalls als „mittelmäßig“ einzustufen.  Ihre Charaktere sind stereotyp, der Plot fadenscheinig und nicht gut durchdacht, ihre Schreibe schlicht, die Dialoge leb- und belanglos. Hinzu kommt noch fehlende Glaubwürdigkeit, etwa, was die Durchfürung der wissenschaftlichen Untersuchungen angeht, oder ein gleich zweimal angewandter Kniff, bei dem jeweils einer der Jungs  seine auf dem Rücken gefässelten Hände beim Springen unter den Beinen nach vorn zieht und somit die Hände vor sich hat. Ein zweifaches anatomisches Wunder. Ich meine: Häh? Wie zur Hölle …??

Auch die zahlreichen Actionszenen bekommt Rush irgendwie nicht hin, meiner Meinung nach fehlt ihr da absolut das Timing, das Gespür für Adrenalin, Schnelligkeit und Impulsivität. Sie erzählt zu steif und zerhackt die Szenen mit oftmals unpassenden Gedankeneinschüben von Anna. Vor allem für einen Thriller ist das ziemlich schwach.

Fazit:

Trotz einer tollen Ausgangsdee hat Autorin Jennifer Rush aus dem ersten Band ihrer Reihe leider nichts anderes machen können als einen krampfhaft auf Thrill angelegten Roman, dessen Plot oftmals unglaubwürdig bis hanebüchen daherkommt und dessen Charaktere platt sind und sich nicht entwickeln wollen. Zwei Kaffeetassen für die gute Grundidee und dafür, dass ich trotz der Mängel bis zum Ende gelesen habe.

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[Rezension] Thomas Brussig – Am kürzeren Ende der Sonnenallee

am kürzeren ende der sonnenalleeTitel: Am kürzeren Ende der Sonnenallee

Autor: Thomas Brussig

Gebundene Ausgabe: 160 Seiten
Verlag: FISCHER Taschenbuch;  16. Mai 2001
ISBN: 978-3596148479

Erster Satz:

“Es gibt im Leben zahllose Gelegenheiten, die eigene Adresse preiszugeben, und Michael Kuppisch, der in Berlin in der Sonnenallee wohnte, erlebte immer wieder, daß die Sonnenallee friedfertige, ja sogar sentimentale Regungen auszulösen vermochte .”

Inhalt:

Micha Kuppisch wohnt in Berlin, in dem kürzeren Ende der Sonnenallee und das bedeutet, er lebt in der DDR und direkt an der Mauer. Er ist in die schöne Miriam aus seiner Schule verliebt und buhlt, gemeinsam mit der ganzen Schule und auch einigen Westdeutschen, um ihre Gunst. Mit seinen Freunden Mario, Brille und Wuschel lebt er den normalen Wahnsinn des Alltags.

Meine Meinung:

Dieses Buch und der dazugehörige Film sind unglaublich bekannt und werden gerne auch mal im Deutschunterricht behandelt. Deshalb war ich schrecklich enttäuscht, dass ich mit dem Roman so gar nicht warm wurde.

Sicher sind die ganzen Details über das Leben an der Mauer in der DDR sehr interessant, doch die Erzählweise, die ganze Geschichte war für mich einfach nur langweilig. Die ganze Zeit über, bis zu den letzten Seiten vor dem Schluss, hatte ich das Gefühl als Unbeteiligte neben dem Geschehen zu stehen. Das ist etwas, was bei einem Buch für mich gar nicht geht. Der einzige rote Faden der Geschichte besteht darin, wie Micha sich um Miriam bemüht, fast alle anderen Ereignisse hätten genauso gut in einer anderen Reihenfolge angeordnet sein können und niemand hätte es bemerkt. Der Autor springt von einem Erlebnis zum anderen und dabei bleibt der Lesefluss und das Interesse auf der Strecke, zumal einiges auch schlichtweg uninteressant und belanglos erscheint.

Der Schreibstil hat mir an manchen Stellen ganz gut gefallen, aber grundsätzlich tut er sich für mich nicht sonderlich hervor.

Fazit:

Für eingefleischte DDR-Geschichten-Fans vielleicht ganz nett. Ich jedoch habe mich selten bei einem so kurzen Buch so gelangweilt. Leider nicht empfehlenswert.

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[Rezension] Pauline Francis – A World Away

Titel: A World Away

Autor: Pauline Francis

Broschiert: 251 Seiten
Verlag: Kosmos (Franckh-Kosmos) (2010)
ISBN: 978-3440121450

Erster Satz:

“Flammen lassen den Körper meiner Mutter von oben bis unten aufleuchten, sie züngeln um ihren schlanken Hals.”

Inhalt:

1586. Von einer britischen Expedition in das amerikanische Gebiet Virginia wird das Indianermädchen Nadie nach England gebracht. Dort muss sie sich an das neue Leben und die Verachtung der in der Hafenstadt Plymouth gewöhnen. Doch schon bald lernt sie den jungen Schmied Tom kennen und die beiden verlieben sich. Hin- und hergerissen zwischen ihrer Heimat und Tom entscheidet sich das Paar schließlich mit der nächsten Expedition zurück in die Neue Welt zu segeln. Doch dort kommt alles ganz anders als erwartet.

Meine Meinung:

Um es gleich vorweg zu nehmen: Dieser Roman konnte mich leider nicht begeistern. Die 2 Kaffeetassen bekommt „A World Away“ dafür, dass Pauline Francis laut ihrem eigenen Nachwort sehr auf ihre Recherchen gestützt hat und vieles aus der Zeit 1586-87 übernommen hat. So zum Beispiel indianische Völker, Orte, teilweise sogar Personen. Auch für einige Ideen gibt es von mir etwas Anerkennung.

Der Rest jedoch hat mich schlichtweg enttäuscht. Der Schreibstil liest sich in der ersten Hälfte des Buches irgendwie seltsam distanziert, wogegen er in der zweiten Hälfte sehr übertrieben und dem Leser gegenüber irgendwie aggressiv wirkt. Es wird abwechseln aus Nadies und aus Toms Sicht erzählt, wobei sich die beiden völlig gleich lesen. Manchmal musste ich wirklich überlegen, aus wessen Sicht da gerade geschrieben wird. Die Liebesszenen triefen vor Kitsch und viele Gefühle, Handlungen und Unterhaltungen wirkten für mich sehr unrealistisch und weit hergeholt. Weder mit Nadie, noch mit Tom bin ich während der Geschichte richtig warm geworden und die Nebencharaktere werden recht oberflächlich abgehandelt, weswegen auch dort keine großen Sympathien entstehen konnten.

Am schlimmsten fand ich eigentlich den Schluss. Der war zwar im Gegensatz zum Anfang erfrischenderweise spannend, war aber, meiner Meinung nach, sehr übertrieben dramatisch und ist mit all den Geschehnissen und dem großen Tamtam in die letzten Seiten mit aller Gewalt nur so hineingequetscht worden.

Fazit:

„A World Away“ ist für mich leider absolut kein empfehlenswertes Buch, kann aber durchaus neugierig auf die damalige Zeit und die indianische Kultur machen.

[Rezension] Marie Lu – Legend: Fallender Himmel

Titel: Legend – Fallender Himmel

Autor: Marie Lu

Gebundene Ausgabe: 368 Seiten
Verlag: Loewe Verlag (10. September 2012)
ISBN: 978-3785573945

Erster Satz:

„Meine Mutter glaubt, dass ich tot bin.“

Inhalt:

Los Angeles, in einer dystopischen Zukunft: der fünfzehnjährige Day ist der meistgesuchte Verbrecher der Republik, und obwohl niemand sein Gesicht kennt, ist ein hohes Lösegeld auf seinen Kopf ausgesetzt.

Die fünfzehnjährige June Iparis ist die beste Kadettin an der Militärakademie und die Einzige, die je den großen Test, dem sich alle Kinder im Alter von 10 Jahren unterziehen müssen, mit der vollen Punktzahl bestanden hat.

Als Junes Bruder, ein Offizier, bei einem Überfall getötet wird, ist es Day, der für seinen Tod verantwortlich gemacht wird. June erhält daraufhin den Auftrag, Day ausfindig zu machen und ihn ein für allemal aus dem Weg zu schaffen.

Meine Meinung:

„Legend – Fallender Himmel“ ist für mich eine Enttäuschung auf ganzer Linie. Nachdem Oetinger einen Riesenerfolg mit der „Panem“-Trilogie gelandet hat, Fischer mit dem stark gehypten „Die Auswahl“ durchgestartet ist und Cbj einen Bestseller mit „Die Bestimmung“ an Land gezogen hat (alles Jugendbuch-Dystopien, die demnächst verfilmt werden sollen), will der Loewe Verlag nun mit Marie Lus „Legend“-Trilogie auf den fahrenden Zug aufspringen. Was hier an Werbegeldern ausgegeben worden sein muss, will ich mir nicht einmal vorstellen.

Was aber lässt sich über „Legend“ erzählen? Müsste ich die Handlung zusammenfassen, ich bräuchte nicht mal fünf Sätze. Die Charaktere? Haben keinerlei bleibenden Eindruck bei mir hinterlassen. Spannung? Nur im weitesten Sinne erkennbar. Der Schreibstil? Ist vorhanden, mehr aber auch nicht. Originalität? Habe ich auf keiner der 368 Seiten gefunden.

Genauer: Marie Lu’s Erstling bietet nichts, aber auch gar nichts Neues. Der Plot ist so fadenscheinig, dass man ihn direkt suchen muss. Wenn ich mir vorstelle, dass dieses Handlungskonstrukt noch zwei Bände lang durchhalten muss, bin ich echt gespannt, das da noch kommen soll. Lu hat keinerlei neue Ideen zum Genre beizusteuern, ich hatte sogar das Gefühl, dass sie sich überhaupt nur mit Müh und Not eine Story aus dem Ärmel schütteln konnte. Der Verlauf der Handlung ist vom ersten Moment an klar und man läuft zu keiner Sekunde Gefahr, überrascht zu werden.

Die Charaktere sind durch die Bank reißbrettartig in ihren Eigenschaften und immer schwarz-weiß. Weder überzeug Day als knallharter Schwerverbrecher (der keinen einzigen Mord begangen, aber mal ein paar Brände an Militärfahrzeugen gelegt hat, buhu), noch June als hyperintelligente Soldatin (je weiter die Handlung voranschreitet, desto mehr wundert man sich, wie sie zu ihren perfekten Testergebnissen kommen konnte). Der Umstand, das beide erst 15 (!) sind, macht das keine Spur glaubwürdiger. Sämtliche  Nebencharaktere sind ebenso langweilig wie durchschaubar.

Die aufgebauschte und durchweg vorhersehbare Handlung wird noch getoppt von einer Reihe von Unglaubwürdigkeiten, über die ich nur den Kopf schütteln konnte. Angefangen mit eine Aktionszene, in der Day auf der Flucht ein Messer in eine Gipswand rammt, um sich dann aus eigener Kraft daran nach oben und mit den Füßen zuerst durch ein Fenster in großer Höhe hinaus zu schwingen. Einer Computerspiel-Figur würde ich diesen Stunt vielleicht noch durchgehen lassen (Marie Lu war künstlerische Leiterin bei einer Computerspiel-Firma), aber nicht in einem Roman. Als Day jemanden mit seinem Messer an der Schulter trifft, ist für ihn absolut klar, dass er ihn nicht tötlich verletzt haben kann, weil es „nur“ die  Schulter ist. Das dort eine lebenswichtige Arterie verläuft, wird außer acht gelassen. Auch Junes große Überraschung über den Befehlsgehorsam ihres Kameraden, der nach Aufforderung seines Commanders Unschuldige erschießt, ist einfach nur lächerlich. Als gedrilltes Mitglied der Armee sollte es ihr in den Knochen stecken,  Befehle ohne jede Frage auszuführen. Und die Szenen, in denen June sich als Hackerin betätigt, sind direkt haarsträubend. Hier hätte die Autorin ihr Nichtwissen zu diesem Thema wirklich besser überspielen müssen. Noch unglaubwürdiger wird es kurz vor dem Finale, aber ich will nichts vorwegnehmen.

Zuletzt ist es Marie Lu’s Schreibstil, der her einiges hätte retten können. Leider gestaltet der sich aber so simpel und unausgereift, dass sich mir die Frage stellt, weshalb das Buch überhaupt verlegt wurde. Der Roman ist einfach nur mäßig geschrieben und auch die Dialoge bleiben ungelenk und farblos. Großes schriftstellerisches Talent kann ich hier nicht entdecken.

Fazit:

„Legend“ ist handlungs- und spannungsarm, bietet kaum glaubwürdige Charaktere in einem kaum beschrieben Setting und lässt jeden Anflug von Originalität vermissen.

Zurück bleibt eine über die Maßen gepushte Dystopie ohne Inhalt, deren bestes Attribut ist, dass man sie lesen kann. Der Rest ist eine große Menge heißer Luft.

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