[Rezension] Shani Boianjiu – Das Volk der Ewigkeit kennt keine Angst

Shani-Boianjiu-Das-Volk-der-Ewigkeit-kennt-keine-AngstTitel: Das Volk der Ewigkeit kennt keine Angst

Autor: Shani Boianjiu

Gebundene Ausgabe: 336 Seiten
Verlag: Kiepenheuer&Witsch (September 2013)
ISBN: 978-3462045581

Erster Satz:

“Im Klassenzimmer-Container liegt Staub.”

Inhalt:

In einem kleinen Dorf in Israel leben die drei Freundinnen Lea, Yael und Avishag. Sie gehen zur Schule, sie müssen Militärdienst leisten, sie haben Sex, sie suchen sich Jobs. Ihr Leben ist geprägt von Gewalt, Sex und Langeweile und von ihrer Freundschaft.

Meine Meinung:

So enttäuscht, wie ich von diesem Buch war, war ich lange von keinem anderen mehr. Ich habe in diesem Roman nicht nur vergeblich nach Spannung oder einem roten Faden gesucht, sondern auch nach der eigentlichen Botschaft. Die Autorin gibt sich größte Mühe, ihre Sprache geheimnisvoll (teilweise völlig kryptisch) und leicht poetisch klingen zu lassen, doch mehr, als dass der Militärdienst nicht leicht ist und Krieg sowieso nichts tolles, habe ich nicht viel herauslesen können. Die Geschichte ist absolut unübersichtlich, ich war eigentlich das ganze Buch über verwirrt. Ständig wechselt die Perspektive zwischen den drei Mädchen und vor allem anfangs kam ich damit überhaupt nicht zurecht, wenn der Name nicht sofort erwähnt wurde. Die Figuren werden scheinbar sehr tiefgehend beschrieben, doch wenn man genauer hinsieht beschränkt sich die Autorin auf wenige Gesichtspunkte und der Rest bleibt oberflächlich. Ich habe die ganze Zeit über versucht einen Zugang zu dem Werk zu finden oder mich für die Protagonisten zu interessieren, es ist mir einfach nicht gelungen. Jede der drei Mädchen war mir absolut egal, nachdem mir am Anfang wenigstens Yael gut gefallen hatte. Ich konnte nichts nachvollziehen, nicht was die Mädchen gefühlt oder gedacht, getan oder gesagt haben. Alles blieb für mich ein verzweifelter Versuch der Autorin die Probleme, den Krieg, den Militärdienst so künstlerisch wie möglich scheußlich hinzustellen, ohne großartig scheußliche Dinge zu erwähnen.

Fazit:

Ich war von Thema und Cover geblendet und wurde derbe enttäuscht. Eine verwirrende, völlig lahme Geschichte, die in überzogener, gezwungen geheimnisvoller Sprache erzählt wurde.

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[Rezension] Sarah Crossan – Breathe

BreatheAutor: Sarah Crossan

Titel: Breathe – Gefangen unter Glas

Taschenbuch: 432 Seiten
Verlag: Deutscher Taschenbuch Verlag (März 2013)
ISBN: 978-3423760690

Erster Satz:

“Atmen ist ein Grundrecht, kein Privileg.”

Inhalt:

Nach dem großen Switch leben die Menschen unter einer riesigen Glaskuppel, in die künstlich erzeugter Sauerstoff gepumpt wird. Außerhalb der Kuppel gibt es nur alte, zerfallene Städte aus der Zeit vor dem Switch, Ausgestoßene und die Rebellen. Die Freunde Quinn und Bea machen einen Ausflug in die Ödnis, mit Sauerstoffflaschen ausgerüstet und treffen auf die Rebellin Alina, die ihr Schicksal in völlig andere Bahnen lenkt.

Meine Meinung:

„Breathe – Gefangen unter Glas“ basiert auf einer wirklich guten, wenn auch nicht ganz neuen, Grundidee. Nachdem auf dem Planeten alle Pflanzen ausgestorben sind und die Natur keinen Sauerstoff mehr produzieren konnte, kann man nur noch in riesigen Kuppeln leben. Dort wird man von der Firma „Breathe“ mit künstlich hergestelltem Sauerstoff versorgt. Das ist dann auch so ziemlich alles, was man über Breathe, die Kuppel und den künstlichen Sauerstoff erfährt. Man tappt als Leser völlig im Dunkeln, es werden so gut wie keine Fragen beantwortet. Besonders traurig ist das, weil sich Crossan in der Danksagung für die Hilfe im wissenschaftlichen Bereich bedankt. Die große Frage ist hier, wobei sie Hilfe in diesem Gebiet brauchte. Wurden die Stellen alle rausgekürzt?

Viel schlimmer sind allerdings die Charaktere. Der Roman wird abwechseln aus der Sicht der drei Hauptcharaktere Quinn, Bea und Alina erzählt.

Quinn ist ein Premium, dem aufgrund seines Status‘ als privilegierter Bürger und durch seinen Vater, der ein hohes Tier bei Breathe ist, alles zufliegt. Seit Jahren ist er mit Bea befreundet, die als Second keinerlei Vergünstigungen genießen kann. Bea ist unsterblich in Quinn verliebt und nachdem dieser anfangs noch recht cool beschrieben wird, verliert er im Laufe des Buches immer mehr an Attraktivität. Seine Gedanken, sein Handeln und vor allem, was er so von sich gibt, lassen ihn mit jedem weiteren Kapitel beschränkter und unbeholfener erscheinen. Die Dialoge sind teilweise wirklich lächerlich, sobald er involviert ist. So oft habe ich mir an den Kopf gegriffen, wenn seine Gedanken geschildert wurden.

Bea, die Second, besteht in ihrem Wesen fast grundsätzlich aus ihrer Liebe zu Quinn, die wie bereits erwähnt, immer schwerer nachvollziehbar wird. Während des ganzen Buches ist sie durchweg gütig und liebenswürdig (die einzigen nicht liebenswürdigen Gedanken beziehen sich auf ihre Eifersucht Alina gegenüber, womit wir wieder bei der Liebe zu Quinn wären) und irgendwann beginnt einem dieser „Engel“ wirklich auf die Nerven zu fallen.

Alina, die Rebellin, ist die Figur, die einem am wenigsten nervt, aber auch hier fragt man sich irgendwann, ob sie auch noch über andere Dinge, als die Rebellion nachdenken kann. Jede Figur beschränkt sich nur einen bestimmten Aspekt, keine ist dreidimensional, keine ist greifbar. Über niemanden erfahren wir mehr, als unbedingt nötig und die Schreibstile zwischen den Dreien unterscheiden sich fast gar nicht.

Aber nicht nur die Hauptcharaktere haben mir zu schaffen gemacht. Da wären noch der allzeit sturzbetrunkene Präsident, der sich außer durch seine Alkoholsucht nur noch durch sein Lachen „Ha“ auszeichnet. Und die Rebellenführerin Petra, eine herrische Ökotante, die gegenüber ihrer sogenannten „Familie“ gerne Gewalt anwendet und eigentlich kontinuierlich schreit. Als Sahnehäubchen bleibt dann noch die 9-jährige Jazz, die immer an Petras Seite ist, selbst herumherrscht, wie eine ganz Große und sogar (um Quinn und Bea glaubhaft wie Flüchtlinge aussehen zu lassen) zuschlägt und kratzt und schmerzende Wunden hinterlässt. Was für eine 9-Jährige!

Was die Spannung angeht, hat, meiner Meinung nach, Crossan noch am meisten geleistet. Doch wenn man ein Buch nicht gerne liest, dann rettet auch die Spannung nicht mehr viel. Zumal die meisten Geschehnisse sehr vorhersehbar waren…

Fazit:

„Breathe“ ist für mich die bisher schlechteste Dystopie, die ich gelesen habe und keineswegs zu empfehlen. Da bereits in diesem ersten Teil das Potenzial kein bisschen ausgeschöpft wurde, kann ich mir gar nicht vorstellen, wie es im zweiten Teil weitergehen soll. Der Dreieckskonstellation fehlt jede Dynamik, da einem jeder einzelne auf die Nerven geht. Sehr schade!

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[Rezension] Karsten Flohr – Zeiten der Hoffnung

Titel: Zeiten der Hoffnung

Autor: Karsten Flohr

Taschenbuch:365 Seiten

Verlag: Insel Verlag (Juni 2012)

ISBN: 978-3458358466

Erster Satz:

„Der Traum wollte nicht weichen.“

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Inhalt:

Die Geschichte schildert aus verschiedenen Perspektiven den Vorabend des 1. Weltkrieges in Deutschland und Frankreich. Im Vordergrund steht die gut situierte Familie von Schwemer, insbesondere der älteste Sohn Wilhelm. Es wird erzählt von der Liebesgeschichte zwischen ihm und seiner französischen Jugendfreundin, von den Kolonien in Togo, vom Aufbegehren junger Frauen und vor allem vom Kriegsgeschehen.

Meine Meinung:

Leider war ich von diesem Roman sehr enttäuscht. Von einem Buch, das den zweiten Weltkrieg aufgreift und eine Liebesbeziehung zwischen einem Deutschen und einer Französin schildert, hatte ich mir sehr viel mehr erhofft.

Die Geschichte zieht sich von Anfang bis knapp vor das Ende sehr langweilig und zäh dahin. Erst gegen Ende wurde es ein bisschen spannend, diesen Teil habe ich auch am schnellsten gelesen. Viele zu viele Fakten versucht der Autor unterzubringen, möchte alles anbringen, was er über diese Zeit weiß – dabei bleibt die Handlung aber ganz schön auf der Strecke. Und andersherum: einige sehr wichtige Themen lässt er weg, überspringt riesige Zeiträume und das wichtige, das traumatisierende Ereignis des Attentats in Sarajewo wird mit 2 Sätzen abgehandelt. Das hat mich sehr enttäuscht.

Auch von der Beziehung zwischen Wilhelm und Adéle hatte ich mir weit mehr erhofft. Sie sollten eigentlich den Roman tragen, finden aber im gesamten Werk kaum zueinander. Zweimal nur sind wir wirklich körperlich (und ich meine nicht sexuell, sondern einfach ihre körperliche Anwesenheit) zusammen. Den Rest des Buches schmachten sie einander von der Ferne an und hoffen sich bald wiederzusehen. Doch darüber kann der Leser fast froh sein, denn die erste Begegnung zwischen den beiden wird derart kitschig und unrealistisch beschrieben, dass ich sie wenig ernst nehmen konnte. Die Dialoge wirken sehr gestelzt, so würde wohl niemand mit seinem Angebeteten sprechen. Teilweise halten sie sich gegenseitig lange Monologe. Das zieht sich teilweise auch bei anderen Personen durch die Geschichte.

Zudem sind mir immer wieder kleine Wortfehler und auch Logikfehler aufgefallen, die an sich ja nicht so dramatisch sind, in der Masse dann aber doch auffallen und anfangen zu nerven.

Zu den Charakteren lässt sich ziemlich knapp sagen, dass der Protagonist Wilhelm recht sympathisch ist, aber auch sehr vorhersehbar handelt und nicht besonders spannend ist. Seine große Liebe Adéle findet nicht allzu viel Beachtung in der Charakterbeschreibung, weshalb sie ebenfalls wenig interessant für den Leser wird. Mutter und Vater von Wilhelm sind mir völlig unsympathisch gewesen und die Brüder von Wilhelm wurden nur so knapp beleuchtet, dass man eigentlich nicht mehr über sie weiß, als dass sie eben Kinder sind.

Einzig Wilhelms Schwester Elisabeth hat mir in der Geschichte wirklich gefallen und so auch ihr Handlungsstrang. Sie ist eine willensstarke Person, die sich für die Emanzipation der Frau einsetzt, an Demonstrationen teilnimmt, Hosenanzüge trägt, etc. Das war für mich interessant zu lesen und die Sympathie zu ihr war schnell entstanden. Auch die Beziehung zwischen ihr und dem Hausmädchen fand ich realistisch und detailgetreu geschildert und habe sie gerne verfolgt.

Fazit:

Diesen Roman kann ich leider nicht empfehlen. Ich bin beim Lesen nur langsam vorangekommen und war zeitweise richtig gefrustet über manche Stellen.

[Abgebrochen] Meljean Brook – Die eiserne See: Wilde Sehnsucht

Wann sollte man aufgeben?

Es passiert wirklich nur ganz, ganz selten, dass ich ein Buch vorzeitig abbreche. Früher konnte ich das gar nicht, weil ich immer dachte: „Es wird bestimmt noch besser! Ich verpasse etwas, wenn ich nicht bis zum Schluss durchhalte!“

Die Erfahrung hat mich eines Besseren belehrt: Wenn ich mich nach den ersten hundert Seiten immer noch durch ein Buch quäle, ist es höchst unwahrscheinlich, dass daraus noch ein lohnendes Leseerlebnis für mich wird. Gelernt, ein Buch unbeendet aus der Hand zu legen, habe ich allerdings erst während meiner Ausbildungzur  Buchhändlerin. Es ist einfach idiotisch, drei Wochen lang an einem Buch herumzuknabbern, das definitiv nicht für dich geschrieben wurde, wenn es einen zum Bersten vollgestopften Schrank mit hundert anderen nigelnagelneuen Leseexemplaren gibt, die nur auf ihre Chance warten, entdeckt und verschlungen zu werden.

Abgebrochen: „Die eiserne See“

Nun ist es nach langer Zeit also wieder passiert: ich habe ein Buch abgebrochen. Besonders ägerlich: ich hatte das Buch auf LovelyBooks für eine Leserunde gewonnen. Der LYX-Verlag hat großzügig 25 Exemplare seines neuen Steampunk-Romans verlost und ich hatte das Glück, eine der Gewinnerinnen zu sein.

Warum ich schon nach 200 von 479 Seiten weiß, dass das Buch nichts für mich ist? Hier eine kurze Übersicht:

+ Meljean Brook erschafft eine erstaunliche ausgeklügelte Alternativwelt zu unserer, in deren Vergangenheit Europa von den Mongolen erobert und tyrannisiert wurde und die Menschen auf dampfbetriebenen Automobilen und fliegenden Schiffen unterwegs oder gar mit mechanischen Körperteilen ausgestattet sind.

der Leser wird gnadenlos mitten hinein katapultiert in Brooks Welt und muss sich ohne Hilfe (eines Glossars o.ä.)  in dem Wirrwarr aus  Boundern (ehemalige Flüchtlinge, die nun aus Amerika zurückgekehrt sind), der Horde (die Mongolischen Tyrannen) , Buggern (mit Bugs – also Naniten-  also mechanischen Winzapparate infizierten Menschen) und einer ganzer Menge anderer Eigenartigkeiten zurechtfinden

alle paar Seiten taucht eine neue Nebenfigur auf, die nie ausreichend beschrieben wird, aber immer einen umständlichen Namen und eine noch merkwürdigere Funkton/ Position/Titel hat und daher zwangsläufig für Verwirrung sorgt. Das fängt schon mit Ryhs Trahaearn, dem männlichen Helden der Geschichte, an. Kein Mensch weiß, wie dieser Name ausgesprochen wird und dann ist er auch noch ein Herzog, der eigentlich mal ein raubender und vergewaltigender Pirat war, bevor er durch die Zerstörung der Festung der Horde als Befreier Englands gefeiert und in den Aldelsstand erhoben wurde.  Hä?

Wer will eigentlich was? Trahaearn will sein Luftschiff finden und wissen, wer ihm eine Leiche vor das Schlosstor geworfen hat. Und er will Mina ins Bett kriegen. Mina will den Fall lösen, der ihr aufgetragen wurde, nebenbei ihren Bruder finden und sich dabei auf keinen Fall von Trahaearn flachlegen lassen. Dann gibts da noch eine Dame Sawtooth,  und eine ganze Reihe anderer Typen, doch da hat man schon den Überblick verloren und findet sich selbst nicht mehr zurecht in dem ganzen Plot-Gewusel, in das die Autorin einen da geschickt hat.

– Die Seiten 150 bis 200, durch die ich mich gequält habe, starteten mit einem Null-Komma-Nix-Flug über den Ärmelkanal und arteten in eine Wilde Flucht vor einer Horde Zombies (!) aus, angefüllt mit reichlich Leichen, Explosionen, verwirrenden Ermittlungsversuchen auf Minas und nervtötender „ich will sie vögeln“-Gedankengänge auf Rhys Seite.

Danke, nein. Diesmal gebe ich auf, ohne bis zum Ende durchgehalten zu haben. Die (zu) expliziten Erotik-Szenen, die laut der anderen Mitleser noch folgen, schenke ich mir gerne.

EDIT: Nach reiflicher Überlegung versehe ich diese Rezi nun doch mit einer Kaffeetassen-Wertung. Ich weiß, ich habe das Buch nur bis zur Hälfte gelesen. Aber wenn ich es recht bedenke, dann haben Bücher, durch die ich mich so sehr quäle, dass ich sie nicht beenden kann, nichts anderes verdient, als die niedrigste Bewertung meinerseits. Daher: