[Rezension] Flavio Steimann – Bajass

Steimann, BajassTitel: Bajass

Autor: Flavio Steimann

Gebundene Ausgabe: 128 Seiten
Verlag:
 Edition Nautilus (August 2014)
ISBN:
 978-3894017972

Erster Satz:

Es war noch vor Tag, als Gauch die steilen Kehren des Karrwegs von der Station Maria Zell hinauf zum Gand unter die Füße nahm.“

Inhalt:

Eine kleine Stadt in der Schweiz, um 1900. Albin Gauch ist Ermittler bei der Polizei in einer kleinen Landgemeinde und kurz vor dem Ruhestand. Er ist ein Einzelgänger, der sich zusehends seiner körperlichen Gebrechen bewusst wird.

Als die Gandbauern, ein altes Ehepaar, von einem Beil erschlagen auf ihrem Hof aufgefunden werden, zieht man Gauch zur Lösung des Falls heran. Auf der Suche nach Hinweisen findet dieser einen Knopf aus Horn, einen Schuhabdruck im Schlamm, den er mithilfe von Gips kopiert und ein einzelnes Foto, auf dem dessen Rückseite das Wort „Bajass“ steht.

Mit diesen wenigen  Beweisstücken in der Tasche heftet sich Gauch an die Fersen des Mörders. Seine Suche führt ihn aus seinem Heimatort hinaus und bis auf ein Auswandererschiff mit Kurs auf Amerika.

Meine Meinung:

„Bajass“ ist eine Novelle, die vor allem durch ihre herausragende und präzise Sprache besticht. Hier schwingt eine Melodie aus vergangenen Zeiten mit und es finden sonderbare veraltete Wörter Verwendung, alles ist stark gefärbt von schweizerischem Lokalkolorit.

Neben dem kriminalistischen Hauptplot geht es vor allem um den Mief und Zerfall und, im krassen Gegensatz dazu, den Fortschritt  der Industriellen Revolution im Fin de Siècle, um Kinderknechte und Verdingkinder auf dem Land, um Aufbruch und Suche nach dem Glück.

So sehr mich Steinmanns Sprache fasziniert hat, habe ich jedoch auch meine Schwierigkeiten gehabt, zwischen den außergewöhnlichen Wörtern und Satzkonstruktionen die eigentliche Geschichte um Gauch und den gesuchten Mörder zu finden. Die nebligen, atmosphärischen Bilder, die Steimann heraufbeschwört, klingen noch lange nach, einige Worte erscheinem einem wie antike Kostbarkeiten, die ein Sammler sorgfältig zusammengetragen hat. Man muss sie wie ein unbekanntes Gewürz auf der Zunge wirken lassen, um ihrer Bedeutung nachzuspüren. Beim Zuklappen des Büchleins fragt man sich aber unweigerlich: Das war es jetzt? Was genau ist passiert? Wo ist die Geschichte hin? Mir zumindest ging es so.

Fazit:

Sprachgewaltige, für meinen Geschmack aber irgendwie inhaltsarme Novelle. Der reizvolle, ungewohnte Stil ist das Lesen jedoch allemal wert.

4_Kaffeetassen

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