[Rezension] Neil Gaiman – Der Ozean am Ende der Straße

Gaiman_Der_Ozean.inddTitel: Der Ozean am Ende der Straße

Autor: Neil Gaiman

Gebundene Ausgabe: 236 Seiten
Verlag:
 Eichborn (8. Oktober 2014)
ISBN:
 978-3847905790

Erster Satz:

“Es war nur ein Ententeich, ein Stück weit unterhalb des Bauernhofs.”

Inhalt:

Der Erzähler der Geschichte ist sieben Jahre alt, als mit dem plötzliches Tod des Opalschürfers, der gerade erst als Untermieter im Haus seiner Eltern eingezogenen ist, eine Reihe unglaublicher Ereignisse seinen Gang nimmt. Als nächstes lernt der Junge nämlich Lettie Hempstock kennen, das Mädchen von der etwas abgelegenen Hempstock-Farm am Ende der Straße. Lettie, viel weiß und Dinge tun kann, die für ein normales elfjähriges Mädchen unmöglich wären (und vielleicht ist sie in Wirklichkeit auch gar nicht elf?). Ihre Hilfe ist jedenfalls dringend vonnöten, denn die Träume der Menschen scheinen plötzlich real zu werden – mit grausamen Folgen. Und die grausamste von allen tritt in Gestalt von Ursula Monkton in Erscheinung, dem neuen Kindermädchen, das böse Absichten verfolgt …

Meine Meinung:

Dies ist mein erster Gaiman. „Der Sternwanderer“ und „Coraline“ kenne ich bisher nur als Verfilmungen (sie zählen zu meinen Lieblingsfilmen), deshalb war ich umso gespannter auf sein langersehntes neues Buch für Erwachsene.

„Der Ozean am Ende der Straße“ wird dafür, dass er sich anfänglich aus der Sicht eines Siebenjährigen mit den Problemen eines Siebenjährigen beschäftigt, sehr schnell ziemlich düster. Ursula Monkton hat selbst mir eine Gänsehaut den Rücken hinuntergejagt. Und es tauchen Wesen auf, die so angsteinflößend und absonderlich sind, dass Gaiman deren unheimliches Aussehen hauptsächlich der Phantasie seiner Leser überlässt. Das ganze düstere Abenteuer unseres Helden und seiner Freundin Lettie ist zudem gewürzt mit einigen magischen Zutaten – es gibt Bannsprüche, Hexenringe, verzauberte Gegenstände, magische Katzen, eine Menge Dinge, die nicht sind, wonach sie aussehen und natürlich den Teich hinter der Hempstock-Farm, der in Wirklichkeit ein Ozean ist.

Der wahre Kern der Geschichte ist aber natürlich der Blick auf die Kindheit aus der Sicht des Erwachsenen. „Der Ozean am Ende der Straße“ ist bis an den Rand gefüllt mit nostalgischen Eindrücken, mit der Vermischung aus Traum und Realität, mit Erinnerungen und Kinder-Wahrheiten, die Erwachsenen allzu schnell vergessen zu haben scheinen.

Alles in Allem habe ich „Der Ozean am Ende der Straße“ als lyrische, düstere kleine Geschichte gelesen, die mir in seinem sympathischen kleinen Helden und seinem nostalgischen, melancholischen Ton gut gefallen hat, aber ich bleibe ein wenig ratlos zurück. Der Plot erscheint mir etwas wacklig zusammengeschustert und nicht ganz rund. So gut mir einige Passagen gefallen haben, genauso verwirrt war ich von anderen. Nicht selten hatte ich beim Lesen ein Fragezeichen auf der Stirn und nicht all meine Fragen wurden am Ende beantwortet. Überhaupt lässt Gaiman den Leser mit einem recht offenen Ende allein, was zu einem Teil durchaus passend ist, aber einiges bewusst auch im Argen lässt, was frustrierend, aber je nach Leserperspektive wohl auch genau richtig sein kann. Mehr möchte ich, ohne etwas vorweg zu nehmen, gar nicht sagen.

Fazit:

Ein lyrischer, düsterer kleiner Roman über verlorene Erinnerungen an eine Kindheit und das Verschwimmen zwischen Traum und Realität. Eine faszinierende Geschichte mit einem etwas dünnen Plot, in ihrem melancholisch-nostalgischen Ton jedoch durchaus reizvoll.

4_Kaffeetassen

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