[Rezension] François Garde – Was mit dem weißen Wilden geschah

garde, was mit dem weißen wilden geschahTitel: Was mit dem weißen Wilden geschah

Autor: François Garde

Gebundene Ausgabe: 318 Seiten
Verlag: C.H.Beck (Februar 2014)
ISBN: 978-3406663048

Erster Satz:

„Als er auf dem Gipfel des kleinen Felsens angekommen war,  entdeckte er, dass er allein war.“

Inhalt:

1843 wird der junge Matrose Narcisse Pelletier versehentlich von seinem Kapitän an einem verlassenen Strand an der australischen Ostküste zurückgelassen.

Siebzehn Jahre später findet die Besatzung eines britischen Schiffs zufällig einen verwilderten Weißen inmitten eines Aborigine-Stammes. Er ist nackt, von oben bis unten tätowiert und spricht nur die Sprache der Wilden.

In Sydney versucht man, der Herkunft des „weißen Wilden“ auf den Grund zu gehen. Dem Forscher Octave de Vallombrun wird Narcisse Pelletier kurzerhand überantwortet, als dieser entdeckt, dass der Wilde auf französische Wörter reagiert. Vallombrun soll herausfinden, was der unglückliche Landsmann in der Wildnis erlebt hat und ihn zurück in seine Heimat bringen.

Voller Eifer stürzt sich Vallombrun in die Aufgabe, den weißen Wilden in das zivilisierte Leben zurückzuführen. Mit wissenschaftlicher Genauigkeit notiert er alle Fortschritte seines Schützlings im Wiedererlernen seiner Muttersprache und der modernen Umgangsformen und berichtet davon in ausführlichen Briefen an den Präsidenten der Société de Géographie, der er als Mitglied angehört. Ungleich schwiegier ist es derweil, Narcisse etwas über sein Leben unter den Wilden zu entlocken. Denn Reden, sagt Narcisse, ist wie Sterben …

Meine Meinung:

Der mit unzähligen Preisen (unter anderem dem Prix Goncourt) ausgezeichneten Debütroman von François Garde basiert auf der wahren Geschichte des Matrosen Narcisse Pelletier.

„Was mit dem weißen Wilden geschah“ ist eine außergewöhnliche Mischung aus Abenteuer- und Briefroman. Eine Mischung, die Garde meiner Meinung nach mehr als geglückt ist. Unheimlich fesselnd sind die Passagen, in denen Narcisse sich in der Einsamkeit zurückgelassen sieht und schließlich von einem Stamm Wilder aufgenommen wird, deren Aussehen und Verhalten ihm durch und durch fremd sind.

Nicht weniger spannend und faszinierend sind die zwischendurch eingefügten Briefe Vallombruns, der seinen verwilderten Gefährten verzweifelt zu entschlüsseln versucht. Warum nur will Narcisse nicht über seine Erlebnisse in Australien sprechen? Wie kann es sein, dass er in den Jahren des Exils seine Muttersprache, seine Familie und sogar seinen eigenen Namen vergessen hat? Kann er in Frankreich, an das er keinerlei Erinnerung zu haben scheint, je seine wahre Heimat wiederfinden? Was bedeutet Identität? Was Zivilisation?

Fazit:

Ein fesselnder, kluger, hervorragend recherchierter und außerordentlich gut geschriebener Roman, der mich gepackt, geschüttelt und nicht mehr losgelassen hat. Eine große Empfehlung!

5_Kaffeetassen

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