[Rezension] Stefan Nink – „Donnerstags im fetten Hecht“

66002622Nink_Hecht_FIN.inddTitel: Donnerstags im fetten Hecht

Autor: Stefan Nink

Broschiert: 416 Seiten
Verlag: Limes Verlag (August 2012)
ISBN: 978-3809026228

Erster Satz:

„Der Arzt hielt die Feder noch einmal unter die Nasenlöcher und wartete.“

Inhalt:

Der spannendste Tag in Siebeneisens eintönigem Leben ist der Donnerstag: da trifft er sich mit seinen Kumpels Schatten und Wipperfürth im „Fetten Hecht“, ihrer Oer-Erkenschwicker Stammkneipe.

Als Schatten, der eigentlich O’Shady heißt und aus Irland stammt, vom Tod einer entfernten Verwandten und einem damit verbundenen kolossalen Erbe erfährt, wird Siebeneisens Leben kräftig auf den Kopf gestellt. Denn die stattliche Summe von 50 Millionen Euro pro Erbe werden nur dann ausgezahlt, wenn alle – sieben! – erbberechtigten O’Shadys ausfindig gemacht werden. Und die sind überall auf dem Erdball verstreut.

Sofort machen sich Schatten und Wipperfürth an die Planung der Reise rund um den Globus – die kein anderer als Siebeneisen antreten muss. Weil er beruflich fexibel ist, Englisch kann und sich durch seine Sammlung von 120 National Geographic Heften das nötige Hintergrundwissen angelesen hat. Finden zumindest Schatten und Wipperfürth. Also bleibt Siebeneisen keine andere Wahl und es beginnt ein abgedrehter Roadtrip durch die entlegendsten Winkel der Erde, der einige Überraschungen parat hält …

Meine Meinung:

Selbst reisebegeistert, hat mich „Donnerstags im fetten Hecht“ sofort angesprochen. Und tatsächlich habe ich mich in einigen Situationen wiedergefunden, die sich in fremden Ländern und anderen Kulturen immer wieder gern ergeben. Es macht Spaß, den etwas introvertierten, aber erstaunlich unerschrockenen Siebeneisen auf seiner Reise zu begleiten, auf der er gerne mal in das ein oder andere Fettnäpfchen tritt und immer wieder in abstruse und abenteuerliche Situationen gerät. Auch die eigenbrötlerischen und verrückten Charaktere, die er unterwegs trifft, tragen zum Lesespaß bei.

Trotzdem war Stefan Ninks literarischer Erstling für mich nicht perfekt. Trotz der natürlich überspitzten Handlung war die ein oder andere Begebenheit doch ziemlich abstrus und comichaft und es wird immer mal wieder der Deus ex Machina bemüht, um Siebeneisen ans Ziel zu führen. Außerdem hat es mir deutlich an Beschreibungen der Personen gefehlt. Kaum eine Figur wird äußerlich beschrieben, abgesehen vielleicht von einer eigenartigen Sprechweise gibt Nink keiner von ihnen etwas wirklich Charakteristisches mit, was ich besonders schade fand, weil es sich bei den Menschen aus fremden Ländern und Kulturkreisen angeboten hätte.

Desweiteren hatte der Roman für mich die ein oder andere Länge und nicht alle Witze (obwohl ich den komischen Erzählton Ninks durchaus schätze) haben bei mir funktioniert. Vor allem ein Running Gag verursachte bei mir wiederholt Kopfschütteln. Der lief ungefähr so: Immer, wenn Lawn, Siebeneisens Bekannte aus New Orleans, die sich beruflich mit dem Aufspüren von Geistern befasst, erzählt, dass sie über „besondere Fähigkeiten“ verfügt, sagt ihr Gegenüber (egal aus welchem Teil der Welt) prompt: „Wie in dem Film mit Dan Aykroyd, in dem am Ende das Michelin-Männchen durch Manhattan stapft?“ Und Siebeneisen: „Ghostbusters. In der Originalfassung war das der Marshmallow-Mann.“

Kapier ich nicht. Erstens, weshalb jeder Mensch „besondere Fähigkeiten“ sofort mit „Ghostbusters“ in Verbindung bringt. Warum das für jeden „der Film mit Dan Aykroyd“ ist, nie aber jemand Bill Murray auch nur erwähnt. Und welche Fassungen die Leute von Australien bis in die Mongolei bitte gesehen haben, wenn alle geschlossen der Meinung sind, das Ding am Ende sei das Michelin-Männchen. Funktioniert irgendwie nicht. Und es hat mich genervt, weil dieser Gag wirklich immer wieder auftaucht. Und dabei liebe ich „Ghostbusters“.

Abgesehen von diesem und den anderen Kritikpunkten hatte ich aber meinen Spaß mit „Donnerstags im fetten Hecht“ – vor allem, weil ich ihn im Urlaub mithatte und somit gedanklich UND in echt herumreisen konnte.

Fazit:

Obwohl ich ein paar Abstriche machen muss, hatte ich Spaß beim Lesen. Eine nette, amüsante Lektüre über die Faszination des Reisens – inklusive all der chaotischen, haarsträubenden und nervenaufreibenden Erlebnisse, die das Unterwegssein in fremden Ländern gern mit sich bringt.

4_Kaffeetassen

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