[Rezension] Jean Echenoz – 14

Echenoz_24500_MR1.inddTitel: 14

Autor: Jean Echenoz

Gebundene Ausgabe: 128 Seiten
Verlag: Hanser Berlin (24. Februar 2014)
ISBN: 978-3446245006

Erster Satz:

„Da das Wetter sich ganz ausgezeichnet dafür eignete und es Samstag war, ein Tag, an dem seine Tätigkeit ihm erlaubte, nicht arbeiten zu müssen, war Anthime nach dem Mittagessen zu einer Radtour aufgebrochen.“

Inhalt:

Völlig unverhofft platzt der Erste Weltkrieg in das beschauliche Alltagsleben des 23jähirgen Anthime. Ehe er es sich versieht, findet er sich zusammen mit seinen Freunden in einer Uniform in der Kaserne wieder. Auf geht es zu einem beschwerlichen Marsch an die belgische Grenze und mitten hinein in das Kriegsgetümmel zwischen den Schützengräben, einem Apltraum aus Schlamm, Kälte, Hunger und Tod.

Meine Meinung:

Der neue, kleine Roman von Jean Echenoz begleitet Anthime und seine Gefährten durch die Jahre des Ersten Weltkriegs. 128 Seiten umfasst diese Geschichte bloß, Echenoz konzentriert den Schrecken und die Willkür des Krieges auf das Schicksal von fünf Soldaten, indem er als nüchterner und lakonischer Beobachter erzählt.

Durch seine knappe, sachliche Sprache gelingt es Echenoz, die Brutalität des Krieges direkt und unmittelbar darzustellen, den Leser mit einem Gefühl der Fassungslosigkeit zurückzulassen. Besonders eindringlich auch die Beschreibungen des Alltags der Soldaten: Auf zwei Seiten listet er auf, was im und auf dem Tornister alles mitgeschleppt werden musste, was sehr interessant ist – und dem Leser förmlich die Schultern schmerzen lässt.

Gerade die absichtlich holzschnittartigen, austauschbaren Figuren des Romans, mit denen Echenoz ein universelles wie kompaktes Bild des Soldatenlebens im ersten Weltkrieg zeichnet, haben die ansonsten sehr eindringliche Erzählung für mich am Ende doch etwas flüchtig werden lassen – gemessen am Thema des Buches fehlte mir etwas Nachdrückliches. Die Distanz zu den blassen Charakteren ist vielleicht Schuld daran, dass die Geschichte nach der Lektüre in mir nicht recht nachwirken wollte.

Fazit:

Eine kleine, universelle Erzählung über das Soldatenleben im Ersten Weltkrieg, deren emotionale Kraft sich wegen der blassen Protagonisten bei mir leider wieder allzu schnell verflüchtigt hat.

4_Kaffeetassen

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