[Rezension] Antje Wagner – Unland

Wagner, UnlandAutor: Antje Wagner

Titel: Unland

Taschenbuch: 384 Seiten
Verlag: bloomoon (September 2010)
ISBN: 978-3833350528

Erster Satz:

„Mir war schlecht.“

Inhalt:

Die 14-jährige Franka kommt von einer Berliner Pflegefamilie in das verschlafene Dorf Waldburgen, wo sie fortan im „Haus Eulenruh“, einer alternativen Erziehungsstelle, leben wird.

Von Anfang an hat Franka Schwierigkeiten, als „Heimkind“ Anschluss in ihrer neuen Klasse zu finden. Zum Glück freundet sie sich nach und nach mit den sechs anderen Pflegekindern in Haus Eulenruh an. Gemeinsam trotzen sie den Anfeindungen der Klassenkameraden und der engstirnigen Dorfbewohner – bis es immer häufiger zu beunruhigenden Vorfällen kommt, deren Spuren zu Franka und den anderen Jugendlichen aus Eulenruh führen. Als sich die Lage dramatisch zuspitzt, entschließt sich die Gruppe, gemeinsam gegen ihren Feind vorzugehen, denn die Jugendlichen haben längst erkannt, dass man es gezielt auf sie abgesehen hat – und dass die nahe gelegene Dorfruine „Unland“ mit der ganzen Sache in irgendeinem Zusammenhang stehen muss …

Meine Meinung:

Mit „Unland“ habe ich meinen ersten Roman der Autorin Antje Wagner gelesen. Gleich zu Beginn überrascht sie mit Franka als einer besonders für Jugendbücher sehr ungewöhnlichen Protagonistin, was sofort einen ganz eigenen Reiz entfaltet. Abenso erschafft sie mit den Bewohnern von „Haus Eulenruh“ eine äußerst dynamische Gruppe eigenwilliger Charaktere voller Ecken und Kanten, von denen jeder eine düstere Vergangenheit und das ein oder andere Geheimnis mit sich herumzuschleppen hat.

Mit Spannung wird man sofort in die Handlung hineingezogen. Obwohl es relativ ruhig losgeht, entfaltet sich eine Geschichte, die so dicht und lebensecht erzählt wird, dass man sich ihrem Sog kaum entziehen kann. Als das Geschehen allmählich immer rätselhafter wird und die mysteriösen Vorkommnissen immer bedrohlicher werden, ist der Leser endgültig an die Seiten gefesselt. Kapitel für Kapitel rätselt man mit Franka und den anderen, entwirft Theorien, verdächtigt eine Person, nur um wenig später wieder in eine völlig andere Richtung gelenkt zu werden. Mit zunehmender Seitenzahl wird es immer schwieriger, das Buch aus der Hand zu legen, man steckt so sehr in Frankas Haut und fühlt sich ihren Freunden so vertraut, dass man mit ihnen bangt und leidet und händeringend hofft, dass die Geschichte für alle gut ausgeht.

Eine Geschichte um Ausgrenzung, um Zusammenhalt, darum, sich selbst zu finden und bestimmte Entscheidungen zu treffen. Jeder Jugendliche wird sich, auf die ein oder andere Weise, in Franka oder einem ihrer Freunde wiederfinden – und gezwungen sein, sich mit den sehr realen Schicksalen der Heimkinder auseinanderzusetzen. Das ist teilweise sehr harter Tobak, um so wichtiger, dass Antje Wagner dieses Thema in einer Geschichte um Heimkinder zur Sprache bringt und dabei geschickt und schlüssig in einem atmosphärisch dichten Thriller verpackt.

Antje Wagner erzählt glaubhaft und mitreißend. Besonders mochte ich ihre vielschichtigen Charaktere und die flotten, authentischen Dialoge. Die Geschichte ist durchweg spannend, beginnt leise und flirrend, um allmählich zu einem tosenden Orkan anzuschwellen und unerwartet in einem infernalen Gewitter zu münden.

Das Ende der Geschichte ist unverhofft, genial überlegt, mit einem Twist, der einem die Ohren schlackern lässt. Aber es spaltet auch die Gemüter. Ohne etwas zu verraten, will ich an dieser Stelle sagen, dass ich überrascht, aber am Ende im Großen und Ganzen zufrieden mit der Auflösung war – aber der ein oder andere sorgsam aufgebaute Handlungsstrang und manche Hintergrundgeschichte hätte für mich noch ein wenig vertieft und zu einem besseren Abschluss gebracht werden können. Das Finale war stimmig, aber ein paar lose Enden waren nur scheinbar oder einfach nicht zu meiner Zufriedenheit verknüpft. Das gibt von mir eine halbe Kaffeetasse Abzug.

Fazit:

„Unland“ ist ein Jugendthriller der Extraklasse – tiefgründig, voller Spannung und gleichzeitig zum Nachdenken anregend. Eine große Empfehlung!

4.5_Kaffeetassen

3 Kommentare (+deinen hinzufügen?)

  1. Nanni
    Feb 20, 2014 @ 14:30:11

    Hallo,

    sehr schöne Rezi zu dem tollen Roman „Unland“. Ich finde es immer wieder spannend, wie unterschiedlich Rezis ausfallen. In unserem Fall nicht was die Meinung übers Buch angeht, aber doch in Hinblick auf die Dinge, denen wir Gewicht zukommen lassen.
    Euren Blog werde ich mir direkt mal merken🙂

    Liebe Grüße Nanni / Pepperann aus der Lovelybooks Leserunde

    Antworten

    • keeweekat
      Feb 21, 2014 @ 08:12:19

      Hallo Nanni,

      hallo auf unserem Blog und vielen Dank für deine lieben Worte!😀 Habe deine schöne Rezension eben auch gelesen und freue mich, dass wir beide so viel Spaß mit dem Buch hatten!

      Liebe Grüße
      Keeweekat

      Antworten

  2. Trackback: Der Sonntagsleser KW#8 Februar – 2014 | Lesen macht glücklich

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