[Rezension] Cormac McCarthy – Draußen im Dunkel

McCarthy, Draußen im DunkelTitel: Draußen im Dunkel

Autor: Cormac McCarthy

Taschenbuch: 256 Seiten
Verlag: Rowohlt (Juni 1996)
ISBN: 978-3499139086

Erster Satz:

„Sie rüttelte ihn wach ins lautlose Dunkel.“

Inhalt:

Die bettelarmen Geschwister Culla und Rinthy Holme leben abgeschieden am Rand der Gesellschaft. Als Rinthy das gemeinsame Kind der beiden zur Welt bringt, schafft Culla es vor lauter Verzweiflung in den Wald, um es sterben zu lassen. Rinthy erzählt er, der kleine Junge habe die Geburt nicht überlebt. Ein vorbeiziehender Kesselflicker kommt ihm auf die Schliche und rettet das Baby.

Dieses Ereignis spaltet, einer göttlichen Gewalt gleich, die Beziehung der beiden und lässt sie in einem tiefen Gefühl irdischer Verdammnis zurück, woraufhin Culla ihre armselige Hütte überstürzt verlässt und fortan ziellos durchs Land streift, auf der Suche nach Arbeit und in der vergeblichen Hoffnung, seine sündhaften Taten hinter sich zu lassen. Doch überall, wo er hinkommt, begegnet ihm die ländliche Bevölkerung voller Misstrauen und es bricht Chaos und Leid aus. Auch Rinthy, die an den Tod des kleinen Jungen nicht glaubt, wandert von Ort zu Ort, auf der Suche nach dem Kesselflicker, um vom Verbleib ihres Kindes zu erfahren.

Meine Meinung:

Nach McCarthys phänomenalem Roman „Die Straße“ musste ich unbedingt ein weiteres Werk des Autors lesen. „Draußen im Dunkel“ (Outer Dark) ist McCarthys zweiter Roman, im Original 1968 und gut dreißig Jahre später erstmals auf Deutsch erschienen.

Wieder einmal ist es McCarthys einzigartige Sprache, die mir schier den Atem geraubt hat; sein urtümlicher, unerschöpflicher Wortschatz; die Art, wie er poetisch-naturalistische Szenen und in beinahe epischer Bandbreite erzählt. Schönheit und Grausamkeit schwingen gleichsam in seinen Romanen mit, jederzeit widergespiegelt in den geschliffenen Beschreibungen der rauen und bisweilen schmerzhaft schönen Landschaften, durch die das Schicksal seine Protagonisten führt.

Die tragische Geschichte um die Geschwister Culla und Rinthy und ihre Begegnungen mit den Menschen auf ihrem Weg hat mich berührt, verängstigt und erschaudern lassen. Liest sich ihre jeweilige Suche nach Erlösung anfangs noch etwas zufällig und orientierungslos, so beginnt sich nach und nach ein Muster abzuzeichnen, das atemlos und einem dunklen Sog gleich auf ein schockierendes Ende hinausläuft.

Fazit:

Mit „Draußen im Dunkel“ hat Cormac McCarthy eine wahrhaft dunkle Geschichte um Verdammnis und Erlösung geschrieben. Gerade zum Ende hin quälend spannend und in einer Sprache erzählt, die süchtig macht.

4.5_Kaffeetassen

6 Kommentare (+deinen hinzufügen?)

  1. buzzaldrinsblog
    Dez 18, 2013 @ 09:03:43

    Danke für die schöne Besprechung, die mich an meine eigene Lektüre dieses Roman erinnert, die mittlerweile bereits einige Jahre zurückliegt, die mich damals aber sehr beeindruckt hat.

    Antworten

    • keeweekat
      Dez 18, 2013 @ 12:34:42

      Hallo Mara, hast du sonst noch etwas von McCarthy gelesen? Ich will mich unbedingt noch weiter durch sein Werk schmökern und überlege, ob ich mir „Die Abenröte im Westen“ vornehme.

      Antworten

      • buzzaldrinsblog
        Dez 18, 2013 @ 17:45:42

        Ich habe ansonsten bisher nur „Die Straße“ von ihm gelesen, das mir aber sehr gut gefallen hat. Ich möchte auch unbedingt noch mehr von seinem Werk kennenlernen.🙂

  2. keeweekat
    Dez 18, 2013 @ 19:38:45

    Okay, dann lass ich mich einfach überraschen.😀

    Antworten

  3. macg82
    Dez 23, 2013 @ 07:58:02

    Hallo,
    dann gebe ich hier mal meinen ersten Kommentar ab🙂

    Auch wenn ich den besprochenen Roman nicht kenne, so kann ich noch die „Boarder“-Trilogie ans Herz legen (weiß gerade den deutschen Titel nicht- Ein Buch darin heißt glaube ich „All die schönen Pferde“)
    Richtig gut gefallen hat mir aber das Buch „No Country for Old Men“, welches vom gleichnamigen Film wunderbar wieder gegeben wird (die Geschichte selber muss man aber mögen).
    Empfehlung, falls englische Bücher nicht abschrecken: unbedingt im Original lesen, da McCarthy viel mit Slang und Dialekt arbeitet. Wie ist es auf Deutsch umgesetzt?

    Gruß,MacG

    Antworten

    • keeweekat
      Dez 25, 2013 @ 17:17:59

      Hallo MacG!🙂

      Die „Boarder“-Trilogie steht auf alle Fälle schon auf meiner Leseliste, aber irgendwie wollte ich vorher noch einen Einzelband lesen. Nun wird es sich wohl zwischen der „Abendröte im Westen“ und „No Country for Old Men“ entscheiden – den Film habe ich zum Glück noch nicht gesehen, also kann ich ganz unvoreingenommen rangehen.
      Ich lese zwar hin und wieder englischsprachige Bücher, aber ob ich mich an McCarthy im Original wage, weiß ich noch nicht.😀

      Ach, und falls du es noch nicht kennen solltest, möchte ich auch noch eine Empfehlung aussprechen: Lies „Die Straße“, das war mein erstes Buch von McCarthy und es hat mich umgehauen. Ein neues Lieblingsbuch von mir!🙂

      Liebe Grüße
      Katja

      Antworten

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