[Rezension] Robert Galbraith – Der Ruf des Kuckucks

Der Ruf des Kuckucks von Robert GalbraithTitel: Der Ruf des Kuckucks

Autor: Robert Galbraith (JK Rowling)

Gebundene Ausgabe: 640 Seiten
Verlag: Blanvalet (November 2013)
ISBN: 978-3764505103

Erster Satz:

„Die Menge, die sich auf der Straße versammelt hatte, brummte wie ein Fliegenschwarm.“

Inhalt:

Cormoran Strike, Afghanistan-Invalide, Privatdetektiv und gerade von seiner Lebensgefährtin verlassen, steht vor dem finanziellen Ruin. Weil er den Vertrag mit einer Zeitarbeitsfirma nicht rechtzeitig gekündigt hat, schickt diese ihm für eine weitere Woche eine Sekretärin ins Büro: Robin, frisch verlobt, penibel und fleißig (und, was Strike nicht weiß, mit lange heimlich gehegter Liebe für Detektivarbeit), erweist sich jedoch schnell als unabdingliche Hilfe, als zwei Tage später der Halbbruder des weltberühmten Topmodels Lula Landry bei ihm auftaucht.

Lula, die vor drei Monaten in einer klirrend kalten Winternacht vom Balkon ihrer Londoner Luxuswohnung in den Tod stürzte, soll Suizid begangen haben. Ihr Bruder aber glaubt nicht an Selbstmord und beauftragt Strike, den Fall erneut zu untersuchen. Unterstützt von Robin begibt sich der Privatdetektiv tief hinein in die Welt der Reichen und Schönen; ein glamouröser Sumpf aus Mode, Rap-Musik, Filmbuisiness, Drogen und gescheiterter Existenzen.

Meine Meinung:

Als jahrelanger „Harry Potter“-Fan war ich gespannt auf JK Rowlings neuestes Werk (denn die steckt, wie ja mittlerweile bekannt ist, hinter diesem Pseudonym), zumal ich „Ein plötzlicher Todesfall“ nicht gelesen habe und „Der Ruf des Kuckucks“ ungleich begeisterte Kritiken bekommen hat.

Was also lässt sich über diesen neuen Krimi, den ersten in einer Reihe über Privatdetektiv Cormoran Strike, sagen? Zuerst einmal sind es ihre faszinierenden Charaktere, die Rowling wieder einmal wunderbar plastisch und liebevoll zeichnet. Allen voran Strike, der als psychisches Wrack und mit seinem im Krieg verlorenen Bein nicht nur mit der Trennung von seiner Freundin fertig werden muss, sondern auch mit der Tatsache, dass er vor einem unüberwindbaren Schuldenberg steht und aufgrund seines Rausschmisses aus der gemeinsamen Wohnung plötzlich auf einer Campingliege in seinem heruntergekommenen Büro hausen muss. Ein schöner Kontrast dazu ist Robin, die diszipliniert und gutgelaunt genau im richtigen Moment auftaucht, um ihm bei seinem neuen Fall zur Seite zu stehen; überhaupt ist mir Robin schwer sympathisch, obwohl der Großteil der Geschichte aus Strikes Sicht erzählt wird und ich wirklich gern noch mehr über sie erfahren hätte. Vor allem überrascht wurde ich davon, wie sehr wir im Verlauf der Geschichte durch Berichte und Erinnerungen anderer in das Leben der verstorbenen Lula Landry eintauchen und wie sie sich von einem verzogenen, oberflächlichen Model zu einem viel greifbareren Menschen formt. Auch sämtliche Nebenfiguren überzeugen – seien es erfolgreiche Models, abgehalfterte und drogenabhängige Filmstars, überdrehte Modeschöpfer oder Menschen am Rand der Gesellschaft.

Mit ihrem breit angelegten kriminalistischen Plot beweist Rowling, (die, wie sie selbst sagte, auch ihren Harry-Potter-Büchern oft ein zentrales „whodunit?“-Thema zugrunde gelegt hat), auf hervorragende Weise ihr Geschick für verzwickte, gut ausgeklügelte Handlungsgerüste. So viele Hinweise, Andeutungen, mögliche Motive und (vermeintliche) Alibis streut sie in die Geschichte ein, dass es beinahe unmöglich ist, auf eine der vielen handelnden Personen als Täter zu wetten. Umso überraschender das Ende, das zwar einige meiner (im letzten Teil des Romans gebildeten) Vermutungen bestätigte, aber auch mit vielen unverhofften Details aufwartete. Vielleicht kam mir die ein oder andere Kleinigkeit im Tathergang ein wenig zu forciert vor, aber alles in allem fand ich die Handlung und sämtliche Protagonisten absolut überzeugend.

Zuletzt ist es Rowlings Sprache, die „Der Ruf des Kuckucks“ zu einem genussvollen Pageturner macht; allein die Dialoge in ihren stark differenzierten Tönen geben den Charakteren eine unglaubliche Tiefe. Allgemein ist Rowlings Erzählstil hier auffällig rau und „männlich“, wie es von der Autorin unter dem Deckmantel des Pseudonyms auch gedacht war, habe sie für dieses Buch doch versucht, ihren „inneren Kerl zu kanalisieren“. Gut gemacht, Frau Rowling! „Der Ruf des Kuckucks“ überzeugt, reißt mit und gibt einen vielversprechenden Auftakt zu einer, wie ich hoffe, auf viele Bände angelegten Reihe um das charismatische Ermittlerduo Cormoran Strike/Robin.

Fazit:

„Der Ruf des Kuckucks“ überzeugt vor allem mit seinen starken Charakteren, allen voran dem charismatischen Privatdetektiv Cormoran Strike. Der kriminalistische Plot ist exzellent ausgedacht und hält den Leser nägelkauend bis zum Schluss bei der Stange. Trotz ein, zwei minimalistischer Kritikpunkte bekommt dieser erste Band der Krimireihe um Cormoran Strike und seinen Sidekick Robin von mir (bisher eher Nicht-Krimi-Leserin) eine absolute Empfehlung. Ich warte gespannt auf den nächsten Band (2014)!

4.5_Kaffeetassen

8 Kommentare (+deinen hinzufügen?)

  1. buchstabentraeume
    Dez 11, 2013 @ 07:24:16

    Vielen Dank für diese Rezi. Ich muss ehrlich zugeben, dass mich dieses Buch nur deshalb reizt, weil es von JK Rowling geschrieben wurde. Ich bin sonst nicht so der Krimi-Leser und auch der Klappentext dieses Buch spricht mich eher weniger an. Aber ich bin doch zu neugierig, wie Rowling dieses Buch verfasst hat. Von „Ein plötzlicher Todesfall“ war ich eher enttäuscht. Aber deine Rezi klingt so, als würde es mir mit diesem Buch eventuell anders gehen.

    Antworten

    • keeweekat
      Dez 11, 2013 @ 08:51:53

      Hallo buchstabentraeume,

      schön, dass dir die Rezi gefällt!🙂 Wie gesagt, ich habe „Ein plötzlicher Todesfall“ gar nicht gelesen, die Kritiken hatten mich abgeschreckt. Ich bin auch (bis auf wenige Ausnahmen) wirklich keine Krimileserin, aber Cormoran hat mich gereizt. Ich finde es auch legitim, dass die Bücher weiterhin unter dem Namen „Robert Galbraith“ erscheinen werden, denn nicht nur das Genre ist ein anderes, auch der Stil unterscheidet sich von dem, was man bisher von JK Rowling gelesen hat – auch wenn das Talent für außergewöhnliche Figuren, tolle Dialoge und brilliante Plots unübersehbar ist.😉
      Mir hat es sehr gut gefallen! Und da ich auch jetzt im Nachhinein von unzähligen Rezensenten gelesen habe, dass sie vom „Todesfall“ enttäuscht waren und „Der Ruf des Kuckucks“ super fanden, denke ich, dass du diesmal nicht falsch liegen kannst!🙂

      Antworten

      • buchstabentraeume
        Dez 11, 2013 @ 08:58:24

        Ja, ich finde es auch vollkommen in Ordnung, dass JK Rowling diese Bücher unter einem (männlichen) Pseudonym verfasst. Warum denn nicht… Das machen andere Autoren auch und irgendwie erfindet sie sich damit ein wenig neu.

        Da es das Buch in der Bibliothek gibt, werde ich es mir einfach mal vormerken. Da kann man ja nichts falsch machen. Und es ist gut zu wissen, dass Leser, die mit „Ein plötzlicher Todesfall“ Probleme hatten, mit diesem Buch besser klargekommen sind. Das ermuntert mich doch gleich noch mehr.😉

        Liebe Grüße!

  2. buzzaldrinsblog
    Dez 11, 2013 @ 10:55:07

    Danke für die schöne Besprechung!🙂 Eigentlich lese ich kaum Krimis, nach dieser verlockenden Rezension, werde ich beim nächsten Besuch einer Buchhandlung aber ganz sicher mal einen Blick hineinwerfen.

    Antworten

  3. ladysmartypants
    Jan 20, 2014 @ 21:32:57

    Eine wirklich tolle Rezension zu einem tollen und spannenden Buch🙂
    Und ich muss dir in sehr vielen Punkten zustimmen, denn auch ich bin ein wahnsinniger Potter Fan – allerdings hab ich, ich will nicht sagen den „Fehler“ gemacht, einen plötzlichen Todesfall zu lesen. Es hat mich teilweise viel Überwindung gekostet, weiterzulesen. Manche Stellen sind einfach knochentrocken… Sie wollte krampfhaft weg von Harry Potter, aber das wollte sie sicher nicht.
    Mit Strike aber, bekommt sie das schon wieder viel runder und stimmiger hin, was es erheblich spannender zum Lesen macht🙂
    Hoffentlich lässt sie uns nicht zu lange auf Teil 2 warten ;D

    Liebe Grüße
    Smarty🙂

    Antworten

    • keeweekat
      Jan 20, 2014 @ 22:28:26

      Danke für deinen lieben Kommentar, Smarty!🙂
      Cormorans zweiter Fall soll angeblich im August auf Englisch erscheinen, Ich schätze also, wir müssen mindestens bis Frühjahr 2015 auf die deutsche Ausgabe warten. Ich bin schon jetzt ganz gespannt …😀

      Liebe Grüße
      Katja

      Antworten

      • ladysmartypants
        Jan 21, 2014 @ 05:09:51

        Sehr gerne🙂
        Ahh, gut zu wissen – ich werd ihn mir wohl wieder auf English kaufen
        Ich bin auch sehr gespannt, vor allem wie sich die Charaktere weiterentwickeln🙂

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