[Rezension] Stefan Bollmann – Frauen und Bücher

Bollmann, Frauen und BücherAutor: Stefan Bollmann

Titel: Frauen und Bücher – Eine Leidenschaft mit Folgen

Gebundene Ausgabe: 448 Seiten
Verlag: DVA (Oktober 2013)
ISBN: 978-3421045614

Erster Satz:

„‚Lesen ist mein Lebensglück‘, bekennt Elke Heidenreich in einem Interview.“

Inhalt:

Stefan Bollmann ist Autor der äußerst erfolgreichen und in 16 Sprachen übersetzten Bücher „Frauen, die lesen, sind gefährlich“ und „Frauen, die schreiben, leben gefährlich“. Mit „Frauen und Bücher“ ist nun ein umfangreiches Werk erschienen, das sich ganz den Literatur verschlingenden und literaturschaffenden Frauen der letzten 300 Jahre widmet.

So lernen wir zu Beginn Klopstock kennen, der mit seiner leidenschaftlich vorgetragenen Lyrik die Frauenherzen schmelzen lies und damit die Dichterlesung begründete. Wir erfahren von unermüdlichen Briefeschreiberinnen und ersten Briefromanen wie „Pamela“ von Samuel Richardson, der ein überragender Bestseller wurde und nicht zuletzt den Grundstein für Goethes „Werther“ legte, der Jahrzehnte lang und bis in die heutige Zeit das empfindsame Herz von Leserinnen und Lesern berührt. Wir lernen die außerordentlich belesene und ihrer Zeit vorauseilende Caroline Schlegel-Schelling kennen und in England Mary Wollstonecraft, die zur ersten professionellen (und sehr scharfzüngigen) Rezensentin wurde.

Zu Beginn des neunzehnten Jahrhunderts ist es die junge Jane Austen, die sich wie keine andere Autorin zuvor für die Unabhängigkeit von Autorin und Leserin stark macht. Mary Shelley, die Tochter Mary Wollstonecrafts, erfindet in einem völlig verregneten Sommer am Genfer See „Frankensteins Monster“ und begründet damit eine neue Art von Literatur. Gustave Flaubert erschafft mit seiner Romanfigur Emma Bovary eine unvergleichliche und für Generationen von Frauen vorbildliche Heldin, die sich durch das Lesen der von ihr gewählten Bücher emanzipiert und die Literatur zum Ausbruch aus einer von Männern dominierten Gesellschaft nutzt.

In den Zwanzigerjahren gründen Virginia und Leonard Woolf in ihrem kleinen Pariser Apartment die „Hogarth Press“, indem sie nachmittags in liebevoller Handarbeit mit ihrer eigens erstandenen Druckerpresse avantgardistische Bücher herstellen. James Joyce, der nach siebzehnjähriger Arbeit mit seinem „Ulysses“ fertig geworden ist, hat es zwei außergewöhnlichen und leidenschaftlichen Buchhändlerinnen zu verdanken, dass sein unerhörtes und als obszön verschrienes Skandalwerk nach allerlei Gerichtsprozessen endlich in Buchform erscheinen kann. Im Hollywood der Fünfzigerjahre verschlingt Marilyn Monroe heimlich – und ganz widersprüchlich zu dem ihr auferlegten Image – alles, was ihr an Büchern in die Finger gerät, eines ihrer Lieblingsbücher ist der „Ulysses“.

Und schließlich ist es das World Wide Web und das stetig wachsende Medium der Fanfiction, über das sich vor allem Leserinnen der heutigen Zeit neu erfinden. Die Figuren gehören nun nicht länger nur ihren Schöpfern, die Phantasie der Leser gibt sich nicht länger mit einem „Ende“ unter den Geschichten zufrieden.

Meine Meinung:

Stefan Bollmann hat mit „Frauen und Bücher“ eine ebenso interessante wie unterhaltsame Geschichte der lesenden und schreibenden Frauen der letzen drei Jahrhunderte geschrieben. Die ausgewählten Portraits von literarisch bewanderten Frauen und auch Männern, die über und für Frauen schrieben, lesen sich spannend und kenntnisreich. Man erfährt Bewegendes bis Unglaubliches aus dem Leben höchst interessanter, für den Leser bisher unbekannter Personen – und selbst über bekannte Größen wie Goethe oder Jane Austen gibt es Aspekte zu entdecken, die man vorher nicht gewusst hat.

Bollman schreibt flüssig und in einer schönen, äußerst wortgewandten Sprache. Es macht einfach Spaß, sich von ihm in die Welt der Frauen und ihrer Bücher entführen zu lassen, vor allem, weil man sich als weibliche Leserin von ihm verstanden fühlt, weil er sich überraschend gut in die Köpfe der lesenden Frauen hineinversetzen kann – und weil man ihm die Begeisterung für dieses Thema auf jeder Seite anmerkt.

Fazit:

Eine interessante und äußerst kurzweilige Reise durch die Jahrhunderte zu Frauen, die leidenschaftlich lasen und schrieben; zu Büchern, die von Frauen verschlungen und von Frauen verfasst wurden oder von außergewöhnlichen Frauenfiguren erzählten, die das Denken ihrer Leserinnen und nicht zuletzt das Frauenbild ihrer Zeit nachhaltig veränderten.

Ein Schmankerl für BuchliebaberInnen – und bestimmt auch ein ganz tolles Geschenk.

5_Kaffeetassen

2 Kommentare (+deinen hinzufügen?)

  1. buzzaldrinsblog
    Nov 15, 2013 @ 09:07:52

    Nun machst du mir mit deiner Besprechung den Mund wässerig und ich freue mich noch mehr auf die Lektüre!🙂 Das Buch liegt bereits hier und wenn ich mein aktuelles ausgelesen habe, werde ich es sofort in die Hand nehmen. Ich danke dir, für das Teilen deiner Eindrücke!🙂

    Antworten

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