[Rezension] Antje Babendererde – Isegrim

Babendererde, IsegrimTitel: Isegrim

Autor: Antje Babendererde

Gebundene Ausgabe: 410 Seiten
Verlag: Arena (September 2013)
ISBN: 978-3401067537

Erster Satz:

„Sie gab einen überraschten Laut von sich, als das Eisen ihr Herz durchbohrte.“

Inhalt:

Die sechzehnjährige Jola lebt im kleinen Dorf Altenwinkel im Thüringer Wald. Nirgendwo fühlt sie sich freier als draußen in der Natur, unter den Bäumen, wo sie stundenlang umherstreift und Tiere beobachtet. Hier findet sie Ruhe vor ihrer überängstlichen Mutter und ihrem besitzergreifenden Freund Kai.

Doch neuerdings fühlt sich Jola im Wald beobachtet. Als sie mit ein paar Klassenkameraden für ihre Seminarfacharbeit auf einen ungelösten Kriminalfall aus der Zeit des Zweiten Weltkriegs stößt, der sich mitten in Altenwinkel zugetragen hat, sieht sie sich plötzlich den Anfeindungen einiger Dorfbewohner ausgesetzt.

Und dann taucht plötzlich Olek mitten im Wald auf, ein Junge voller Geheimnisse. Das Unglaubliche: Gefolgt ist ihm eine Wölfin, die sich unbemerkt im militärischen Sperrgebiet angesiedelt hat. Noch während Jola versucht, mehr über Oleks Indentität herauszufinden und zur gleichen Zeit den zugezogenen Wolf vor den Dörflern geheim zu halten, fühlt sie sich mehr und mehr vefolgt. Fast zu spät erkennt sie, dass sich ein gewisses Muster zu wiederholen scheint, das vor fünf Jahren zum Verschwinden ihrer besten Freundin geführt hat.

Meine Meinung:

Da ist es endlich – Antje Babendererdes heißersehntes neues Buch, und diesmal ganz ohne Indianer. Statt in die USA nimmt sie uns diesmal mit in den Thüringer Wald, in das fiktive Dörfchen Altenwinkel, nicht mehr als eine Ansammlung von sechzig Häusern, in denen jeder jeden kennt und sich Fuchs und Hase gute Nacht sagen. Eine „Scheißidylle“, wie Jolas Freundin Sassy sagt.

Sehr lebendig beschreibt Antje Babendererde die Einwohner des Dorfes. Ich mochte es, wie sie die unterschiedlichen Charaktere mit Macken, Liebenswürdigkeiten und auch unangenehmen und dunklen Seiten ausstattet. Besonders die schwierige Beziehung zwischen Jola und Kai kommt zum Tragen, ebenso Jolas Probleme mit ihrer angstgestörten Mutter und die Zuflucht, die sie bei ihrer im Gegensatz zu ihr viel lockeren Tante findet. Auch der Wald, in dem Jola umherstromert, steigt mit einer Vielzahl von Farben und Gerüchen aus den Seiten des Buches auf. Und trotz der Schönheit, die Jola in der Wildnis findet, braut sich etwas Dunkles zusammen, das nicht zuletzt mit Oleks Ankunft und dem Auftauchen des Wolfes angestoßen wird. Dunkle Erinnerungen holen Jola ein und lange gehütete Geheimnisse, die sie bei ihren Nachforschungen aufdeckt, ziehen den Zorn einiger Leute auf sie und spalten die Dorfgemeinschaft. Schon bald weiß Jola nicht mehr, wem sie trauen kann. Was ist damals wirklich mit ihrer Freundin Alina geschehen, die vor fünf Jahren spurlos verschwand? Was verschweigt Olek, für den sie immer stärkere Gefühle entwickelt? Wie fügt sich das rästelhafte Verbrechen aus der Nachkriegszeit in all das ein? Und nicht zuletzt: Hat die Wölfin eine Chance gegen das Misstrauen, das Unwissen und die Angst der Dorfgemeinschaft?

Die Spannung, die mich beim Lesen an die Seiten geklebt und bis zum Ende nicht losgelassen hat, ensteht anfänglich nicht einmal durch die kriminalistische Handlung, denn die baut sich erst langsam auf. Es sind die komplexen Charaktere, ihre Hoffnungen, Ängste und Geheimnisse und ihre Beziehungen zueinander, die „Isegrim“ so bildhaft und realistisch machen. Wahrhaft meisterlich ist es, wie Antje Babendererde ihre verschiedenen Erzählstränge kunstvoll ineinander verflicht und alles zu einer absolut schlüssigen, komplexen Geschichte vereint. Spätestens, als Jola immer tiefer in die dunkle Geschichte Altenwinkels zu Kriegsende eintaucht, die Stimmung im Dorf plötzlich umschlägt und Jola sich zunehmend verfolgt fühlt, entwickelt sich die Geschichte mehr und mehr zu einem angsteinflößenden Thriller. Der Leser wird nach Strich und Faden an der Nase herumgeführt, ebenso wie Jola weiß man nicht mehr, wem zu trauen ist, alles scheint verdächtig, die Beklemmung nimmt stetig zu. Antje Babendererde ist mit „Isegrim“ das Kunststück gelungen, ein dunkles Waldmärchen, eine geheimnisvolle Liebesgeschichte und einen psychologisch dichten Thriller zu vereinen.

Fazit:

Ein Wald aus Geheimnissen, ein Dorf voller Lügen und ein Mädchen, das nicht wegsehen will. Eine wunderbare Liebesgeschichte, ein schleichender, Gänsehaut erzeugender Thriller und nicht zuletzt eine Geschichte von der Rückkehr der Wölfe nach Deutschland.

Ich war absolut gebannt und hätte zum Schluss am liebsten weitergelesen. Wann kommt das nächste Buch aus Antje Babendererdes Feder? Bitte, bitte mehr davon!

5_Kaffeetassen

3 Kommentare (+deinen hinzufügen?)

  1. buchstabentraeume
    Sep 22, 2013 @ 13:33:54

    Hach, das klingt ja wirklich gut. Die Bücher von Antje Babenderde lese ich ganz gerne und ich finde es gut, dass sie für „Isegrim“ einen deutschen Handlungsort gewählt hat. Das Buch kommt auf jeden Fall auf die Wunschliste.🙂

    Antworten

  2. keeweekat
    Sep 22, 2013 @ 14:02:15

    Hallo Martina,
    super, dass ich dich neugierig machen konnte, ich bin sehr gespannt auf deine Meinung! Ich finde, dass sich „Isegrim“ auf alle Fälle von den Indianerbüchern abhebt (schon allein wegen des völlig anderen Themas und Handlungsortes). Ich liebe Antje Babendererdes Indianerbücher, aber „Isegrim“ habe ich als anders, neu und aufregend empfunden. Ganz klar eine Empfehlung!😉

    Antworten

    • buchstabentraeume
      Sep 22, 2013 @ 17:29:02

      Ja, und dieses „Indianermäßige“ war es immer, was mir an den Büchern nicht hundertprozentig gefallen hat. Irgendwie habe ich damit nicht so viel am Hut. Und genau deswegen spricht mich „Isegrim“ auch so sehr an, weil es so anders klingt. Also wenn meine Bibliothek das Buch anschafft, wird es auf jeden Fall gelesen. Und dann werde ich dir auch gerne sagen, wie es mir gefallen hat.🙂

      Antworten

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