[Rezension] Favel Parrett – Jenseits der Untiefen

Parrett, Jenseits der UntiefenTitel: Jenseits der Untiefen

Autor: Favel Parrett

Gebundene Ausgabe: 224 Seiten
Verlag: Hoffmann und Campe (August 2013)
ISBN: 978-3455404340

Erster Satz:

„Draußen, jenseits der Untiefen, jenseits der sandbödigen Buchten, kommt das dunkle Wasser – schwarz, kalt und tosend.“

Inhalt:

Die Brüder Joe, Miles und Harry wachsen an der tasmanischen Küste auf. Der Vater, ein Abalone-Fischer, ist ein Trinker und tyrannisiert die Söhne. Joe, der älteste der Brüder, kann es kaum erwarten, von ihm wegzukommen, während Miles sich in der Freiheit des Surfens verliert und sich so gut es geht um den kleinen Harry kümmert, der völlig aufgeht in seiner Welt aus gesammelten Schätzen, die er am Strand findet. Doch es kommt der Tag, an dem der Ozean seinen Tribut zollen und sich das Schicksal aller ändern wird.

Meine Meinung:

Der Roman „Jenseits der Untiefen“ der Australierin Favel Parrett wurde mit zahlreichen Preisen ausgezeichent und von den Kritikern in den höchsten Tönen gepriesen. („Wenn Sie in diesem Jahr nur ein Buch lesen, dann lesen Sie dieses“, schreibt die Sunday Times und die Marie Claire befindet: „Wunderschöne, unverfälschte Prosa … magisch.“)

Dementsprechend hoch waren meine Erwartungen an Parretts Debüt, doch irgendwie trifft das Buch nicht meinen Geschmack und mein Herz, dabei ist ihre Schreibe gleichzeitig rauh und eingängig und die Geschichte emotional aufwühlend.

Ich komme einfach nicht umhin, zumindest die erste Hälfte des Buches inhaltlich als relativ belanglos zu empfinden. Die Figur des kleinen Harry wird eingeführt, Parrett setzt erste Andeutungen darüber, was mit der Mutter der Jungs geschehen ist und weshalb Joe so schnell wie möglich die Insel verlassen will. Doch alles passiert so subtil und der eigentliche Handlungsverlauf ist so demonstrativ nebensächlich, dass ich beim Lesen irgendwann so ungeduldig und gelangweilt wurde, dass ich das Buch abgebrochen hätte, wenn es nicht so schmal wäre.  Parrett schreibt mir zu vage, die Charaktere erfahren kaum eine tiefergehende Umschreibung, einzig die Gedankenwelt Harrys kam mir wirklich nahe.

Erst in der zweiten Hälfte des Buches lässt die Autorin die Handlung auf das große Finale zulaufen, die Erzählung nimmt Fahrt auf mündet in einem Ende von großer Wucht.

Fazit:

Eine Geschichte über die Liebe zwischen Brüdern und ihren unberechenbaren Vater, die mir persönlich zu lange belanglos vor sich hin plätschert und deren Charaktere nie ganz greifbar werden. Das starke Thema hätte in meinen Augen noch mehr Tiefe verdient und hat mich lange nicht so aufgewühlt, wie ich es erwartet hätte.  Ich kann mir vorstellen, dass andere Leser begeisterter sind von Parretts unangepasstem Erzählstil als ich, aber mir blieb insgesamt alles zu sehr an der Oberfläche, um mich wirklich zu berühren.

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2 Kommentare (+deinen hinzufügen?)

  1. Friedelchen
    Aug 16, 2013 @ 09:30:03

    Ich erlebe es leider auch öfter mal, dass anspruchsvolle Bücher, die besonders hochgelobt werden, ziemlich belanglos sind. Ich glaube, da wird im Feuilleton manchmal zu viel hineininterpretiert🙂
    Schade drum, an sich klang es nach einem schönen Buch.

    Antworten

    • keeweekat
      Aug 16, 2013 @ 16:00:00

      Hallo Friedelchen,
      schön, dass es da nicht nur mir so geht. Manchmal habe ich das Gefühl, „literarische“ Bücher, die von den Feuilletons gefeiert werden, neigen generell zu Handlungsarmut. Sobald man den Inhalt tatsächlich knapp und treffend umreißen kann, ist es schon wieder „Spartenliteratur“ oder „trivial“ und somit qualitativ weniger wert.
      Ich liebe auch gute Sprache, aber genauso sehr liebe ich einen packenden Inhalt. Bin ich deshalb ein Banause?^^

      Antworten

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