[Rezension] Antonia Michaelis – Nashville oder Das Wolfsspiel

Michaelis, Nashville oder Das WolfsspielAutor: Antonia Michaelis

Titel: Nashville oder Das Wolfsspiel

Gebundene Ausgabe: 480 Seiten
Verlag: Oetinger (30. Juli 2013)
ISBN: 978-3789142758

Erster Satz:

„Das Messer ist scharf.“

Inhalt:

Die achtzehnjährige Svenja zieht für ihr zweites Semester Medizin nach Tübingen. Sie will den zerrütteten Familienverhältnissen zu Hause entfliehen und endlich ihr eigener Herr sein. Doch gleich nach ihrer Ankunft findet sie im Küchenschrank ihrer kleinen, unrenovierten Wohnung – ein Kind. Schnell schließt sie den verwilderten Elfjährigen, der kein Wort spricht und unter seltsamen Panikattacken leidet, ins Herz und nennt ihn nach seinem T-Shirt-Aufdruck Nashville.

Svenja beschließt, sich um Nashville zu kümmern und wird dabei unterstützt von ihrem kleinen Kreis neugewonnener Freunde. Ziemlich bald wird jedoch wird aber klar, dass etwas mit Nashville nicht stimmt. Immer wieder verschwindet er nachts und als am Tübinger Stadtrand eine Obdachlose ermordet aufgefunden wird, beginnt Svenja, unruhig zu werden. Die Situation spitzt sich zu, als es bald darauf ein weiteres Opfer gibt. Was weiß Nashville? Und wem kann Svenja eigentlich trauen?

Meine Meinung:

Nach „Der Märchenerzähler“ und „Solange die Nachtigall singt“ ist „Nashville“ nun mein drittes Buch von Antonia Michaelis. Diesmal nimmt sie uns mit in die frühsommerlich flirrende Studentenstadt Tübingen, in deren Schatten sich langsam und stetig ein Thriller von ungeheuerlicher Wucht entfaltet. Alles ist dabei so detailiert und sorgfältig ausgestaltet, die Charaktere fühlbar nah in all ihren Sehnsüchten, Ungeschicklichkeiten und Unnahbarkeiten, dass man an den Zeilen klebt und die Geschichte nicht für eine Sekunde loslassen will und kann. Unwiderstehlich wird man in das Buch hineingesogen, alles erlebt man hautnah mit, keine Sekunde möchte man missen.

Überhaupt ist Sograft eines der ersten Wörter, das mir einfällt, wenn ich an Antonia Michaelis‘ Bücher denke. Sie arbeitet kaum mit vordergründiger Action, sie benutzt keine konstruierten Spannungsmomente (à la Ken Follettes „Nach vier bis sechs Seiten muss die Story eine überraschende Wendung nehmen, sonst langweilt sich der Leser“-Formel), es gibt keinerlei Effekthascherei. Sie schreibt sich einfach in unsere Köpfe hinein. Mit einer Sprache, die auf unwiderstehliche Weise mit den Worten spielt, Grenzen durchbricht, immer wieder verblüfft.

So war also auch „Nashville oder Das Wolfsspiel“ für mich erneut ein unvergleichliches Lesevergnügen, eine emotionale Achterbahnfahrt und ein unheimlicher Thriller, der schleichend langsam die Finger der Angst nach einem ausstreckt und einen bis zum Ende nicht mehr loslässt. Auch diese Geschichte ist wieder einzigartig erzählt, in einem Ton, der wie aus der Zeit gefallen wirkt und doch so lebendig, als würde alles tatsächlich gerade passieren, und mittendrin sei man selbst. Und sogar nachdem das Buch zu Ende und die letzte Seite ausgelesen ist, will einen die Geschichte und die Figuren darin lange nicht loslassen. Mir zumindest ist es so ergangen. Ich bin immer noch dabei, das Erzählte zu verdauen und habe einige Szenen, Bilder und Sätze noch genau vor Augen. Für mich kann es gar nicht schnell genug gehen mit Antonia Michaelis‘ nächstem Jugendroman – denn mit den drei bisher von mir gelesenen Büchern ist sie auf alle Fälle in die Riege meiner absoluten Lieblingsautoren aufgestiegen.

Fazit:

Eine intensive, außergewöhnliche und unvergleichlich erzählte Geschichte, die unter die Haut geht. Antonia Michaelis liefert mit ihrem dritten Roman für ältere Jugendliche erneut ein Meisterstück auf allerhöchstem Niveau, das erzählerisch Seinesgleichen sucht. Eine absolute Empfehlung!

5_Kaffeetassen

 

 

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2 Kommentare (+deinen hinzufügen?)

  1. MacBaylie
    Aug 14, 2013 @ 14:53:22

    Huhu,

    eine wirklich schöne Rezension – ganz meine Meinung.
    Vielleicht hast du ja Lust mein Special mit Antonia Michaelis zu besuchen. Da erfährt man auch ein klitze-kleines bisschen die nächsten Werke 🙂

    Liebe Grüße
    MacBaylie

    Antwort

  2. keeweekat
    Aug 14, 2013 @ 21:07:12

    Hallo MacBaylie,

    vielen Dank! 🙂
    Ich hab dein Special sogar schon entdeckt und freue mich auf den nächsten Post! 😉

    Wir sehen uns –
    keeweekat.

    Antwort

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