[Rezension] Lawrence Norfolk – Das Festmahl des John Saturnall

Das Festmahl des John SaturnallTitel: Das Festmahl des John Saturnall

Autor: Lawrence Norfolk

Taschenbuch: 448 Seiten
Verlag: Albrecht Knaus Verlag (November 2012)
ISBN: 978-3813503661

Erster Satz:

“Die Packpferde stapften langsam zum Tal hinunter.” 

Inhalt:

England im 17. Jahrhundert. Der Junge John Saturnall ist anders als andere Kinder in seinem Alter. Er kann jedes Kraut, jede Zutat eines Gerichts nur an ihrem Geruch erkennen. So kommt es, dass er, als er nach dem Tod seiner Mutter in einem großen Gutshaus landet, schnell vom Küchenjungen zum Koch aufsteigt. Er wird immer erfolgreicher und kocht sogar für den König. Doch dann verliebt sich John in ein höher stehendes Mädchen und der Krieg bricht aus. Und dann ist da noch die mysteriöse Geschichte vom Festmahl eines Koches …

Meine Meinung:

Leider muss ich gleich vorweg nehmen, dass dieses Buch mich sehr enttäuscht hat. Von einem Wälzer mit einer solchen Aufmachung und bei diesem mysteriösen  Titel hatte ich mir wirklich weitaus mehr vorgestellt.

Ich habe „Das Festmahl des John Saturnall“ hauptsächlich als langatmig, zeitweise uninteressant und teilweise sehr verworren empfunden. Die ersten 200 Seiten habe ich mich wirklich gequält, dann wurde es dank der aufkeimenden Liebesgeschichte langsam besser. Als dann wenig später der Krieg ausbrach, ich mich als Leser völlig vor den Kopf gestoßen ohne erklärendes Wort dort wiederfand und das Geschehen wieder um einiges uninteressanter wahrnahm, wäre ich fast verzweifelt. Wie froh war ich, dass der so große und bedeutende Krieg im Buch dann doch eher eine kleine Rolle einnimmt und Norfolk relativ schnell wieder zum Hauptinteresse zurückfindet.

Von den Hauptprotagonisten erfährt man meiner Meinung nach zu wenig. Zwar kennt man John Saturnalls komplette Geschichte mit all ihren Mythen, bis es mir dann irgendwann zu verwirrend wurde, aber von seiner Persönlichkeit hätte ich mir mehr gewünscht. Er riecht gut, er kocht gut und er kann schnell zornig werden. Und weiter? Von seiner Angebeteten Lucretia erfährt man noch weniger. Kratzbürstig, doch im Grunde des Wesens weich. Das war es dann auch schon.

Die kurzen Einschübe zwischen den Kapiteln, die Gerichte und Geschehen miteinander verwebt, haben mich persönlich ziemlich genervt. Genauso konnte ich nicht viel mit den ewig andauernden Beschreibungen der Speisen und den Aufzählungen der Zutaten anfangen. Mir war ja klar, dass es um ein Festmahl geht, aber das war dann doch etwas zu viel des Guten.

Überzeugt hat Norfolk mich allein mit seinem Schreibstil und den Hintergrundinformationen, die man über das England des 17. Jahrhunderts und das Leben in einem Gutshaus bekommt. Verglichen mit Auflistungen von Zutaten fallen diese jedoch ziemlich knapp aus. Die 3. Kaffeetasse gibt es eigentlich nur dafür, dass ich den dicken Schinken bis zum Ende gelesen habe.

Fatit:

Wenig Spannung, dafür viel Palaver über Zutaten und Küchenabläufe. Leider trotz angenehmen Schreibstils und interessanten Infos über das Leben im Gutshaus des 17. Jahrhunderts keine Leseempfehlung.

3_Kaffeetassen

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4 Kommentare (+deinen hinzufügen?)

  1. buzzaldrinsblog
    Jun 25, 2013 @ 11:54:21

    Das Buch liegt hier schon, da mich das Cover im Buchladen so fasziniert ist, dass das Buch gleich in die Tasche gehüpft ist. Das Cover scheint aber mehr zu versprechen, als der Inhalt hält, so dass meine Lektüre des Buches wohl noch etwas warten wird …

    Antwort

  2. Satscho
    Jun 25, 2013 @ 11:57:20

    Hallo buzzaldrinsblog 🙂
    meine Rezension ist natürlich absolut subjektiv, vielleicht gefällt es dir ja besser als mir. Aber ich war wirklich derbe enttäuscht. Wie du schon sagst, das Cover hat viel versprochen!
    Ich würde mich freuen, wenn du mich wissen lässt, wie es dir am Ende gefallen hat 🙂

    Antwort

  3. literaturen
    Jun 25, 2013 @ 13:57:11

    Ich war auch ziemlich enttäuscht. Ich hatte weitaus mehr erwartet, auch angesichts der Ankündigungen. Man bekommt letztlich eine ganz normale und handelsübliche historische Liebesgeschichte und eine Menge Essen. Mehr nicht.

    Antwort

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