[Rezension] Jeannette Walls – Schloss aus Glas

Walls, Schloss aus GlasTitel: Schloss aus Glas

Autor: Jeannette Walls

Taschenbuch: 400 Seiten
Verlag: Diana Taschenbuch
ISBN: 978-3453351356

Erster Satz:

„Ich nestelte an meiner Perlenkette und fragte mich, ob ich nicht doch zu elegant für die Party angezogen war, als ich aus dem Taxifenster schaute und Mom sah, die gerade einen Mülleimer durchwühlte.“

Inhalt:

Jeannette Walls wird 1960 in eine sehr ungewöhnliche Familie hineingeboren: Rex und Mary Rose Walls leben ein unstetes Nomadenleben und ziehen mit Jeannette und ihren Geschwistern Lori, Brian und Maureen von Arizona nach Kalifornien und von dort über Nevada nach West Virginia. Nirgendwo bleiben sie lange, ständig sind sie auf der Flucht vor Gläubigern und Krankenhausrechnungen. Die Familie wohnt in baufälligen Häusern, einem Wohnwagen, in Autos und irgendwann sogar auf der Straße.

Während der Vater ein ambitionierter Träumer und hoffnungsloser Säufer ist, widmet sich die egomanische und arbeitsscheue Mutter vollkommen ihrer Malerei und lässt die Kinder verwahrlosen.

Weitgehend auf sich selbst gestellt und von einer dürftigen Mahlzeit zur anderen lebend, erleben Jeannette und ihre Geschwister ihr unstetes Leben als ein einziges großes Abenteuer. Bis die Last des Außenseitertums und der bitteren Armut sie schließlich zu erdrücken droht.

Meine Meinung:

Nach „Ein ungezähmtes Leben“, dem biographischen Roman über ihre Großmutter, habe ich mit „Schloss aus Glas“ nun endlich Jeannette Walls‘ eigene Memoiren gelesen. Was Walls als Kind und Jugendliche erlebt hat, ist unbeschreiblich. Der illusorisch-verlotterte Lebensstil ihrer Eltern, die sich mit aller Macht gegen jede Form der modernen Gesellschaft sträuben, kann selbst die Kinder bald nicht mehr über die gravierenden Mängel hinwegtäuschen. Zwischen glorifizierter Naturverbundenheit und dem Leben nach den „wahren Werten“ auf Art der „Indianer und Pioniere von damals“ müssen die Geschwister barfuß und in löchrigen Kleidern herumlaufen, in Pappkartons statt in Betten schlafen und sich vor lauter Hunger aus Mülltonnen ernähren.

Eindringlich und absolut fesselnd schildert Jeannette Walls ihre außergewöhnliche Kindheit. Dabei gelingt es ihr auf herausragende Weise, aus einer klaren und unverschleierten Sicht ihres jüngeren Ichs zu erzählen, voller Ehrlichkeit und niemals anklagend oder in geringster Weise Mitleid heischend. Sämtliche Personen sind für den Leser greifbar und selbst in ihren eigennützigsten Handlungen nachvollziehbar, was vor allem in der ambivalenten Figur von Jeannettes Vater zu Tage tritt, einem hochintelligenten Mann, der unfähig ist, sich in die Gesellschaft zu integrieren, der seine Kinder abgöttisch liebt, ihnen in seiner Trunksucht aber jedwede Lebensgrundlage entzieht.

Walls erzählt voller Kraft und unerschöpflichem Lebensmut und dabei immer wieder durchblitzendem Humor. Sie macht das Beste aus den schwierigen Umständen, unter denen sie aufgewachsen ist und schafft es, selbst den schlimmsten Erfahrungen etwas Gutes abzugewinnen. Es ist ihre unerschrockene Art, die sie am Ende vielleicht sogar ihren Eltern zu verdanken hat.

Fazit:

Ein ganz erstaunliches Buch über eine außergewöhnliche Kindheit, das allen  Widrigkeiten und negativen Erlebnissen zum Trotz durch und durch positiv ist.

5_Kaffeetassen

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4 Kommentare (+deinen hinzufügen?)

  1. buzzaldrinsblog
    Jun 23, 2013 @ 13:44:44

    Danke für diese schöne Besprechung, die mir ein Buch zurück ins Gedächtnis ruft, das ich schon so lange eigentlich gerne lesen möchte! 🙂

    Antwort

    • keeweekat
      Jun 23, 2013 @ 14:34:04

      Aber gerne, Mara! 🙂 Das Buch ist echt toll, ich hatte beim Lesen und danach das ständige Bedürfnis, mit jemandem darüber zu reden, diese krassen Lebensumstände und diese starke Persönlichkeit, wirklich außergewöhnlich. Sehr zu empfehlen ist auch „Ein ungezähmtes Leben“!

      LG
      Keeweekat

      Antwort

  2. Tanja
    Jun 23, 2013 @ 14:54:49

    Liebe Keewee,
    deine Rezension habe ich sehr gerne gelesen. Autor und Titel habe ich mir direkt notiert.

    Viele liebe Grüße,
    Tanja

    Antwort

  3. keeweekat
    Jun 23, 2013 @ 16:06:16

    Danke, Tanja! :3

    Antwort

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