[Rezension] Bill Bryson – Eine kurze Geschichte der alltäglichen Dinge

Bryson, Eine kurze Geschichte der alltäglichen DingeTitel: Eine kurze Geschichte der alltäglichen Dinge

Autor: Bill Bryson

Taschenbuch: 640 Seiten
Verlag: Goldmann (20. Mai 2013)
ISBN: 978-3442157556

Erster Satz:

„Einige Zeit nach unserem Einzug in ein ehemaliges Pfarrhaus der anglikanischen Kirche mitten auf dem Land in der Grafschaft Norfolk musste ich auf den Dachboden, um zu erkunden, woher es langsam und unerklärlich tröpfelte.“

Inhalt:

Bill Bryson, ausgestattet mit einer unerschöpflichen Neugier und dem Drang, den Dingen stets auf den Grund zu gehen, hat es sich zur Aufgabe gemacht, seine Erkenntnisse und Entdeckungen auf einzigartig unterhaltsame Weise für ein breites Publikum aufzuschreiben. In diesem Buch nun widmet er sich allem, was es im Haus zu finden gibt, ja, woraus das Haus eigentlich besteht, wie das Leben in Häusern zu früheren Zeiten aussah und warum wir heute wohnen, wie wir wohnen.

Bryson nimmt uns mit auf eine Tour durch sein englisches Pfarrhaus, beginnend mit der Eingangshalle, gefolgt von der Küche und den anderen ehemaligen Bereichen der Bediensteten und arbeitet sich gemeinsam mit dem Leser Zimmer für Zimmer in die oberen Stockwerke bis zum Dachboden.

Besonders konzentriert er sich dabei auf das alltägliche Leben im siebzehnten, achtzehnten und neunzehnten Jahrhundert in seiner Wahlheimat England, mit kurzen Abstechern in die Neue Welt westlich des Atlantiks und auf das europäische Festland.

Meine Meinung:

Wenn Brysons Buch ein gigantischer Kuchen wäre, bestünde er aus hundert Schichten verschiedenster und immer wieder überraschender Füllungen, verziert mit köstlichen Anekdoten, Abstrusitäten und Kuriositäten. Es gibt nichts, wofür Bryson sich nicht interessiert und kein Phänomen, das seinem unermüdlichen Recherchedrang verborgen bliebe. Stück für Stück nimmt er den Leser mit auf einen Trip durch die letzten Jahrhunderte des Häuslichen Wohnens und erzählt munter über Architektur, Landwirtschaft, Gärtnerei, Adel, Armut, Kindererziehung, Bildung, Esskultur, Mode, Hygiene, Medizin, Handel, Elektrizität, Industrielle Revolution, Entdeckungen, Erfindungen und überhaupt alles, was ihm auf seinen Streifzügen innerhalb der eigenen vier Wände in die Finger fällt.

Bryson erzählt das alles in einem einfach unwiderstehlichen, beschwingten Ton, dass man nur so durch die Seiten fliegt und ungläubig erfährt, wie der Kristallpalast zur Londoner Weltausstellung entstand, weshalb englische Landpfarrer die genialsten Erfinder und Koryphäen auf den verrücktesten wissenschaftlichen Gebieten waren, welche Arten und Nutzung von Zimmern es gab, wie man in früheren Zeiten mit seiner Dienerschaft umsprang und was zu welchen Zeiten eigentlich bei wem auf den Tisch kam, was Adlige so alles anstellten, um eine nette Aussicht aus ihren Privatschlössern zu haben, warum Tapete lange Zeit totgiftig war, wie gefrorenes Wasser zum Exportschlager wurde, wie man gerade noch der Bau einer Eisenbahnlinie durch Stonehenge verhindern konnte und und und.

Unterhaltsamer hat wohl noch niemand über das Haus und seine Bewohner geschrieben und dabei auf leicht verständliche Weise so viel Wissenswertes über Architektur im Laufe der letzten Jahrhunderte eingestreut. Gewürzt ist das Ganze mit einer Fülle verblüffender Geschichten über Menschen, die Großartiges, Unglaubliches und bisweilen vollkommen Verrücktes vollbrachten und ohne die unsere Häuser und unser Leben darin nicht so aussehen würden wie wir es aus unserem Alltag kennen.

Fazit:

Äußerst unterhaltsamer und kurzweiliger Ausflug in die Geschichte des Wohnens, voller verblüffender Anekdoten über bemerkenswerte historische Gestalten von großer und weniger großer Bedeutung. Besonders zu empfehlen für Leser mit Interesse an Architektur und am alltäglichen Leben der Menschen des siebzehnten bis neunzehnten Jahrhunderts.

5_kaffeetassen

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2 Kommentare (+deinen hinzufügen?)

  1. Jarg
    Jun 19, 2013 @ 13:14:41

    Ein wunderbares Buch. Wie eigentlich alle von Bill Bryson. Danke für die Erinnerung durch diese treffende Rezension.
    Herzlich grüsst
    Jarg

    Antwort

  2. keeweekat
    Jun 19, 2013 @ 15:19:22

    Freut mich sehr. 🙂
    Hatte bisher nur „Frühstück mit Kängurus“ gelesen und hoffe ja immer noch, dass irgendwann ein Buch über Neuseeland folgt. Mal abwarten …

    Liebe Grüße
    Keeweekat

    Antwort

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