[Rezension] Robert Seethaler – Der Trafikant

Seethaler, Der TrafikantTitel: Der Trafikant

Autor: Robert Seethaler

Gebundene Ausgabe: 256 Seiten
Verlag: Kein & Aber (3. September 2012)
ISBN: 978-3036956459

Erster Satz:

„An einem Sonntag im Spätsommer des Jahres 1937 zog ein ungewöhnlich heftiges Gewitter über das Salzkammergut, das dem bislang eher ereignislos vor sich hin tröpfelnden Leben Franz Huchels eine ebenso jähe wie folgenschwere Wendung geben sollte.

Inhalt:

Als der siebzehnjährige Franz Huchel 1937 nach Wien kommt, um als Lehrling in einer Trafik, einem Zeitschriften- und Tabakladen, zu arbeiten, ahnt er noch nichts von den herannahenden Umbrüchen im Land, die sein Leben auf den Kopf stellen werden. Zunächst ist es aber die Bekanntschaft mit dem Professoren Sigmund Freud, die ihn die Dinge in einem ganz neuen Licht sehen lässt. So lernt er die böhmische Varietétänzerin Anezka kennen, in die er sich unsterblich verliebt. Doch dann überschlagen sich die Ereignisse.

Meine Meinung:

Was für ein tolles Buch, und wie großartig erzählt! Einfühlsam und treffsicher strickt Robert Seethaler eine Geschichte voller Humor, Herzschmerz und einer überall mitschwingenden Poesie, in der sich gleich einem klaren Sommerhimmel immer düster werdende Gewitterwolken zusammenziehen.

Es ist die Zeit des Anschlusses Österreichs an das Deutsche Reich, Parolen werden doch die Straßen Wiens gebrüllt, Juden ihrer Berufe und Ämter enthoben, „Judenfreunde“ und „Feinde des Führers“ verfolgt und verschleppt.

Und inmitten all dieses immer abgründigeren Durcheinanders versucht Franz, vom Heimweh geplagt, ein guter Trafikanten-Lehrling zu sein und – vor allem – das Mädchen, das er liebt, für sich zu gewinnen. Der alte Professor Freud, den er mit den besten kubanischen Zigarren aus Otto Trsnjeks Trafik für kleine Spaziergänge und Gespräche gewinnen kann, versucht ihm zu helfen, das weibliche Geschlecht und all seine Mysterien zu verstehen. Eine bemerkenswerte Freundschaft entspinnt sich zwischen den ungleichen Männern. Doch Freud ist Jude und seine Tage in Wien sind gezählt …

Seethaler überzeugt mit einer herausragenden Erzählkunst, präziser Beobachtungsgabe und einem feinen Sinn für Humor und Zwischenmenschliches. Dabei scheint die Geschichte den ganz spezifischen Duft ihrer Zeit zu atmen, alles ist absolut stimmig und entführt beim Lesen in ein längst verganges Wien zurück, erinnert an Bedrückendes und Schönes, Furcht- und Wunderbares aus der Ära vor Beginn des Zweiten Weltkriegs.

Fazit:

Ein absolutes Highlight für mich und ein neues Lieblingsbuch in diesem Jahr. Unbedingt lesen!

5_Kaffeetassen

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