[Rezension] Laura Moriarty – Das Schmetterlingsmädchen

Moriarty, Das SchmetterlingsmädchenAutor: Laura Moriarty

Titel: Das Schmetterlingsmädchen

Taschenbuch: 464 Seiten
Verlag: Bastei Lübbe (Februar 2013)
ISBN: 978-3404167814

Erster Satz:

„Den Namen Louise Brooks hörte Cora zum ersten Mal, als sie in ihrem Auto, einem Ford Model-T, vor der Wichita Library darauf wartete, dass es aufhörte zu regnen.“

Inhalt:

Als sich für Cora die Möglichkeit bietet, als Anstandsdame für die fünfzehnjährige Louise Brooks nach New York zu reisen und dort mehr übere ihre unklare Herkunft herauszufinden, nutzt sie ihre Chance und begleitet die junge Frau.

Was sie noch nicht weiß: In diesem Sommer wird sich ihrer beider Leben von Grund auf ändern.  Cora beginnt, ihr Schicksal in die eigenen Hände zu nehmen – während Louise auf dem Weg ist, zu einem der glamourösesten Stummfilmstars der Zwanzigerjahre aufzusteigen.

Meine Meinung:

„Das Schmetterlingsmädchen“ ist die Geschichte über Cora Carlisle, Weisenmädchen aus New York, das Ende des 19. Jahrhunderts wie Tausende andere auch mit sogenannten „Orphan Trains“ gen Westen geschickt wird, um von kinderlosen Eheleuten (und Farmern auf der  Suche nach billigen Arbeitskräften) adoptiert zu werden. Jahre später führt sie das  Schicksal  mit der  widerspenstigen und extrovertierten Louise Brooks zusammen, einer angehenden Schauspielerin, die es später zu einem schillernden und weitbekannten Star bringen wird.

Und doch ist es nur der eine Sommer, den die beiden miteinander verbringen, weshalb der englische Buchtitel „The Chaperone“ (Die Anstandsdame) deutlich passender gewählt ist als der deutsche Titel, dessen Bedeutung mir bis jetzt nicht ganz schlüssig ist. Auch Louise Brooks‘ Bild auf dem deutschen wie auch englischen  Cover und die Bedeutung, die ihr im Klappentext beigemessen wird, halte ich für etwas übertrieben. Dies ist nicht Louise Brooks‘ Geschichte, sie hat hier nur einen kleinen (wenn auch wirkungsvollen) Gastauftritt.

Tatsächlich hätte ich mir sogar mehr Louise Brooks gewünscht. Dafür, dass es sie tatsächlich gegeben hat und sie zeitweilig das berühmteste Gesicht Hollywoods war, war ich wirklich erstaunt, dass ich bisher noch nichts von ihr gehört hatte. Um so spannender fand ich es, in diesem Buch mehr über sie zu erfahren. Leider zeichnet sich die Lousise-Episode in der Geschichte als verhähltnismäßig kurz aus und man erfährt gerade so viel über das launische Mädchen, dass ihr schillernder Charakter für den Leser nur noch geheimnisvoller und undurchschaubarer wird. So sehr sie Coras weiteres Leben auch prägt, so wenig tritt sie im späteren Verlauf der Geschichte in Erscheinung, was wirklich schade und in meinen Augen ein wenig verschenktes Potential ist.

Nichtsdestotrotz erzählt Laura Moriarty Coras Geschichte einfühlsam und schafft es, ihre Vergangenheit  durch die verschiedenen Rückblicke spannend in Szene zu setzen. Es ist eine außergewöhnliche Lebensgeschichte, die, hätten sich ihre Wege nicht mit Louise Brooks gekreuzt, in viel bescheideneren Bahnen verlaufen wäre.  Die Moriartys Charaktere sind vielschichtig und wissen zu überraschen. Und wenn ich mir auch ein wenig mehr Flair der „Roaring Twenties“ gewünscht hätte, vor allem während der Episode in New York, so habe ich mich doch bestens unterhalten gefühlt und das Buch am Ende  mit einem zufriedenen Gefühl im Bauch zugeschlagen.

Fazit:

Deutlich weniger Louise Brooks, als Cover und Klappentext versprechen und etwas weniger „New York der Zwanzigerjahre“-Feeling, als ich mir versprochen hatte – dennoch eine unterhaltsame, voller Wärme erzählte Lebensgeschichte voll unverhoffter Wendungen und interessanter Charaktere. Auf alle Fälle eine entspannte Urlaubslektüre, die man in einem Rutsch durchliest und der ich gerne vier von fünf Kaffeetassen gebe.

4_Kaffeetassen

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