[Rezension] Bonnie Jo Campbell – Stromschnellen

Campbell, StromschnellenTitel: Stromschnellen

Autor: Bonnie Jo Campbell

Gebundene Ausgabe: 400 Seiten
Verlag: Piper (16. April 2013)
ISBN: 978-3492054928

Erster Satz:

„Der Stark River floss durch die Flussschleife bei Murrayville wie das Blut durch Margo Cranes Herz.“

Inhalt:

Im Michigan der Siebziger Jahre wächst Margo an den Ufern des Stark River mit den alten Geschichten ihres Großvaters auf. Ihre Mutter hasst das Leben in der Abgeschiedenheit und lässt ihre Familie eines Tages im Stich, um sich woanders ein neues Leben aufzubauen. Margos auffallende Schönheit wird ihr schließlich zum Verhängnis, als sich, noch vor ihrem sechzehnten Geburtstag, ihr eigener Onkel an ihr vergreift. Im Dorf wird sie schnell zur Ausgestoßenen, den letzten Halt bietet ihr Vater, der die meiste Zeit in der Metallfarbik arbeitet und zum Trinken neigt.

So ist es der Fluss, der zu Margos engstem Freund wird. Das stille Mädchen verbringt ihre Zeit mit Schwimmen, Angeln und Schießen und wird eine exzellente Schützin. Als Margos Vater durch einen tragischen Zwischenfall ums Leben kommt, beschließt sie, sich auf eigene Faust durchzuschlagen. Ausgerüstet mit Proviant, Munition und einem Gewehr macht sie sich mit der River Rose, dem Boot, das sie einst von ihrem Großvater erbte, auf eine schicksalhafte Reise.

Meine Meinung:

Beim Lesen von „Stromschnellen“ habe ich Flussluft geatmet, das Knacken und Flattern der Tiere im Unterholz gehört, Blut und Schweiß und Schnee gerochen und bei jedem abgefeuert Schuss den Kolben von Margos Gewehr an meiner Schulter gespürt. Es passiert mir wirklich nicht bei jedem Buch, aber hier habe ich wirklich die Zeit vergessen und alles um mich herum völlig ausgeblendet. Grund genug, „Stromschnellen“ schon jetzt als eines meiner Lieblingsbücher 2013 zu benennen.

Bonnie Jo Campbells Sprache ist klar und fließend, die Geschichte unvorhersehbar und mitreißend wie der Fluss, an dem sie spielt. Sämtliche Protagonisten sind sehr lebendig und real gezeichnet, allen voran Margo, eine schweigsame, zähe und durch und durch außergewöhnliche Heldin. Von ihren Mitmenschen benutzt und im Stich gelassen, ist sie völlig auf sich allein gestellt und begibt sich auf eine Odyssee durch die Wildnis. Auf dem Fluss lebt sie nur von dem, was sie selbst erlegt oder ertauscht hat, ganz nach ihrem Vorbild Annie Oakley, einer berühmten Kunstschützin des Wilden Westens.  Immer wieder ist es auch die körperliche Nähe zu Männern, die sie sich zu Nutzen macht, um zu überleben. In der Einsamkeit und bei den Menschen, denen sie begegnet,  ist sie ständig auf der Suche nacht etwas, das sie verloren zu haben glaubt – Liebe.

Fazit:

Ein sprachlich wunderschöner und atmosphärisch beeindruckender Roman über den Reiz und die Konsequenzen von Freiheit. Leser, die mit Büchern wie „Huckleberry Finn“ aufgewachsen sind und solche, die eine Faszination für Wildnis und ein Leben fernab von Zivilisation und modernen Zwängen hegen, werden in „Stromschnellen“ einen faszinierenden und packenden Schmöker finden.

5_Kaffeetassen

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