[Rezension] Alexandra Pilz – Zurück nach Hollyhill

Zurueck nach Hollyhill von Alexandra PilzTitel: Zurück nach Hollyhill

Autor: Alexandra Pilz

Gebundene Ausgabe: 352 Seiten
Verlag: Heyne Verlag (Februar 2013)
ISBN: 978-3453534261

Erster Satz:

„Emily hatte den Brief bestimmt schon Dutzende Male gelesen, aber die Worte aus Fees Mund zu hören, bescherte ihr eine Gänsehaut.“

Inhalt:

Die siebzehnjährige Emily erhält zu ihrem Geburtstag einen lange gehüteten Brief ihrer verstorbenen Mutter: Sie soll nach England gehen, ins Dartmoor, wo ein versteckter Ort namens Hollyhill liegt, der ihr mehr über ihre Wurzeln verraten soll.

Verwirrt und gleichzeitig voller Neugier macht sich Emily auf den Weg. Mithilfe von Matt, der sie unterwegs aufgabelt, gelangt sie tatsächlich nach Hollyhill, einem kleinen Dorf, das anders als alle anderen ist. Ziemlich schnell muss Emily erkennen, dass es eine Aufgabe gibt, die sie hierhergeführt hat – und das nicht zuletzt ihr Leben und das der Menschen, die sie am meisten liebt, auf dem Spiel steht.

Meine Meinung:

Zeitreise ist ein Thema, das absolut im Kommen ist im Jugendbuchbereich, nicht zuletzt seit der Edelstein-Trilogie von Kerstin Gier. Auch in „Zurück nach Hollyhill“ geht es um eine 17Jährige, die entdeckt, dass sie gemeinsam mit anderen durch die Zeit reisen kann, auch diesmal geht es nach England, auch hier ist eine Liebesgeschichte zwischen den beiden Zeitreisenden elementar – nur ist es diesmal ein Kriminalfall, den die Protagonisten zu lösen – und zu verhindern haben.

Alexandra Pilz schafft es ganz wunderbar, die einsame Moorgegend im südlichen England zu beschreiben, mit den abgeschiedenen, pittoresken Dörfern, der kargen Landschaft mit den urigen Steinformationen.

Woran es aber hapert, sind die etwas eindimensionalen Charaktere, die sich durch einen unüberschaubaren Plot voller Logiklöcher kämpfen müssen. Da hätten wir die etwas naive Emily, die mit vier Jahren ihre Eltern verliert und sich zu Beginn der Handlung, an ihrem 17. Geburtstag und mit Erhalt des ominösen Briefes ihrer Mutter, das erste Mal Fragen stellt, die sie eigentlich all die Jahre schon begleitet haben sollten.Mit Einsetzen der Handlung in Hollyhill lernen wir den verschlossenen Matt kennen, der zwar ein sympathischer (und natürlich furchtbar gutaussehender) Typ ist, aber eigentlich darf er im gesamten weiteren Handlungsverlauf nichts anderes, als unermüdlich seine Heldenqualitäten zu beweisen. Dann gibt es noch ein paar andere Nebenfiguren, von denen eigentlich nur die quirrlige Silly richtig Raum bekommt, alle anderen verschwinden gleich nach ihrer Einführung mehr oder weniger in der Versenkung, einige tauchen sogar überhaupt nicht mehr auf, obwohl man sie zu Beginn als wichtig eingestuft hat (vielleicht eine Vorbereitung auf mögliche Fortsetzungen?).

Anmerken möchte ich auch, dass mich die häufigen popkulturellen Referenzen, die meistens von Emily (völlig überraschend, denn sie wird zuvor weder als  film- noch buchverrückt beschrieben) mitten im Gespräch rausgehauen werden. Die meist blindlings und ohne tieferen Sinn hineingeworfenen Verweise auf Jane Austen, Dr. Who, Sherlock Holmes, aber auch Mission Impossible, Pretty Woman, Denver Clan und Astrid Lindgren (und das sind jetzt nur die, an die ich mich erinnern kann), kamen mir irgendwie unpassend und etwas bemüht cool oder lustig vor.

Nun aber zum wichtigsten Kritikpunkt, den ich unbedingt bekräftigen muss, denn er hat mir beinahe den letzten Nerv geraubt: Der Leser erfährt so gut wie NICHTS. Die ganze Zeit werden Fragen aufgeworfen, nicht nur, was den Tod von Emilys Eltern angeht, sondern vor allem, was es genau mit Hollyhill und seinen Bewohnern auf sich hat und wie das mit dem Zeitreisen alles funktioniert. Warum erfahren wir nichts? Weil Emily keine Fragen stellt, nicht einmal in Gedanken. Sie nimmt vieles, selbst die kuriosesten Dinge, einfach hin, und wenn sie sich doch wundert, verdrängt sie die Gedanken bewusst, weil sie zu absurd sind, um sich damit zu beschäftigen. Oder sie verschiebt sie auf später. Oder denkt sich, dass ihr von den verstockten Bewohnern Hollyhills  eh niemand Antworten geben wird. Allen voran Geheimniskrämer Matt, der so gut wie keine der mysterösen Vorkommnisse erklären will. Und wenn Emily dann doch endlich mal den Mund aufmacht und eine Frage stellt, bekommt sie eine dermaßen schwammige und brüchstückhafte Antwort, dass man danach noch dümmer ist als vorher. Emily, Meisterin des Verdrängens und Nicht-Fragen-Wollens, gibt sich irgendwie damit zufrieden, aber der Leser könnte aus der Haut fahren. Ein paar Mal glaube ich, über Logikbrüche gestolpert zu sein, aber vielleicht habe ich auch nur irgendetwas nicht geschnallt, vielleicht auch  aufgrund von fehlenden Erklärungen. Wieso eine Geschichte übers Zeitreisen erzählen, wenn dem Leser nicht mal ansatzweise klar wird,  was da wie geschieht? Selbst die fiktivsten Elemente müssen doch in sich schlüssig und nachvollziehbar sein.

Überhaupt wurde meiner Meinung nach das Potenzial, welches das Thema Zeitreise bietet, überhaupt nicht ausgeschöpft. Man bekommt beinahe den Eindruck, die Geschichte hätte auf dieses Element verzichten können, so wenig spielt es eine Rolle und so wenig bekommt man als Leser davon mit.

Bleibt noch die Liebesgeschichte zwischen Emily und Matt, die schon deswegen an Glaubhaftigkeit für mich verliert, weil beide relativ einseitige Charaktere sind und weil sie jedes Mal, wenn sie eine Konversation führen, permament um den heißen Brei herumreden. Sie will, trotz verständlicher Verwirrung, partout keine klaren Antworten erhalten und er, aus nicht immer nachvollziehbaren Gründen, keinerlei Erklärung abgeben. Also reden sie im Grunde über nichts, was elementar für die Handlung wäre, was dramaturgisch blöd geregelt und für den Leser einfach nur nervenzehrend ist.

Ich weiß gar nicht, wie ich mich klarer ausdrücken kann, ohne zu viel von der Handlung vorwegzunehmen. Die Idee der Story ist auf alle Fälle gut, das Setting lebendig, die Dialoge immerhin lustig, aber die ganze Zeitreise-Geschichte wurde irgendwie in den Sand gesetzt, zumal man als Leser so gut wie nichts erklärt kriegt und Emily, durch die wir alles erleben, zu verdruckst und zu starrköpfig ist, um die notwendigen Fragen zu stellen.

Fazit:

Zeitreisegeschichte mit guter Idee und lebendigem Setting, die jedoch an eindimensionalen Charakteren und dünnem Plot leidet und an der Tatsache, dass sich der Leser permanent mit Fragen quält, die ihm einfach nicht beantwortet werden. Da es das Debüt der Autorin ist, vergebe ich drei großzügige Kaffeetassen.

PS: Das Cover finde ich im Übrigen ganz wunderbar. ❤

3_Kaffeetassen

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: