[Rezension] J.R. Moehringer – Knapp am Herz vorbei

Moehringer, Knapp am Herz vorbeiTitel: Knapp am Herz vorbei

Autor: J.R. Moehringer

Gebundene Ausgabe: 448 Seiten
Verlag: S. FISCHER (21. Februar 2013)
ISBN: 978-3100496034

Erster Satz:

„Er schreibt gerade, als sie ihn holen kommen.“

Inhalt:

New York, Winter 1969: Willie Sutton, einst berühmtester Bankräuber Amerikas, wird aus dem Gefängnis entlassen. Ein Reporter und ein Fotograf begleiten ihn an seinem ersten Tag in der Freiheit und fahren mit ihm gemeinsam die Stationen seines Lebens ab. Nach und nach erfahren sie Stück für Stück, wer Willie Sutton eigentlich war und was ihn in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts  zum meistgesuchten Mann Amerikas machte.

Der Roman zeichnet das außergewöhnliche Lebensbild Willie „The Actor“ Suttons nach, beginnend mit einer Jugend im irischen Armenviertel Brooklyns und einer unglücklichen Großen Liebe, später dann erster erfolgreicher Raubzüge in Banken und Juweliergeschäften, die der meist verkleidete Sutton derart raffiniert durchführte, dass nie jemand verletzt oder auch nur ein einziger Schuss abgefeuert wurde. Während der großen Bankenkrise anvancierte Sutton zu einer Art „modernem Robin Hood“ unter der Bevölkerung und festigte seinen Kultstatus durch spektakuläre Ausbrüche aus zwei Gefängnissen. Polizeiberichte und Zeitungsartikel zeichneten ein Bild eines kultivierten Gentleman-Gangsters, der über die Maßen belesen war, regelmäßig ins Kino ging und Theater besuchte und zudem Bücher schrieb, darunter zwei verschiedene Autobiographien.

Meine Meinung:

J.R. Moehringer ist mit den Geschichten und Legenden rund um den großen Willie Sutton aufgewachsen und hat für diesen Roman recherchiert, so viel er über ihn herausfinden konnte. Nur wenige Details sind erwiesen, vieles basiert auf Zeitungsberichten, Erzählungen von Beobachtern oder Nachfahren Suttons. Was aber im Vagen bleibt, vor allem über Suttons privates Leben, zeichnet Moehringer behutsam und glaubhaft nach, trifft dabei genau den richtigen Ton für das New York Anfang des 20. Jahrunderts, einer Ära des schnellen Geldes und großer Hungersnöte, der Börsencrashs und des zerbröckelnden American Dreams.

„Knapp am Herz vorbei“ ist Moehringers Versuch, sich einem Helden seiner Kindheit anzunähern und ihn in seinem Roman zu würdigen, wie es der große Bankräuber sicher selbst gern gelesen hätte. Dabei bleibt er die gesamte Zeit über glaubhaft und man zweifelt keine Sekunde, dass sich alles genau so zugetragen haben könnte.

Fazit:

Großartig erzählte und hervorrangend recherchierte Lebensgeschichte; eine Hommage an einen außergewöhnlichen Mann.

5_kaffeetassen

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