[Rezension] Arthur Golden – Die Geisha

Titel: Die Geisha

Autor: Arthur Golden

Broschiert: 444 Seiten
Verlag: Bertelsmann, München; Auflage: N.-A. (2001)
ISBN: 978-3570005217

Erster Satz:

„Mal angenommen, Sie und ich säßen in einem stillen Raum mit Blick auf einen Garten, tränken grünen Tee, plauderten über lang vergangene Zeiten, und ich sagte zu Ihnen: >>Der Nachmittag, an dem ich den-und-den kennenlernte… das war der beste Nachmittag in meinem Leben, und zugleich der Schlimmste.““

Inhalt:

Die dreißiger Jahre in Japan. Die neunjährige Chiyo und ihre ältere Schwester leben mit ihrer schwerkranken Mutter und dem Vater in einem kleinen Fischerdorf. Eines Tages verkauft sie der Vater aus seiner Not heraus und die beiden werden nach Kyoto gebracht. Während ihre Schwester in ein Prostituierten-Viertel gebracht wird, kommt Chiyo in eine Okiya und soll nach den ersten Monaten als Dienerin zu einer echten Geisha ausgebildet werden. Auf Ihrem Weg zu diesem Ziel stellen sich Chiyo immer wieder Hindernisse in den Weg, meist durch die Geisha des Hauses, die hinterlistige Hatsumomo. Auf diesem Weg begegnen Chiyo, die späte den Namen Sayuri annimmt, nicht nur viele bedeutende Männer, die sie unterhalten soll, sondern auch der eine, der ihr Herz erobert und den zu erreichen sie sich zum Lebensziel macht.

Meine Meinung:

Mit diesem Roman ist Arthur Golden ein wahres Meisterwerk gelungen.

Beeindruckend gut recherchiert, beschreibt Golden genau das Leben einer Geisha in der Weltwirtschafrskriese, der Kriegszeit und der Zeit danach. Man erfährt sehr viel über die Ausbildung einer Geisha. Detailliert wird beschrieben, was für Pflichten einer Geisha nachzugehen hatte, in welchen Gebieten sie unterrichtet wurde, wie sie sich schminkte, kleidete und lebte. Ohne langweilig informierend zu klingen, beschreibt Golden genau, wie ein unterhaltsamer Abend zwischen Geishas und vornehmen Herren abläuft, welche Zeremonien vorgenommen werden. Auch erlangt man Einblick in das Leben von Geschäftsleuten, insbesondere aus der Wirtschaft. Immer lässt er diese Informationen so in das Geschehen einfließen, dass der Leser nicht herausgerissen oder gelangweilt wird. Man wird eingeführt in die fremde Kultur und die vergangene Zeit und kann alles um sich herum vergessen.

Weiterhin glänzt Golden durch eine beeindruckende Sprache. Sein Schreibstil liest sich sowohl flüssig, als auch anspruchsvoll. Immer wieder glänzt er mit bildhaften Darstellungen, ohne es je übertrieben oder unpassend wirken zu lassen. Ich glaube im ganzen Buch gibt es keinen Satz, der mir nicht gefallen hätte. Jedes Wort scheint auf das andere abgestimmt zu sein und doch klingt Golden niemals gestelzt oder bemüht.

Obschon Arthur Golden ein Mann ist, versteht er es auf einfühlsame Weise sich nicht nur in die Rolle einer Frau hineinzudenken, sondern auch in die eines Mädchens, einer heranwachsenden Jugendlichen und vor allem einer Geisha. Möglicherweise geht ihm das ein oder andere Gefühl oder ein Gedanke abhanden, wie sie einer Frau gekommen wären, doch das fällt einem schlichtweg nicht auf. Er versteht es aus der Ich-Perspektive von Chiyo und Sayuri so überzeugend zu schreiben, dass man schnell vergisst, das Werk eines männlichen Schriftstellers in der Hand zu halten.

Mit einer von Anfang bis zum Ende durchgezogenen Spannung hat es Golden geschafft, mich das Buch kaum aus der Hand legen zu lassen. Obwohl das Buch sehr von Gefühlen und Gedanken der jungen Geisha getragen wird und so viel Wissen vermittelt, wird die Spannung niemals abgeschwächt.

Fazit:

Ein unglaublich tiefsinniges, spannendes Buch in einem der besten Schreibstile, die ich je gelesen habe. Unbedingt weiter zu empfehlen!

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Ein Kommentar (+deinen hinzufügen?)

  1. keeweekat
    Nov 12, 2012 @ 13:00:23

    Yay, freut mich, dass es dir genau gut gefallen hat wie mir! 😀

    Antwort

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