[Rezension] Patrick deWitt – Die Sisters Brothers

Titel: Die Sisters Brothers

Autor: Patrick DeWitt

Gebundene Ausgabe: 352 Seiten
Verlag: Manhattan (25. Juni 2012)
ISBN: 978-3442547005

Erster Satz:

„Ich saß draußen vor dem Anwesen des Kommodore und wartete darauf, dass mein Bruder Charlie herauskam und sagte, wie es um den neuen Auftrag stand.“

Inhalt:

Die Brüder Charlie und Eli Sisters sind berühmt-berüchtigte Killer, die im Auftrag des Kommodore im Wilden Westen unterwegs sind und  Leute aus dem Weg schaffen. Ihr neuester Auftrag führt sie von Oregon nach Kalifornien, wo das Goldfieber ausgebrochen ist. Hermann Kermit Warm ist die Zielperson, doch warum er eigentlich auf der Abschussliste steht, wissen die Brüder noch nicht.

Meine Meinung:

Patrick deWitts Roman, der 2011 auf der Shortlist zum Man Booker Prize stand, ist auf angenehme Art mal etwas völlig anderes, er unterhält und überrascht, ohne sich immer an die gängigen Erzählstrukturen zu halten. Geradezu herrlich anarchistisch erzählt deWitt die Reise der ungleichen Brüder; Charlie, der Psychopath ohne Gewissen und Eli, der schwermütige Grübler, der im Grunde seines Herzens ein guter Mensch sein will. Die unterwegs einen schrägen Charakter nach dem anderen kennenlernen, eine Spur der Verwüstung und einen Haufen Leichen hinter sich lassen und obendrein noch mit sich selbst klar kommen müssen.

Die Geschichte ist eine Art klassisches Wild-West-Abenteuer aus Sicht der „Bösen“ mit morbid-psychotischem Twist, die Stimmung eine Mischung aus Melancholie und unterschwelligem Humor. Eli, aus dessen Perspektive wir das Geschehen verfolgen, ist ein einnehmender Erzähler, der unter seiner rauen Schale sensibel und nachdenklich ist, unter der Fuchtel seines Bruders leidet und sich eigentlich ein friedlicheres Leben für sich vorstellen könnte, wenn er denn nur wüsste, ob er für was Anständiges überhaupt etwas taugt – alles in allem ein schwer sympatischer Serienkiller.

Der Plot an sich ist abwechslungsreich und immer wieder überraschend – wenn auch für meinen Geschmack etwas zu episodenhaft (mir hätte es besser gefallen, wenn einzelne Figuren noch einmal aufgetaucht oder bestimmte Begebenheiten später noch einmal von Bedeutung gewesen wären). Das Ende war eine große Überraschung und wirklich nicht vorauszusehen – dennoch fehlte es mir an der ein oder anderen Stelle ein wenig an Glaubhaftigkeit. Für diese Kritikpunkte daher eine Kaffeetasse Abzug.

Fazit:

Ein außergewöhnlicher Roman, der sich traut, sein eigenes Ding zu machen – mit einem unvergleichlichen Duo in der Hauptrolle, dessen Abenteuer man mit Spannung verfolgt. Die melancholisch-morbide Stimmung und der eigenwillige Humor sitzen – nur für das Episodenhafte und die ein oder andere fragliche Wendung gehe ich mit der Wertung runter. Trotzdem: Lesenswert!

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