[Rezension] Marie Lu – Legend: Fallender Himmel

Titel: Legend – Fallender Himmel

Autor: Marie Lu

Gebundene Ausgabe: 368 Seiten
Verlag: Loewe Verlag (10. September 2012)
ISBN: 978-3785573945

Erster Satz:

„Meine Mutter glaubt, dass ich tot bin.“

Inhalt:

Los Angeles, in einer dystopischen Zukunft: der fünfzehnjährige Day ist der meistgesuchte Verbrecher der Republik, und obwohl niemand sein Gesicht kennt, ist ein hohes Lösegeld auf seinen Kopf ausgesetzt.

Die fünfzehnjährige June Iparis ist die beste Kadettin an der Militärakademie und die Einzige, die je den großen Test, dem sich alle Kinder im Alter von 10 Jahren unterziehen müssen, mit der vollen Punktzahl bestanden hat.

Als Junes Bruder, ein Offizier, bei einem Überfall getötet wird, ist es Day, der für seinen Tod verantwortlich gemacht wird. June erhält daraufhin den Auftrag, Day ausfindig zu machen und ihn ein für allemal aus dem Weg zu schaffen.

Meine Meinung:

„Legend – Fallender Himmel“ ist für mich eine Enttäuschung auf ganzer Linie. Nachdem Oetinger einen Riesenerfolg mit der „Panem“-Trilogie gelandet hat, Fischer mit dem stark gehypten „Die Auswahl“ durchgestartet ist und Cbj einen Bestseller mit „Die Bestimmung“ an Land gezogen hat (alles Jugendbuch-Dystopien, die demnächst verfilmt werden sollen), will der Loewe Verlag nun mit Marie Lus „Legend“-Trilogie auf den fahrenden Zug aufspringen. Was hier an Werbegeldern ausgegeben worden sein muss, will ich mir nicht einmal vorstellen.

Was aber lässt sich über „Legend“ erzählen? Müsste ich die Handlung zusammenfassen, ich bräuchte nicht mal fünf Sätze. Die Charaktere? Haben keinerlei bleibenden Eindruck bei mir hinterlassen. Spannung? Nur im weitesten Sinne erkennbar. Der Schreibstil? Ist vorhanden, mehr aber auch nicht. Originalität? Habe ich auf keiner der 368 Seiten gefunden.

Genauer: Marie Lu’s Erstling bietet nichts, aber auch gar nichts Neues. Der Plot ist so fadenscheinig, dass man ihn direkt suchen muss. Wenn ich mir vorstelle, dass dieses Handlungskonstrukt noch zwei Bände lang durchhalten muss, bin ich echt gespannt, das da noch kommen soll. Lu hat keinerlei neue Ideen zum Genre beizusteuern, ich hatte sogar das Gefühl, dass sie sich überhaupt nur mit Müh und Not eine Story aus dem Ärmel schütteln konnte. Der Verlauf der Handlung ist vom ersten Moment an klar und man läuft zu keiner Sekunde Gefahr, überrascht zu werden.

Die Charaktere sind durch die Bank reißbrettartig in ihren Eigenschaften und immer schwarz-weiß. Weder überzeug Day als knallharter Schwerverbrecher (der keinen einzigen Mord begangen, aber mal ein paar Brände an Militärfahrzeugen gelegt hat, buhu), noch June als hyperintelligente Soldatin (je weiter die Handlung voranschreitet, desto mehr wundert man sich, wie sie zu ihren perfekten Testergebnissen kommen konnte). Der Umstand, das beide erst 15 (!) sind, macht das keine Spur glaubwürdiger. Sämtliche  Nebencharaktere sind ebenso langweilig wie durchschaubar.

Die aufgebauschte und durchweg vorhersehbare Handlung wird noch getoppt von einer Reihe von Unglaubwürdigkeiten, über die ich nur den Kopf schütteln konnte. Angefangen mit eine Aktionszene, in der Day auf der Flucht ein Messer in eine Gipswand rammt, um sich dann aus eigener Kraft daran nach oben und mit den Füßen zuerst durch ein Fenster in großer Höhe hinaus zu schwingen. Einer Computerspiel-Figur würde ich diesen Stunt vielleicht noch durchgehen lassen (Marie Lu war künstlerische Leiterin bei einer Computerspiel-Firma), aber nicht in einem Roman. Als Day jemanden mit seinem Messer an der Schulter trifft, ist für ihn absolut klar, dass er ihn nicht tötlich verletzt haben kann, weil es „nur“ die  Schulter ist. Das dort eine lebenswichtige Arterie verläuft, wird außer acht gelassen. Auch Junes große Überraschung über den Befehlsgehorsam ihres Kameraden, der nach Aufforderung seines Commanders Unschuldige erschießt, ist einfach nur lächerlich. Als gedrilltes Mitglied der Armee sollte es ihr in den Knochen stecken,  Befehle ohne jede Frage auszuführen. Und die Szenen, in denen June sich als Hackerin betätigt, sind direkt haarsträubend. Hier hätte die Autorin ihr Nichtwissen zu diesem Thema wirklich besser überspielen müssen. Noch unglaubwürdiger wird es kurz vor dem Finale, aber ich will nichts vorwegnehmen.

Zuletzt ist es Marie Lu’s Schreibstil, der her einiges hätte retten können. Leider gestaltet der sich aber so simpel und unausgereift, dass sich mir die Frage stellt, weshalb das Buch überhaupt verlegt wurde. Der Roman ist einfach nur mäßig geschrieben und auch die Dialoge bleiben ungelenk und farblos. Großes schriftstellerisches Talent kann ich hier nicht entdecken.

Fazit:

„Legend“ ist handlungs- und spannungsarm, bietet kaum glaubwürdige Charaktere in einem kaum beschrieben Setting und lässt jeden Anflug von Originalität vermissen.

Zurück bleibt eine über die Maßen gepushte Dystopie ohne Inhalt, deren bestes Attribut ist, dass man sie lesen kann. Der Rest ist eine große Menge heißer Luft.

Advertisements

2 Kommentare (+deinen hinzufügen?)

  1. MacBaylie
    Sep 03, 2012 @ 12:14:40

    Ui, sehr interessant auch mal eine schlechte Meinung zum Buch zu lesen.
    Die Leseprobe hat mir sehr gut gefallen. Dann bin ich mal gespannt, wie mir dieses Buch gefallen wird, ich habe es nämlich noch vor mir 🙂
    Liebe Grüße
    MacBaylie

    Antwort

    • keeweekat
      Sep 03, 2012 @ 14:52:28

      Hallo MacBalyie, ja, wie’s aussieht, bin ich mal wieder eine der wenigen, die eine negative Rezension schreiben muss.
      Deshalb bin ich umso mehr auf die anderen Meinungen gespannt!^^

      Antwort

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: