[Rezension] Julie Kibler – Zu zweit tut das Herz nur halb so weh

Autor: Julie Kibler

Titel: Zu zweit tut das Herz nur halb so weh

Gebundene Ausgabe: 320 Seiten
Verlag: Pendo (20. August 2012)
ISBN: 978-3866123250

Erster Satz:

„Als Dorrie und ich uns vor ungefähr zehn Jahren kennenlernten, war ich nicht gerade freundlich zu ihr.“

Inhalt:

Obwohl Dorrie und Miss Isabelle nicht unterschiedlicher sein könnten, verbindet die beiden eine tiefe, über die Jahre gereifte Freundschaft. Dorrie ist selbstständige Friseurin, alleinerziehende Mutter von zwei Kindern und Afroamerikanerin. Miss Isabelle, zu der sie einmal in der Woche zum Frisieren kommt, ist neunzig, verwitwet und Weiße.

Als Miss Isabelle Dorrie eines Tages bittet, sie auf einer mehrtägigen Fahrt nach Cincinnati zu einer Beerdigung zu fahren, ändert es das Leben beider Frauen. Denn Miss Isabelle erzählt Dorrie die Geschichte, wie sie sich als junge Frau in Robert, den Sohn ihrer farbigen Haushälterin, verliebte – und sich damit gegen ihre Familie und die eisernen Prinzipien der damaligen Gesellschaft stellte.

Meine Meinung:

„Zu zweit tut das Herz nur halb so weh“ beginnt relativ unaufgeregt und entwickelt sich zu einer klassischen Südstaaten-Romanze. Tatsächlich  ist die erste Hälfte des Buches recht überraschungsarm und hätte ein wenig mehr Abwechslung vom Althergebrachten vertragen.

Nichtsdestotrotz: Kiblers Figuren sind allesamt rund und überzeugen, die beiden Protagonistinnen bilden ein äußerst sympatisches Gespann und man  verfolgt mit zunehmender Spannung, wie sich Isabelles Geschichte weiterentwickelt. Denn mit der zweiten Hälfte kommt tatsächlich mehr Schwung in die Handlung, Isabelles Kampf um ihr Glück und ihre Selbstbestimmung reißen mit und auch die kleinen Epsidoden zwischen Dorrie und Isabelle auf der Fahrt sind rührend.

Einzig Roberts Geschichte blieb mir, gemessen am Thema des Buches, etwas zu schwach beleuchtet. Im Buch geht es um die tiefe Kluft zwischen Schwarzen und Weißen, aber irgendwie erfährt man nur wenig über das Leben der schwarzen Bevölkerung. Roberts Gedankenwelt erschließt sich dem Leser nur vage und überhaupt werden die Begegnungen zwischen ihm und Isabelle sehr spärlich in die Geschichte eingestreut. Am Ende ist es die Liebesgeschichte der beiden, die deswegen etwas von ihrem  Zauber zurückstecken muss – Kibler bleibt zu versiert auf Isabelles Perspektive und lässt Robert zu sehr in den Hintergründ rücken – und degradiert ihn somit unverdient zu einer Randfigur.

Was bleibt, ist dennoch eine mitreißende Geschichte, die in der zweiten Hälfte deutlich an Fahrt aufnimmt und am Ende nach dem ein oder anderen Taschentuch verlangt.

Fazit:

Die sympatischen Protagonistinnen trösten über den etwas zu kurz gekommenen männlichen Hauptcharakter hinweg. Wo sich die Liebesgeschichte etwas zu schnell und vorhersehbar entwickelt, ist es Isabelles Weg zu einer eigenständigen jungen Frau, die den Leser fesselt. Obwohl unterhaltsam geschrieben und mit gelungenem Ende versehen, ist es doch das Thema Rassenhass, dass mir hier etwas zu kurz kommt. Ein gut zu lesendes Buch, das allerdings Tiefe vermissen lässt.

 

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