[Rezension] Karsten Flohr – Zeiten der Hoffnung

Titel: Zeiten der Hoffnung

Autor: Karsten Flohr

Taschenbuch:365 Seiten

Verlag: Insel Verlag (Juni 2012)

ISBN: 978-3458358466

Erster Satz:

„Der Traum wollte nicht weichen.“

_

Inhalt:

Die Geschichte schildert aus verschiedenen Perspektiven den Vorabend des 1. Weltkrieges in Deutschland und Frankreich. Im Vordergrund steht die gut situierte Familie von Schwemer, insbesondere der älteste Sohn Wilhelm. Es wird erzählt von der Liebesgeschichte zwischen ihm und seiner französischen Jugendfreundin, von den Kolonien in Togo, vom Aufbegehren junger Frauen und vor allem vom Kriegsgeschehen.

Meine Meinung:

Leider war ich von diesem Roman sehr enttäuscht. Von einem Buch, das den zweiten Weltkrieg aufgreift und eine Liebesbeziehung zwischen einem Deutschen und einer Französin schildert, hatte ich mir sehr viel mehr erhofft.

Die Geschichte zieht sich von Anfang bis knapp vor das Ende sehr langweilig und zäh dahin. Erst gegen Ende wurde es ein bisschen spannend, diesen Teil habe ich auch am schnellsten gelesen. Viele zu viele Fakten versucht der Autor unterzubringen, möchte alles anbringen, was er über diese Zeit weiß – dabei bleibt die Handlung aber ganz schön auf der Strecke. Und andersherum: einige sehr wichtige Themen lässt er weg, überspringt riesige Zeiträume und das wichtige, das traumatisierende Ereignis des Attentats in Sarajewo wird mit 2 Sätzen abgehandelt. Das hat mich sehr enttäuscht.

Auch von der Beziehung zwischen Wilhelm und Adéle hatte ich mir weit mehr erhofft. Sie sollten eigentlich den Roman tragen, finden aber im gesamten Werk kaum zueinander. Zweimal nur sind wir wirklich körperlich (und ich meine nicht sexuell, sondern einfach ihre körperliche Anwesenheit) zusammen. Den Rest des Buches schmachten sie einander von der Ferne an und hoffen sich bald wiederzusehen. Doch darüber kann der Leser fast froh sein, denn die erste Begegnung zwischen den beiden wird derart kitschig und unrealistisch beschrieben, dass ich sie wenig ernst nehmen konnte. Die Dialoge wirken sehr gestelzt, so würde wohl niemand mit seinem Angebeteten sprechen. Teilweise halten sie sich gegenseitig lange Monologe. Das zieht sich teilweise auch bei anderen Personen durch die Geschichte.

Zudem sind mir immer wieder kleine Wortfehler und auch Logikfehler aufgefallen, die an sich ja nicht so dramatisch sind, in der Masse dann aber doch auffallen und anfangen zu nerven.

Zu den Charakteren lässt sich ziemlich knapp sagen, dass der Protagonist Wilhelm recht sympathisch ist, aber auch sehr vorhersehbar handelt und nicht besonders spannend ist. Seine große Liebe Adéle findet nicht allzu viel Beachtung in der Charakterbeschreibung, weshalb sie ebenfalls wenig interessant für den Leser wird. Mutter und Vater von Wilhelm sind mir völlig unsympathisch gewesen und die Brüder von Wilhelm wurden nur so knapp beleuchtet, dass man eigentlich nicht mehr über sie weiß, als dass sie eben Kinder sind.

Einzig Wilhelms Schwester Elisabeth hat mir in der Geschichte wirklich gefallen und so auch ihr Handlungsstrang. Sie ist eine willensstarke Person, die sich für die Emanzipation der Frau einsetzt, an Demonstrationen teilnimmt, Hosenanzüge trägt, etc. Das war für mich interessant zu lesen und die Sympathie zu ihr war schnell entstanden. Auch die Beziehung zwischen ihr und dem Hausmädchen fand ich realistisch und detailgetreu geschildert und habe sie gerne verfolgt.

Fazit:

Diesen Roman kann ich leider nicht empfehlen. Ich bin beim Lesen nur langsam vorangekommen und war zeitweise richtig gefrustet über manche Stellen.

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