[Rezension] Leigh Bardugo – Grischa – Goldene Flammen

Titel: Grischa – Goldene Flammen

Autor: Leigh Bardugo

Gebundene Ausgabe: 352 Seiten
Verlag: Carlsen Verlag GmbH (September 2012)
ISBN: 978-3551582850

 

Erster Satz:

„Die Diener nannten sie Malenchkij, Geisterchen, denn sie waren die Kleinsten und Jüngsten und sie suchten das Haus des Herzogs heim wie kichernde Phantome, flitzten durch die Zimmer, versteckten sich in Schränken, um zu horchen, stahlen die letzten Pfirsiche des Sommers aus der Küche.“

Inhalt:

Alina ist eine einfache Kartografin des Herzogs und heimlich in ihren Jugendfreund Maljen verliebt, den besten Fährtensucher des Heeres. Als dieser in Lebensgefahr gerät und sie ihn rettet, muss sie entdecken, dass eine geheimnisvolle Macht in ihr geschlummert hat, von der sie nie zu träumen gewagt hätte. Der Dunkle, oberster Kriegsführer des Zaren, wird auf sie aufmerksam und zwingt sie, mit ihm in den Palast zu kommen, wo sie zu einer Grischa augebildet werden soll – den mächtigsten Kriegern des Landes.  Beinahe zu spät erkennt sie, wofür der Dunkle sie wirklich gebrauchten will. Und plötzlich steht Maljens Leben auf dem Spiel.

Meine Meinung:

Leigh Bardugo schreibt locker und unterhaltsam, wartet mit einer sympathischen Hauptfigur auf und gestaltet ihre Welt endlich mal ein wenig anders als man es von den üblichen Jugend-Fantasybüchern kennt und ich hätte dem Buch gerne vier Kaffeetassen gegeben, wenn – ja, wenn – da nicht diese entsetzlich schleppenden ersten 100 Seiten wären.

Zu Anfang schüttet Bardugo den Leser mit so vielen fremden Begriffen zu, dass es äußerst ermüdend ist, den Überblick zu behalten. Dienstgrade, Armeestaffeln, Ortschaften, alles ist zu dicht gepackt. Hinzu kommt, dass sie gleich mit einer heftigen Actionszene beginnt, bevor man überhaupt Zeit hat, die Protagonisten ausreichend kennenzulernen. So gerät ein als spannend angelegter Einstieg zu einer konfusen und nicht immer glaubwürdigen Episode, in der man sich in Namen und Titeln verheddert und nicht wirklich mit den noch fremden Personen mitfiebert. Ein Kampf ist hier vorallem das Weiterlesen und ich hatte wirklich bedenken, ob ich mich mit der Geschichte anfreunden könnte.

Zum Glück wird es aber besser, sobald Alina an den Zarenhof kommt. Bardugos Beschreibungen und das russisch angehauchte Flair lesen sich wunderbar und die junge Genja, die zu einer Freundin Alinas wird, ist ein liebenswürdiger und glaubhafter Charakter. Alinas Ausbildung selbst bleibt etwas blass. Ein wenig mühevolle Konzentration auf ihre verborgenen Kräfte hier, ein bisschen holpriger Stockkampf da, richtig bildhaft gerät ihr Werdegang zur Grischa nicht. Der wird allerdings auch zur Nebensächlichkeit, als ihr von Unsicherheit und Schuldgefühlen überschattets Techtelmächtel mit dem Dunklen beginnt, der eine unwiderstehliche Anziehungskraft auf sie ausübt, obwohl sie ahnt, dass sie sich lieber nicht auf ihn einlassen sollte – und obwohl ihr Herz noch immer für Maljen schlägt, der mit seiner Einheit irgendwo im Norden stationiert ist und von dem sie nicht weiß, ob er überhaupt noch an sie denkt.

„Grischa – Goldene Flammen“ gefällt durch seine russisch-phantastische Atmosphäre und die Idee der mächtigen Grischa-Krieger. Der Zarenhof, die politischen Intrigen und einige spannende Szenen lassen den Leser nach dem schleppend-konfusen Einstieg durch die Seiten fliegen und nicht zuletzt sind Alina, Genja, Maljen und der Dunkle Figuren, deren Entwicklungen man gern verfolgt.

Bardugos Schreibe ist dabei eingängig, aber unauffällig. Ihr Stil lässt meiner Meinung nach etwas Feinschliff vermissen und die Dialoge schienen mir manchmal etwas zu banal, aber im Großen und Ganzen liest sichdas Buch besonders für jüngere Leser angenehm unkompliziert.

Was ich jedoch am meisten bedaure, ist, dass trotz erfrischend anderem Setting und einiger schöner Beschreibungen das Grundgerüst der Handlung enttäuschend konventionell und eindimensional gehalten ist: am Ende ist es doch wieder ein erneuter Aufguss des „Gut-gegen-Böse-Schemas“, bei dem Licht und Schatten gegeneinander kämpfen und der Bösewicht die Weltherrschaft erringen will.

Fazit: Der Ruf, der Bardugos Debüt auf diversen Internetplattformen vorauseilte, endlich einmal etwas „völlig Neues“ im Fantasygenre zu sein, ist meiner Meinung nach unverdient. Abgesehen von dem etwas verpatzten Einstieg liefert sie mit „Grischa – Goldene Flammen“ aber eine runde Geschichte, die man schnell ausgelesen hat. Alles in Allem möchte das Buch zwar gern ein erlesener Pfirsich sein, entpuppt sich am Ende aber doch nur als ein hübscher Apfel unter vielen.

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