[Rezension] Massimo Carlotto -Tödlicher Staub

Titel: Tödlicher Staub

Autor: Massimo Carlotto
Broschiert: 160 Seiten
Verlag: Tropen Bei Klett-Cotta
ISBN: 978-3608502077

Erster Satz:

„Ein Schwarm Rebhühner flatterte auf, als der kleine Geländewagen vorüberkam.“

Inhalt:

Pierre Nazzari, Deserteur vom Militär, wird von einer dubiosen Organistation erpresst und auf die junge Tierärztin Nina angesetzt. Nina, die an radioaktiver Strahlung erkrankte Ziegen und Schafe untersucht, soll er die Forschungsergebnisse stehlen.  Dabei verstrickt sich Pierre immer tiefer in ein gefährliches Netzt aus Vertuschung, Macht und Geld, in das nicht nur die korrupte örtliche Polizei, sondern auch das Militär, die Mafia und die Politik verstrickt sind.

Handlung:

„Tödlicher Staub“ packt ein Thema an, für das Carlotto und sein Co-Team aus elf Autoren und investigativen Journalisten recherchiert haben. Das Stichwort ist „Nanopartikel“, und womit Pierre es in der militärischen Sperrzone auf Sardinien zu tun bekommt, ist absolut beängstigend – denn die Grundlagen dieses fiktiven Romans sind absolut real.

Dieses brisante und bisher vor allem todgeschwiegene Thema vor der Kulisse Sardiniens hat mich auch zum Lesen verlockt, denn Krimis sind normalerweise eher nicht mein Genre. So viel habe ich mir versprochen von diesem Buch, aber hier wurde viel, aber auch so viel in den Sand gesetzt, dass es zum Haareraufen ist. Carlotto wird als einer der besten und erfolgreichsten Autoren Italiens gehandelt, aber nach „Tödlicher Staub“ bin ich erst mal mit ihm durch.

Was mich gestört hat? Allem voran die schlecht strukturierte Handlung, viel zu sehr wird hier an der Oberfläche gekratzt, das Thema Nanopartikel wird nur am Anfang wirklich behandelt und im Laufe des Geschehens einfach fallengelassen. Hinzu kommen die völlig stereotypen Charaktere. Das Büchlein ist nur 160 Seiten dick, aber Carlotto überschüttet den Leser mit derart vielen Ex-Söldnern, Ex-Finanzpolizisten, Ex-Majoren, Ex-Dealern und Ex-Gefängniswärtern, die man allein an ihren – für uns fremdartigen italienischen – Namen auseinanderhalten muss, dass  einem förmlich die Ohren schlackern. Wer bei der Hälfte des Buches noch weiß, wer wen erpresst , wer von wem herumgeschubst wird, wer wen linkt und mit wem verbündet ist (und wie jeder von denen heißt!), der ist richtig, richtig gut.

Mir war es, beim besten Willen, zu viel. Was mich bei der Stange hielt, war das Schicksal Pierres und Ninas, aber irgendwann ist die Handlung einfach so konfus und unzusammenhängend, dass ich bestimmt aufgegeben hätte, wäre das Buch nicht so dünn.

Fast will man glauben, Carlotto war sich beim Schreiben für seinen eigenen Roman „zu cool“. Das Buch ist einfach zu dünn, zu unstrukturiert und zu oberflächlich, um dem wichtigen Thema auch nur annähernd gerecht zu werden. Sämtliche agierende Figuren  (die Militärs, erst recht die ganzen schmierigen Mafiosi, aber sogar vor den Frauen macht Carlotto nicht Halt!) sind cool, so cool, dass Erpressungen, Ermordungen, ja selbst schlimme Schicksalsschläge immer aalglatt rüberkommen und jeder immer noch einen flotten Spruch nachschieben muss wie in einer billigen Gangsterklamotte.  Ist es das klischeebehaftete süditalienische Ego, das hier durchschimmert und jeden als Macho auftreten lässt? Ich weiß es nicht.

Fazit: Das wichtige Thema des Buches hat diese unzureichende Umsetzung nicht verdient. Zu sehr wird and der Oberfläche gekratzt, das 160 Seiten schmale Büchlein ist zu vollgestopft mit Personen, die allesamt kein Gesicht haben, dafür aber mächtig cool und geleckt reden. Schade.

2 Kommentare (+deinen hinzufügen?)

  1. Gregor
    Nov 17, 2013 @ 19:51:23

    Ich wollte mir schon das Buch durchlesen, aber nach deiner Rezi werde ich es wohl nicht mehr tun – danke!
    Liebe Grüße, Gregor

    Antworten

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