[Rezension] Beatrice Fabregas – „Karibikfeuer“

Titel: Karibikfeuer

Autor: Beatrice Fabregas

Broschiert: 560 Seiten
Verlag: Knaur HC (2. April 2012)
ISBN-: 978-3426652831

Erster Satz:

“ Die Sonne färbte den Himmel rot und versah die zerzausten Königspalmen am Feldrand mit einem Heiligenschein.“

Inhalt:

Würzburg, 1858: Der junge Hermann und seine Schwester Titine verlieren bei einem Brand ihre Eltern. Während Titine seit dem Unglück nicht mehr spricht, nimmt  Hermann eine Anstellung bei einem Apotheker an, um sich und seine Schwester über die Runden zu bringen. Doch als dieser ihn in eine Ehe mit seiner unausstehlichen Tochter Wilma manövrieren will, ergreifen die Geschwister die Flucht – und landen auf einem Schiff nach Kuba.

In Havanna angekommen bekommt Hermann durch viel Glück Arbeit  in einer deutschen Handelsgesellschaft. Was er nicht ahnt: Wilma ist ihm in die Ferne  gefolgt  und bleibt ihm sogar bis Trinidad auf den Fersen, wo er für seinen Vorgesetzten eine alte Zuckerrohrplantage wieder auf Vordermann bringen soll. Dort hat Hermann  mit dem jähzornigen Plantagenbesitzer Don Alvaro zu kämpfen – und verliebt sich in dessen junge Ehefrau Mafalda. Titine indes, die die Menschen nicht durch Worte, sondern mit ihrem Herzen versteht, beginnt, sich dem schwarzen Sklavenvolk anzunähern …

Meine Meinung:

„Karibikfeuer“ ist ein unterhaltsamer Schmöker, der sich gut für Zwischendurch eignet – eine Offenbarung ist er jedoch nicht. Die Handlung ist nicht ganz neu, vor allem zu Beginn der Geschichte. Der gesamte erste Teil des Buches, der noch in Deutschland spielt, liest sich etwas schleppend und – ja – uninspiriert.  Hier hätte ich mir mehr Spannung und ein wenig mehr Glaubhaftigkeit gewünscht. Wilma, die intrigante Klette, die Hermann einfach nicht in Ruhe lassen will, ist in ihrer Unausstehlichen Art doch recht eindimensional gehalten. Damit ist sie jedoch nicht allein, denn ein weiteres Manko an „Karibikfeuer“ für mich ist: jede Figur ist hier etwas einfach geraten. Hermann ist der Arbeitsame, der wirtschaftlich Denkende, der besorgte Bruder. Titine ist die Stumme, die in die Herzen der Menschen sehen kann. Don Alvaro ist der Trinker, der Wüterich. Mafalda ist die Schöne und Gute. Auch sämtliche Nebenfiguren wirken, als hätte man ihnen kurz vor ihrem Auftritt einen Stempel aufgedrückt: sie sind entweder abgrundtief böse und hinterhältig oder hilfsbereit und großzügig.  Ein bisschen weniger Schwarz-Weiß und etwas mehr Dreidimensionalität hätte ich mir hier gewünscht.

Der zweite Teil des Buches, der zum Großteil in Havanna spielt, steigert sich schon etwas in seinem unvorhersehbaren Plotverlauf und liest sich flüssiger. Am besten ist „Karibikfeuer“ aber im letzten Drittel, das in Trinidad auf der Zuckerrohrplantage spielt. Verhielt sich die Autorin bis hierher doch recht sparsam mit Umschreibungen von Landschaft, Kultur und Leuten wird es hier plötzlich farbenfroher, lebendiger. Sogar die Sprache erschien mir hier eleganter, souveräner.  Gerade so, als würde sich die Autorin mit dieser Gegend Kubas am besten auskennen. Die Schicksale der Sklaven und ihre Lebensbedingungen sind ergreifend geschildert und man lernt tatsächlich einiges darüber, wie früher Zuckerrohr angebaut und verarbeitet wurde. Dieser Teil hat mir am besten gefallen und wäre das ganze Buch so flüssig und unterhaltsam geschrieben, hätte es glatt noch eine Kaffeetasse mehr gegeben.

Fazit: Eine netter Sehnsuchtsschmöker, der für ein paar Stunden nach Kuba entführt. Stilistisch nicht besonders herausragend und vom Handlungsverlauf her gerade zu Anfang wenig überraschend; vor allem für die Figuren hätte ich mir mehr Tiefe gewünscht. Interessierte Leser erfahren jedoch einige interessante Details über die Sklaverei zu jener Zeit und die Arbeit auf den Zuckerrohrplantagen.

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Ein Kommentar (+deinen hinzufügen?)

  1. BOWMORE Darkest
    Apr 06, 2012 @ 16:43:28

    Jede Geschichte braucht einen oder zwei Bösewichte. Hin und wieder entwickele ich beim Lesen eines Roman meinen eigenen Plot und denke, jetzt müsste die Person so und so handeln.
    C.H.

    Antwort

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