[Rezension] Jennifer E. Smith – Die statistische Wahrscheinlichkeit von Liebe auf den ersten Blick

Titel: Die statistische Wahrscheinlichkeit von Liebe auf den ersten Blick

Autor: Jennifer E. Smith

Gebundene Ausgabe: 224 Seiten
Verlag: Carlsen Verlag (März 2012)
ISBN: 978-3551582737

Erster Satz: 

„Es hätte auch alles ganz anders kommen können.“

Inhalt:

Die 17-jährige Hadley hat noch nicht ganz die Scheidung ihrer Eltern verwunden, als sie sich auch schon in einem Flieger von Connecticut nach London wiederfindet, weil ihr Vater eine neue Frau heiratet und sie bei der Zeremonie als Brautjungfer auftreten soll. Im Flugzeug trifft sie den charmanten Briten Oliver, der sie schon bald von ihren trübseligen Gedanken ablenkt. Doch warum spricht er selbst kaum von seinen Eltern? Und wird Hadley ihn nach ihrer Ankunft in London je wiedersehen?

Meine Meinung:

Ist es möglich, sich in nur sieben Stunden einem völlig fremden Menschen so anzunähern, dass man meint, ihn schon ewig zu kennen? Kann man sich auf einem Flug in einen Fremden verlieben? Diese Frage ist der Aufhänger von Jennifer E. Smith’s Roman und es hätte tatsächlich eine interessante und ungewöhnliche Geschichte werden können, wäre die Umsetzung nicht so schrecklich seicht ausgefallen. Hadley ist ein recht oberflächliches Mädchen ohne herausragende Interessen, das für seine 17 Jahre noch recht naiv ist und mit der Trennung ihrer Eltern absolut nicht klarkommt. Etwas interessanter ist da ihre Flugzeugbekanntschaft Oliver, ein schlagfertiger Typ mit britischem Charme, der Hadley mit seinen provokanten Fragen kontinuierlich aus der Reserve lockt, dabei aber immer geschickt von sich selbst ablenkt.

Leider gehen sämtliche Flugzeug-Gespräche zwischen ihnen nie wirklich in die Tiefe – sie sind zwar unterhaltsam und man erfährt einiges über die familiären Probleme und Träume der Protagonisten, aber nie hat man das Gefühl, etwas Neues oder wirklich Überraschendes zu lesen. Als Hadley in Gedanken die Avancen des neuen Freundes ihrer Mutter – Ring im Champagner-Glas, Streichquartett beim Picknick – als „kreativ“ bezeichnet, musste ich vor Unglauben den Kopf schütteln. Noch vorhersehbarer geht es weiter, nachdem das Flugzeug gelandet ist und Hadley auf der Hochzeit ihres Vaters eintrifft. Spätestens hier fühlt man sich in ein durchschnittliches Hollywood-Feelgood-Teenie-Movie versetzt. Seitenlang giggelnde Brautjungfern in lavendelfarbenen Satinkleidern, ein glückliches Brautpaar, das sich beim Torten-Anschneiden Sahne auf die Nasen schmiert und zu guter Letzt auch noch ein rührendes Vater-Tochter-Gespräch inklusive Tränen. Überhaupt wird das gesamte zweite Hauptthema des Romans, nämlich die Trennung der Eltern, erstaunlich unambitioniert behandelt. Irgendwie hat man das Gefühl, das alles in dieser Form schon hundertmal gesehen zu haben. Da konnte dann auch das absehbare Happy-End nichts mehr rausreißen, das einen zwar befriedigt, aber auch relativ unbeeindruckt zurücklässt.

Fazit:

Eine nette Geschichte für zwischendurch, die jedoch nichts Neues bietet. Für meinen Geschmack ist das Buch zu vorhersehbar, zu seicht, zu harmlos und auf seine Art zu … amerikanisch. Smith schreibt solide, aber nicht herausragend und liefert eine Story, die gleichzeitig sommerlich leicht und dabei ziemlich austauschbar ist.

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3 Kommentare (+deinen hinzufügen?)

  1. Bücherphilosophin
    Mrz 16, 2012 @ 19:01:23

    Ich habe mir gerade das Hörbuch gekauft – nun schwant mir nichts gutes 😉
    Vielleicht ist es aber gar nicht so schlecht, wenn das Buch etwas seicht ist – schließlich höre ich meine Bücher in der Regel zu Einschlafen.
    LG, Katarina 🙂

    Antwort

    • keeweekat
      Mrz 16, 2012 @ 19:15:41

      Hallo Katarina,
      ohje, jetzt hab ich dir die Vorfreude vermiest – aber vielleicht ergeht es dir ja auch ganz anders als mir! Geschmäcker sind ja zum Glück oft verschieden. Ich bin auf alle Fälle auf deine Meinung gespannt! 🙂

      Antwort

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