[Rezension] Ali Shaw – Das Mädchen mit den gläsernen Füßen

Titel: Das Mädchen mit den gläsernen Füßen

Autor: Ali Shaw

Gebundene Ausgabe: 400 Seiten
Verlag: Script5 (9. Januar 2012)
ISBN-13: 978-3839001318

Erster Satz: 

„In jenem Winter berichteten die Zeitungen über einen Eisberg von der Größe einer Galeone, der voll knirschender Erhabenheit an den Klippen von St. Hauda’s Land vorbeitrieb, über ein Wildschwein, das verirrte Wanderer aus dem Felsenlabyrinth unterhalb des Lomdendol Tor herausführte, über einen verblüfften Ornithologen, der in einem Schwarm von zweihundert Krähen fünf Albinos gezählt hatte.“

Inhalt:

Die junge Frau Ida Maclaird muss nach ihrem Sommerurlaub auf St. Hauda’s Land eine schreckliche Entdeckung machen: Ihr Füße beginnen sich in Glas zu verwandeln. Verstört reist sie zurück auf die Inseln, um Hilfe zu suchen und das Glas, was sich immer weiter ausbreitet, aufzuhalten. Doch dort begegnet sie stattdessen neben seltsamen geflügelten Wesen und unnatürlich vielen Albinos auch dem eigenbrötlerischen Fotografen Midas Crook. Gemeinsam versuchen sie ein Heilmittel gegen das sich unaufhörlich ausbreitende Glas zu finden und verlieben sich ineinander.

Meine Meinung:

Zuallererst: Hut ab vor so viel Fantasie und Kreativität! Ali Shaw hat St. Hauda’s Land mit viel Liebe zum Detail und mit einigen Kuriositäten geschaffen. Geflügelte Rinder, so groß wie Motten; ein Wesen, das mit seinem Blick alles schneeweiß werden lässt; ein gläserner Mann auf dem Grund des Moores. Man kann in diese Welt wirklich eintauchen und alles andere um einen herum vergessen. Die Landschaft wird genau beschrieben, was ich persönlich immer sehr wichtig finde, um völlig in der Geschichte versinken zu können.

Die Hauptcharaktere des Buches haben mir sehr gut gefallen. Die aufgeweckte Ida, die genau weiß was sie will und stark genug ist, ihrem gläsernen Schicksal entgegen zu treten. Der in sich gekehrte und völlig vereinsamte Midas, der die Welt nur durch sein Objektiv betrachtet und Angst vor Berührungen hat. Wie sich die beiden langsam kennen lernen und Ida Midas aus seinem Schneckenhaus herauslockt ist realitätsnah und berührend geschrieben.

Auch die Nebencharaktere sind gut ausgearbeitet und interessant. So zum Beispiel der verschrobene Henry Fuwa, der ganz allein mit seinen geflügelten Rindern mitten im Sumpf lebt. Einzig die Tochter von Midas bestem Freund Gustav will nicht so recht ins Bild passen. Denver ist noch ein Kind, was man an ihren Dialogen jedoch keineswegs bemerkt. Sie verhält sich eher wie eine altkluge Tante.

Die Geschichte ist einem wunderbar flüssigem und bildhaftem Stil von Anfang bis Ende spannend geschrieben. Es gab keinen einzigen Moment, in dem ich das Buch lieber weggelegt hätte oder nicht mit Haut und Haaren bei Ida und Midas gewesen wäre. Dickes Plus für diesen mitreißenden Schreibstil! Nur hätte ich mir die geklammerten Bemerkungen hinter manchen Sätzen weggewünscht, die eher wie eine Erklärung für die Lektorin wirkten. Der aufmerksame Leser hätte diese Erklärungen nicht gebraucht, bzw. ab und an die Erklärungen, die mehr als nebensächlich waren. Auch wirkten manche Situationsbeschreibungen gen Ende hin und wieder ein wenig kitschig, aber das ist nun wirklich Geschmackssache.

Ein dickes Minus gibt es bei diesem Roman. Diese Geschichte hat weit mehr Potenzial, als wirklich genutzt wurde. Am Ende bleiben so viele offene Fragen übrig, die ich so gerne gelöst gesehen hätte. Was ist mit dem Wesen, das alles weiß werden lässt? Wieso verwandelte Ida sich denn nun zu Glas? Wo liegt die Verbindung zwischen ihr und Midas Vater, dessen Herz ebenfalls zu Glas geworden war? Sind die gläsernen Personen wirklich tot? Nichts davon wird geklärt. Da wird die Neugier des Lesers keineswegs befriedigt. Auch die zwischendurch angeschnittene Veränderung, die in Denver vorgeht, wird später im Buch nicht noch mal erwähnt, geschweige denn aufgelöst.

Fazit:

Ein fantasievoller, trauriger und vor allem packender Roman mit einer schönen Liebesgeschichte, starken Protagonisten und einem überraschenden Ende. Auf jeden Fall empfehlenswert, trotz der vielen offenen Fragen, die am Ende bleiben.

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3 Kommentare (+deinen hinzufügen?)

  1. Zeilenreisende
    Feb 24, 2012 @ 10:53:08

    Wenn ich das richtig verstanden habe, handelt es sich bei diesem Buch um eine Trilogie. Daher werden die Fragen wohl erst in Teil 2 oder 3 geklärt

    Antwort

  2. satscho
    Feb 24, 2012 @ 16:22:47

    Ich glaube nicht, dass es eine Triologie ist. Ich habe extra nachgeschaut, aber der nächste Roman von Shaw, hat nichts mit der Geschichte zu tun.
    Oder weißt du da mehr?

    Antwort

  3. Trackback: {Buchvorschau} Ali Shaw – Der Mann, der den Regen träumt « Coffee and Books

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