[Rezension] Isabel Beto – Die Bucht des grünen Mondes

Titel: Die Bucht des grünen Mondes

Autor: Isabel Beto

Taschenbuch: 544 Seiten
Verlag: rororo (1. Dezember 2011)
ISBN: 978-3499257018

Erster Satz: 

„Hier in dieser Bucht war das Wasser ungewöhnlich klar.“

Inhalt:

Berlin, 1896: Gegen ihren Willen wird Amely von ihrem Vater nach Manaus in Brasilien geschickt, wo sie den steinreichen Kautschuk-Baron Kilian Wittstock heiraten soll. In der feucht-schwülen Hitze des Dschungels angekommen, fühlt sie sich bald von ihrem herrschsüchtigen Ehemann und dem dekadenten Lebenswandel der weißen Oberschicht erdrückt. Erst, als sie dem Indianer Aymáho begegnet und mit seinem Stamm im Dschungel lebt, beginnt sie,  eine verborgene Leidenschaft in sich zu entdecken. Doch Aymáho ist nicht der, der er zu sein scheint …

Meine Meinung:

Der etwas abgenudelte Genrestempel „Vor exotischer Kulisse“  wird dem Roman von Sabine Wassermann, die hier erstmals unter ihrem Pseudonym Isabel Beto schreibt, nicht gerecht. Denn „Die Bucht des grünen Mondes“ ist weit mehr als der hundertfünfundachtzigste Aufguss eines Frauenschicksals vor bunt ausstaffiertem Hintergrund. Alles ist so außerordentlich gut recherchiert und so glaubwürdig in Szene gesetzt, dass ich gar nicht anders konnte als völlig in dieser Geschichte zu versinken. Die ganze Story scheint die Farben und Gerüche Brasiliens lebendig werden zu lassen und, vor allem, den Geist ihrer Zeit zu atmen. Endlich mal wieder ein Roman, der nicht nur von sich behauptet, „historisch“ zu sein und bei dem in Wirklichkeit Zeit und Setting „auf alt getrimmt“ und x-beliebig austauschbar sind.

Hinzu kommen noch die wirklich gekonnt geschriebenen Dialoge – realitätsnah und so gut eingesetzt, dass man alles wie einen Film vor sich sieht. Die Einblicke in das Leben der Ureinwohner Brasiliens, die wir in den Abschnitten aus Aymáhos Perspektive gewinnen, haben mir sehr gut gefallen, alles wirkt unglaublich realistisch und auch die Gedankenwelt der Indianer ist absolut überzeugend eingefangen. Die Autorin glänzt hier mit einer Fülle an Fachwissen und dem ein oder anderen geschichtlichen Aspekt, der einen vor Verblüffung stutzen lässt. (Wer hätte zum Beispiel gewusst, dass sich reiche weiße Frauen damals vor lauter Prunksucht sogar ihre Zähne mit Gold und Diamanten schmückten?) Nie hat man auch nur ansatzweise das Gefühl, Wissen aus Sach- oder Fachbüchern vermittelt zu bekommen. Alles ist so geschickt eingewebt in die Geschichte und wirkt so überzeugend, als würden wir wirklich alles durch Aymáhos Augen wahrnehmen. Genauso überzeugend ist auch Amelys Welt und ich konnte ihre Abscheu vor Kilian und der dekadenten Welt der Kolonialherren, in der Indianer nicht mehr wert sind als Tiere, sehr gut nachempfinden.

Alles ins allem ist „Die Bucht des grünen Mondes“ genau so, wie ich sie mir gewünscht habe – eine hervorragend recherchierte Geschichte, die die Exotische Luft eines fremden Landes atmet, mit starken Figuren, einem feinfühligen, unverbrauchten Schreibstil und – vor allem – voller unerwarteter Wendungen, die man nie hätte erahnen können. Eine halbe Kaffeetasse ziehe ich ab, weil mir das Problem mit der Sprachblockade in der Mitte des Buches etwas zu schnell gelöst wurde und das Ende etwas ausführlicher hätte sein können. Aber das ist ein Luxusktritikpunkt! 😉

Fazit: Diese Geschichte ist wie der Amazonas – mitreißend, farbenprächtig, exotisch, voller verschlungener Windungen, mit Gefahren an beiden Ufern und unerwarteten Ereignissen hinter jeder Biegung!

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3 Kommentare (+deinen hinzufügen?)

  1. Sat
    Jan 09, 2012 @ 16:38:35

    Na super, also noch ein Buch, was ich auf meine Wunschliste setzen muss^^ Es nimmt aber auch kein Ende 😛

    Antwort

  2. keeweekat
    Jan 09, 2012 @ 19:42:46

    Frag gar nicht erst nach MEINER Liste!^^

    Antwort

  3. Trackback: [Rezension] Isabel Beto – An den Ufern des goldenen Flusses « Coffee and Books

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