[Abgebrochen] Meljean Brook – Die eiserne See: Wilde Sehnsucht

Wann sollte man aufgeben?

Es passiert wirklich nur ganz, ganz selten, dass ich ein Buch vorzeitig abbreche. Früher konnte ich das gar nicht, weil ich immer dachte: „Es wird bestimmt noch besser! Ich verpasse etwas, wenn ich nicht bis zum Schluss durchhalte!“

Die Erfahrung hat mich eines Besseren belehrt: Wenn ich mich nach den ersten hundert Seiten immer noch durch ein Buch quäle, ist es höchst unwahrscheinlich, dass daraus noch ein lohnendes Leseerlebnis für mich wird. Gelernt, ein Buch unbeendet aus der Hand zu legen, habe ich allerdings erst während meiner Ausbildungzur  Buchhändlerin. Es ist einfach idiotisch, drei Wochen lang an einem Buch herumzuknabbern, das definitiv nicht für dich geschrieben wurde, wenn es einen zum Bersten vollgestopften Schrank mit hundert anderen nigelnagelneuen Leseexemplaren gibt, die nur auf ihre Chance warten, entdeckt und verschlungen zu werden.

Abgebrochen: „Die eiserne See“

Nun ist es nach langer Zeit also wieder passiert: ich habe ein Buch abgebrochen. Besonders ägerlich: ich hatte das Buch auf LovelyBooks für eine Leserunde gewonnen. Der LYX-Verlag hat großzügig 25 Exemplare seines neuen Steampunk-Romans verlost und ich hatte das Glück, eine der Gewinnerinnen zu sein.

Warum ich schon nach 200 von 479 Seiten weiß, dass das Buch nichts für mich ist? Hier eine kurze Übersicht:

+ Meljean Brook erschafft eine erstaunliche ausgeklügelte Alternativwelt zu unserer, in deren Vergangenheit Europa von den Mongolen erobert und tyrannisiert wurde und die Menschen auf dampfbetriebenen Automobilen und fliegenden Schiffen unterwegs oder gar mit mechanischen Körperteilen ausgestattet sind.

der Leser wird gnadenlos mitten hinein katapultiert in Brooks Welt und muss sich ohne Hilfe (eines Glossars o.ä.)  in dem Wirrwarr aus  Boundern (ehemalige Flüchtlinge, die nun aus Amerika zurückgekehrt sind), der Horde (die Mongolischen Tyrannen) , Buggern (mit Bugs – also Naniten-  also mechanischen Winzapparate infizierten Menschen) und einer ganzer Menge anderer Eigenartigkeiten zurechtfinden

alle paar Seiten taucht eine neue Nebenfigur auf, die nie ausreichend beschrieben wird, aber immer einen umständlichen Namen und eine noch merkwürdigere Funkton/ Position/Titel hat und daher zwangsläufig für Verwirrung sorgt. Das fängt schon mit Ryhs Trahaearn, dem männlichen Helden der Geschichte, an. Kein Mensch weiß, wie dieser Name ausgesprochen wird und dann ist er auch noch ein Herzog, der eigentlich mal ein raubender und vergewaltigender Pirat war, bevor er durch die Zerstörung der Festung der Horde als Befreier Englands gefeiert und in den Aldelsstand erhoben wurde.  Hä?

Wer will eigentlich was? Trahaearn will sein Luftschiff finden und wissen, wer ihm eine Leiche vor das Schlosstor geworfen hat. Und er will Mina ins Bett kriegen. Mina will den Fall lösen, der ihr aufgetragen wurde, nebenbei ihren Bruder finden und sich dabei auf keinen Fall von Trahaearn flachlegen lassen. Dann gibts da noch eine Dame Sawtooth,  und eine ganze Reihe anderer Typen, doch da hat man schon den Überblick verloren und findet sich selbst nicht mehr zurecht in dem ganzen Plot-Gewusel, in das die Autorin einen da geschickt hat.

– Die Seiten 150 bis 200, durch die ich mich gequält habe, starteten mit einem Null-Komma-Nix-Flug über den Ärmelkanal und arteten in eine Wilde Flucht vor einer Horde Zombies (!) aus, angefüllt mit reichlich Leichen, Explosionen, verwirrenden Ermittlungsversuchen auf Minas und nervtötender „ich will sie vögeln“-Gedankengänge auf Rhys Seite.

Danke, nein. Diesmal gebe ich auf, ohne bis zum Ende durchgehalten zu haben. Die (zu) expliziten Erotik-Szenen, die laut der anderen Mitleser noch folgen, schenke ich mir gerne.

EDIT: Nach reiflicher Überlegung versehe ich diese Rezi nun doch mit einer Kaffeetassen-Wertung. Ich weiß, ich habe das Buch nur bis zur Hälfte gelesen. Aber wenn ich es recht bedenke, dann haben Bücher, durch die ich mich so sehr quäle, dass ich sie nicht beenden kann, nichts anderes verdient, als die niedrigste Bewertung meinerseits. Daher:

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6 Kommentare (+deinen hinzufügen?)

  1. Anette
    Nov 06, 2011 @ 21:59:18

    Ich habe mich nur deshalb bis zum bitteren Ende gequält, weil ich das Buch als Vorabrezensionsexemplar gewonnen hatte (naja… das mit dem Vorablesen und -rezensieren hat sich dann allerdings erledigt, weil ich am dem Schmachtfetzen eine ganze Woche gehangen habe). Jetzt ärgere ich mich, dass ich soviel Zeit damit verschwendet habe, denn mein Fazit ist nach dem kompletten Buch dasgleiche, welches ich auch schon nach der Hälfte gezogen hätte (höchstens NOCH vernichtender) 😦 Eigentlich kann ich deine Punkte genauso unterschreiben… Und ich mag Steampunk normalerweise wirklich wirklich gerne!
    Liebe Grüße Anette

    Antwort

  2. keeweekat
    Nov 06, 2011 @ 22:02:29

    Danke für deinen Beistand, liebe Anette … dann liegt es wohl doch nicht einzig an mir, dass ich mit dem Buch nicht klargekommen bin!^^

    Antwort

  3. Satsch
    Nov 08, 2011 @ 14:48:26

    Das ist ja schade. Das Buch hat sich so vielversprechend angehört und wurde auch auf anderen Websites angepriesen. Außerdem ist der Typ auf dem Cover cool 😀
    Nun gut, dann werd ich darum mal einen Bogen machen. Auf deine Lesermeinung ist in Bezug auf meinen Geschmack immer Verlass 🙂

    Antwort

  4. keeweekat
    Nov 08, 2011 @ 15:46:44

    Ja, das hab ich mir auch so gedacht, aber ein Cover ist leider nur die halbe Miete!^^

    Aber keine Sorge, demnächst lese ich einen ganzen Stapel vielversprechender Bücher, bei denen bestimmt das ein oder andere Schmankerl dabei ist! 😉

    Antwort

  5. Friedelchen
    Nov 30, 2011 @ 10:11:10

    Ich kann deine Kritikpunkte gut verstehen, auch wenn mir selbst das Buch gut gefallen hat. Hm, ich glaube, es kommt auch immer ein bisschen auf die Stimmung an, in der man sich grad befindet, wenn man ein Buch liest. Es gibt Tage, da bin ich schnell genervt von Buchcharakteren oder eben so nervigen Gedanken wie „muss sie vögeln“ etc.
    Naja, das Buch findet schon seine Leser 🙂
    Liebe Grüße

    Antwort

    • keeweekat
      Nov 30, 2011 @ 11:18:21

      Hallo Friedelchen, Danke für deinen Kommi! 🙂 Klar ist es immer Geschmackssache und oft auch eine Frage der persönlichen Stimmung – habe ich schon oft erlebt. Ich bin auch froh, dass es immer unterschiedliche Meinungen zu Büchern geben wird. Wo kämen wir sonst hin?^^

      Antwort

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