[Rezension] Mara Laue – Dämonenerbe 01: Erweckung

Titel: Dämonenerbe 01: Erweckung
Autor: Mara Laue
Taschenbuch:207 Seiten

Verlag: Sieben Verlag

ISBN: 978-3941547445
Erster Satz:

„Warum ausgerechnet sie?“

Inhalt:

Zwölf Uhr Nachts werden an zwei verschiedenen Orten in den USA auf dieselbe Sekunde zwei Babys geboren – ein Junge und ein Mädchen. Der Junge trägt ein Mal in Form eines gelben Auges auf der Schulter, das Mädchen ein orangenes auf der Brust. Von dem Moment, in dem sie das Licht der Welt erblicken, entbrennt ein Kampf der Mächte um sie. Verschiedene Geheimbünde heften  sich an die Fersen derer, die die Kinder um jeden Preis verstecken müssen. Der Junge kommt in die Obhut seines Dämonenvolkes, das Mädchen wächst unwissend bei einem Menschenpaar auf.

Dreiundreißig Jahre später lebt Bronwyn Kelly als erfolgreiche Journalistin allein in Cleveland. Sie weiß nichts von dem Erbe, das auf ihren Schultern lastet, bis das erloschene Mal auf ihrer Brust wieder aufflammt. Mit dem Erwachen ihrer Magie beginnt Devlin die Verbindung zu ihr zu spüren. Er will um jeden Preis verhindern, dass die Dämonen die Herrschaft über die Menschen erringen können und beschließt, das einzige zu tun, was die prophezeite Vereinigung der beiden Halbdämonen stoppen kann – Bronwyn zu töten. Denn nicht mehr als die Zukunft von Menschen und Dämonen hängt davon ab, ob sich der König und die Königin der Dämonenvölker miteinander vereinigen und das Tor zur Dämonenwelt öffnen.

Meine Meinung:

Ich fange mal mit dem Positiven an. Zum Ersten: Mara Laue versteht etwas von Spannungsaufbau. Ja, gegen Ende hin zerfleddert die Handlung ein wenig und einige Actionszenen wirken etwas bemüht in Szene gesetzt, aber das Buch hat einen spannenden Einstieg und weiß, bei der Stange zu halten.  Zum Zweiten: Was die Hinterdründe angeht, hat sich die Autorin wirklich umfassend Gedanken gemacht. Das Geflecht aus Prophezeiungen, Ordenskodexen und die Struktur der Dämonenclans ergibt durchaus Sinn und wirkt überzeugend. Drittens: die Aufmachung des Buches ist wirklich gelungen. Ich habe schon einige Bücher von Kleinverlagen in der Hand gehalten, aber der Sieben-Verlag macht wirklich außergewöhnlich schöne Bücher. Nicht selten ist mir bei Büchern aus vergleichbar großen Verlagen ein schludriges Lektorat aufgefallen, das auch mal mehrere Rechtschreibfehler übersieht. Hier jedoch wurde wirklich gute Arbeit geleistet und das Cover, gestaltet von Andrea Gunschera, ist ein echter Eye Catcher.

Nun aber zu meiner Kritik: So viel hätte man hier herausholen können. Nicht aus dem Thema an sich, denn die Story von einem Tor zwischen unserer und der Dämonenwelt, das kurz vor der Öffnung steht, ist doch etwas abgenudelt und spätestens seit dem Höllenschlund in „Buffy“ nichts wirklich Neues mehr. Da hilft es auch nichts, dass als Setting für „Dämonenerbe“ zum wiederholten Mal die USA herhalten muss – das gibt dem Ganzen noch mehr einen „Hab ich schon mal gehört“- Touch. Warum das Ganze nicht mal in Europa ansiedeln? Immerhin geht es hier um uralte Prophezeiungen und sich wiederholende Ereignisse, die in eine Zeit bis vor 1000 Jahren zurückreichen.

Zum Zweiten bin ich leider nicht mit den beiden Protagonisten – Bronwyn und Devlin – warm geworden. Beide sind relativ eindimensional und unaufregend gehalten. Bronwyn zum Beispiel ist eine schöne und erfolgreiche Journalistin, die sich ihrer Wirkung auf Männer wohl bewusst ist und die  gegen den ein oder anderen One Night Stand nichts einzuwenden hat. Dann wäre da noch die Tatsache, dass sie mit 20 ihre Eltern verloren hat und im Glauben aufgewachsen ist, eine ganz normale junge Frau zu sein. Das ist alles, was wir über Bronwyn erfahren. Devling hingegen ist von Kindesbeinen an bei den Dämonen aufgewachsen und weiß um seine und Bronwyns prophezeite Zukunft. Auch er sieht (selbstredend) hinreißend aus und ist erfolgreicher Maler.

Da ist ist natürlich keine große Überraschung, dass das Zusammentreffen der beiden recht formelhaft abläuft. Und leider, leider muss ich es sagen, aber der Autorin fehlt hier meiner Meinung nach jegliches Gespür für das richtige Timing. Was bei den Thriller-Elementen in der Geschichte noch funktioniert, geht hier mächtig nach hinten los. Nachdem Bronwyns Mal erwacht ist und er sie aufspüren kann, heftet sich Devlin an ihre Fersen, um sie zu töten und somit die prophezeite Dämonenherrschaft über die Erde abzuwenden. Aber was tut er? Er zögert, lässt sich auf einen Wortwechsel mit ihr ein und ist schon ihrer Schönheit erlegen. Gähn. Spätestens hier büßt Devlin  für mich einen Großteil seiner Glaubwürdigkeit ein. Nicht besser geht es aus Bronwyns Perspektive weiter. Natürlich ist sie starrköpfig und misstrauisch, dennoch fühlt sie sich auf (wortwörtlich) magische Weise von Devlin angezogen. So sehr, dass bereits kurz nach ihrem Kennenlernen sein „bloßer Anblick ein Prickeln in ihrem Schoß“ auslöst. Genauso geht es Devlin, der Bronwyn lieber gestern als heute bei sich im Bett haben würde. Das mag ja alles gut und schön sein, aber mir als Leser ging das alles viel zu schnell und allein das gute Aussehen der beiden Protagonisten reichte mir nicht als Erklärung. Es stimmt schon, die beiden sind durch ein magisches Band miteinander verbunden und fühlen sich stärker zueinander hingezogen, als es zwischen normalen Menschen der Fall wäre. Trotzdem muss ich als Leser das Ganze NACHVOLLZIEHEN können. Da reicht es mir einfach nicht, dass beide gut aussehen und von Beginn an das Gefühl haben, für immer zusammen sein zu wollen. Während sie die ersten 100 Seiten noch umeinander herumscharwenzeln, weil sie gerne wollen aber doch nicht sollten, ist auf Seite 150 bereits von der großen Liebe die Rede. Hier ist mir das gute Sprichwort „Show, don’t tell“ eingefallen. Will sagen: ich muss FÜHLEN, was zwischen Bronwyn und Devlin ist und nicht gesagt bekommen, wie scharf die beiden aufeinander sind.

Übrig bleibt ein Thriller, der zwar zu unterhalten weiß, für mich aber an seinem Herzstück, nämlich der Liebesgesichte  zwischen Devlin und Bronwyn, scheitert. Im Großen und Ganzen lässt mich „Dämonenerbe: Erweckung“ eher unbefriedigt zurück. Zu viele Fragen haben während der Lektüre an mir genagt. Warum nur (wenn das Buch schon mal aus deutscher Feder stammt) schon wieder die USA als Handlungsort (und warum um Himmelswillen Maßeinheiten immer in Meilen und Inch angeben?)? Warum eine langweilige Miss Perfect als Protagonistin besetzen? Warum verflacht Devlin, der auf den ersten Seiten noch als jähzornig beschrieben wird, so schnell zu einem sabbernden Kerl, der seine Triebe kaum im Zaum kann?

Schade, schade. Anfänglich hätte ich noch großzügiger bewertet, aber da die Liebesgeschichte zum Ende hin immer mehr verflachte und ich auch sonst das Ende für schwächer geraten halte als den Anfang, kann ich nur 2 Kaffeetassen vergeben.

Fazit: Mara Laue zeigt mit dem Auftakt zu ihrer Trilogie, dass sie ihr Handwerk versteht, wenn es um den Spannungsaufbau geht, beweist aber alles andere als gutes Timing in der Liebesgeschichte.

 

 

Mein herzlicher Dank geht an den Sieben-Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplares!

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