[Rezension] Kerstin Pflieger – Die Alchemie der Unsterblichkeit

Taschenbuch: 352 Seiten
Verlag: Goldmann Verlag (21. Juni 2011)
Sprache: Deutsch
ISBN: 978-3442474837

Erster Satz:

„Darum werden ihre Plagen auf einen Tag kommen: Tod, Leid und Hunger; mit Feuer wird sie verbrannt werden; denn stark ist Gott der Herr, der sie richten wird.“

Inhalt:

Es ist das Jahr 1771:  Icherios Ceihn, seines Zeichens junger Gelehrter und angehender Medizinstudent aus Karlsruhe, wird von der ominösen „Kanzlei“ in das versteckte Dorf Dornfelde im Schwarzwald geschickt, wo er eine Reihe übernatürlicher Morde aufklären soll.

Trotz seiner furchtsamen Natur und gegen den Willen seines Vaters macht Icherios sich auf den Weg in das „Dunkle Territorium“. Was er dort vorfindet, widerspricht all seinen wissenschaftlichen Vorstellungen: Dornfelde wird nicht nur von Menschen, sondern auch von Vampiren und Werwölfen bevölkert. Kaum hat Icherios seinen ersten Schrecken überwunden, sieht er sich zudem auch noch mit Irrlichtern, Ghulen und anderen untoten Monstern konfrontiert. Am liebsten würde er auf dem Absatz kehrt machten, doch er steckt bereits bis zum Kragen in den schrecklichen Geschehnissen, die immer gehäufter auftreten. Wer steckt hinter den brutalen Ritualmorden? Und wem kann Icherios bei der Suche nach dem Mörder trauen?

Meine Meinung:

Aus kunterbuten Salat der Fantasybücher, die derzeit den Markt überschwemmen, sticht „Die Alchemie der Unsterblichkeit“ angenehm heraus. Um so schöner, dass dieser Beitrag von einer deutschprachigen Autorin kommt!

Kerstin Pfliegers Roman besticht durch einen straffen und ausgeklügelten Plot, der sich angenehm flüssig und spannend liest und den Leser immer wieder zu überraschen weiß. Die Atmosphäre in Dornfelde und dem gesamten „Dunklen Territorium“ ist wunderbar düster und kauzig und erinnert nicht von ungefähr an Tim Burtons „Sleepy Hollow“: mit Icherios Ceihn als blauäugigem Studenten der Naturwissenschaften, der anfänglich weder an die Existenz von Untoten und Werwesen noch an Hexerei glauben will, schuf Pflieger eine gelungene Hommage an Inspector Ichabod Crane aus Burtons Film. Auch die geheimnisumwitterte Bürgermeisterfamilie und ein gut gehütetes Netz aus Lügen, in das gleich mehrere Dorfbewohner verwickelt sind, lässt Erinnerungen an „Sleepy Hollow“ anklingen. Dabei scheinen die Ideen nicht kopiert, sondern andächtig zitiert und um Fülle von  eigenen Ideen der Autorin erweitert.

Besonders gefallen haben mir auch die unterschiedlichen und sorgsam gezeichneten Nebencharaktere, die allesamt interessant und lebendig sind. Da macht es Spaß, gemeinsam mit Icherios und dem bunten Potpurri von Gestalten, die im zur Seite/ im Wege stehen, der Auflösung des Falls entgegenzufiebern. Pflieger behält dabei die ganze Zeit über die einzelnen Fäden der kriminalistischen Handlung in den Händen, streut geschickt Hinweise und lässt den Leser ziemlich lang im Dunkeln tappen. Gegen Ende ist es zwar einigermaßen offensichtlich, wer hinter allem steckt, dieser Umstand nimmt der rasanten Geschichte jedoch keineswegs den Wind aus den Segeln.

Was bleibt zu kritisieren? Der Plot ist großartig gestrickt, die bedrohliche Stimmung kommt rüber, die Charaktere gewinnt man schnell lieb. Einzig der Schreibstil der Autorin neigt hin und wieder zu Holprigkeiten und die Wortwahl ließ sich meiner Meinung nach ab und zu hinterfragen, vor allem, wenn es um die Umschreibung des Gefühlszustandes der agierenden Personen ging. Hier hätte ein klein wenig mehr Feingefühl nicht geschadet.  Beispielsweise sieht sich Icherios in einer Szene etwas „neugierig“ an, obwohl die Situation in erster Linie Furcht und große Vorsicht geboten hätte. Da reicht mir ein „neugierig“ nicht, das klingt mir zu unbedacht. Desweiteren „schreit“ in manchen Situationen jemand, obwohl ich mir sicher bin, dass eigentlich gemeint war, dass derjenige eigentlich nur die Stimme erhebt oder aber einen ängstlichen Laut von sich gibt. An diesen Stellen hätte ich mir eine genauere und pointiertere Sprache gewünscht. Auch bin ich über die ein oder andere Beschreibung gestoßen, die etwas ausdrucksvoller hätte formuliert werden können. (Beispiel:  „Blut rann aus seinen Wunden und bildete eine Lache.“) Hier wäre stellenweise mehr herauszuholen gewesen. Da es sich aber um ihr Erstlingswerk handelt, bin ich gespannt, wie sich die Schreibe von Kerstin Pflieger weiterhin entwickelt – im Großen und Ganzen ist sie nämlich durchaus solide und besitzt einen ganz eigenen Charme mit Hang zu angenehmem  Gänsehautfeeling.

Fazit: „Die Alchemie der Unsterblichkeit“ ist der spannende erste Teil der außergewöhnlichen Mysterie-Serie um Inspektor Icherios Ceihn und macht Lust auf mehr. Stiltechnischt ist noch Luft nach oben, was Plotaufbau und unvermuteten Twist in der Story angeht, ist Pflieger bereits jetzt Meisterin. Ich bin gespannt, wie es weitergeht!

Cover: Einfach wunderbar! Ästhetisch, schaurig und mit augenzwinkernder Verbeugung vor stilverwandter Tim Burton Optik.  Hier wurde endlich mal wieder Mut zu Individualität und Unverwechselbarkeit bewiesen. Bitte weiter so!

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