[Rezension] Jennifer Donnelly – The Tea Rose

Originaltitel: The Tea Rose (The Rose Trilogy 1)

Deutscher Titel: Die Teerose

Autor: Jennifer Donnelly

Taschenbuch: 800 Seiten
Verlag: Harpercollins UK
ISBN: 978-0007208005

Erster Satz:

„Polly Nichols, a Whitechapel whore, was profoundly grateful to gin.“

Inhalt:

London, 1888: Fiona Finnegan, Tochter eines Dockarbeiters, lebt mit ihrer Familie in ärmsten Verhältnissen im Londoner Elendviertel Whitechapel. Fiona arbeitet hart in der Teefabrik von William Burton, um die paar Shilling, die sie verdient, zum Familienunterhalt beizusteuern. Was sie beiseitelegen kann, spart sie, um mit ihrer Jugendliebe Joe eines Tages einen eigenen Laden aufzumachen.

Doch dann geschehen mehrere schreckliche Ereignisse auf einmal: Joe wird gegen seinen Willen in die Ehe mit einer anderen Frau manövriert und Fionas Mutter wird Opfer des Whitechapel Mörders. Als ihr Vater, Anführer der Gewerkschaft und Verfechter besserer Löhne für die Dockarbeiter ums Leben kommt, ahnt sie, dass nur Burton dahinter stecken kann. Ehe sie es sich versieht, schwebt sie selbst in höchster Lebensgefahr. Zusammen mit ihrem jüngeren Bruder Seami und der Hilfe des netten Nicholas Soames, der die beiden am Hafen aufgabelt, gelingt es ihr, eine Passage nach Amerika zu bekommen.  Dort angekommen, stellt sich ihr einzig überlebender Verwandter Michael als hoffnungsloser Trinker heraus. Verzweifelt versucht Fiona, seinen Lebensmittelladen zu retten und bekommt unerwarter Hilfe.

So beginnt ihr Aufstieg in der New Yorker Gesellschaft als erfolgreiche Geschäftsfrau. Ihr ganzer Antrieb ist dabei insgeheim die Vernichtung William Burtons.  Doch während ihre edlen Teestuben immer erfolgreicher werden und sie sogar beginnt, ihr eigenes Teeimperium aufzubauen, kann sie einen nicht vergessen: ihre große Liebe Joe.

Meine Meinung:

Lange bin ich um „Die Teerose“ herumgeschlichen, endlich habe ich sie gelesen – und bin einfach nur hin und weg. Donnelly beschwört vor den Augen des Lesers ein London herauf, das vor Armut und Schmutz starrt, voller Korruption und Ausbeutung ist. Die Ärmsten der Armen fristen ein jämmerliches Dasein in schimmeligen, rattenverseuchten Absteigen, während sie sich von früh bis spät kaputt schuften, um sich und ihre Familien irgendwie über Wasser zu halten.

Fiona ist eine fleißige und amitionierte junge Frau, überzeugt davon, dass sie es in ihrem Leben zu etwas bringen kann. Gemeinsam mit Joe träumt sie von einer sorgenfreien Zukunft. Schnell habe ich diese optimistische Protagonistin, die sich so liebevoll um ihre Familie kümmert, ins Herz geschlossen. Um so mehr litt ich auch, als sie von einem Schicksalsschlag nach dem anderen getroffen wird. Spätestens hier legt man das Buch kaum noch aus der Hand. Sie Seiten fliegen nur so vorbei, während man Fiona auf ihrer Überfahrt nach Amerika begleitet und den sympathischen Nicholas kennenlernt, der sich als Fionas Ehemann und Vater von Seami ausgibt, damit die beiden eine Passage bekommen.

Mit Einsetzen der Handlung in New York erblüht Donnellys Schreibe zu voller Kraft. Hier wird eine Stadt beschrieben, die explosionsartig wächst, in der alles in Bewegung ist und nichts unmöglich scheint. Die Autorin schreibt so bildgewaltig, dass man sich fühlt wie in einem Film. Die Beschreibung der Charaktere ist dabei genauso realitätsnah wie die mitreißenden Dialoge.

Hinzuzufügen seien da noch die ausgezeichnete Recherche der Autorin rund am das Leben in London und New York um 1900. Ob es um die Kriminalität in den Londoner Unterschichten geht oder den Lebensttil der gehobenen Gesellschaft in der Neuen Welt, nie hat man auch nur einen Moment das Gefühl, die Autorin wisse nicht genau, wo von sie da schreibe.

Fazit: Was bleibt zu sagen? Ein 700-Seiten-Schmöker über die Emanzipation einer jungen Frau? Auch, aber was den Leser bei der „Teerose“ erwartet, ist weitaus mehr: ein detailliertes Gesellschaftsbild um 1900, eine farbenprächtige Studie des damaligen Handels in all seinen Facetten, liebevoll gezeichnete Charaktere, großartige Dialoge und Spannung von der ersten bis zur letzten Seite. Was sind schon 700 Seiten, wenn man solchen Spaß beim Lesen hat?

PS: Jedem, der sich traut, möchte ich die englische Ausgabe des Buches empfehlen. Donnellys Sprache ist einfach unvergleichlich und es wäre schade, diesen schönen Londoner Slang nicht im Original zu lesen.

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