[Rezension] Katja Doubek – Königin der Meere

Titel: Königin der Meere

Autor: Katja Doubek

Gebundene Ausgabe: 544 Seiten
Verlag: C. Bertelsmann
ISBN: 978-3570010136

Erster Satz:

„Ein Septembertag wie geschaffen, Irland zu verlassen.“

Inhalt:

Anne Cormac, Tochter eines aufsteigenden Plantagenbesitzers und einer Dienstmagd, ist von Kindesbeinen an ein ausgemachter Dickkopf und schändlich unmädchenhaft. Sie sträubt sich gegen ihren Handarbeits- und Konversationsunterricht, läuft immer wieder heimlich davon und stößt ihren Vater vor den Kopf, als sie sich weigert, den Sohn eines reichen Geschäftspartners zu heiraten. Stattdessen reißt sie mit James Bonny aus, einem Seefahrer und Lebenmann, der sie heiratet und bald darauf im Stich lässt.
Anne beschließt, ihr Leben in die eigenen Hände zu nehmen, verkleidet sich als junger Mann und heuert unter dem Piratenkapitän Vane auf dessen Schiff an. Dort fühlt sie sich stark zum Quartiermeister „Calico“ Jack Rackham hingezogen. Als der zum Kapitän seines eigenen Schiffes wird und durch Trunkenheit und Drogenexzesse immer mehr zu einem körperlichen Wrack verkommt, schwingt sich Anne zur neuen Anführerin ihrer Crew auf – und wird zu einer der erfolgreichsten und meistgesuchtesten Piraten der Karibik.

Meine Meinung:


Katja Doubek liefert mit „Königin der Meere“ ein farbenprächtiges Bild vom Leben der Anne Bonny, eine der bekanntesten Piratinnen des frühen 18. Jahrhunderts. Voller fabulierlust schildert sie Annes von Rebellentum geprägte Kindheit auf der Plantage ihres Vaters und ihr Heranwachsen zu einer dickköpfigen, abenteuerlustigen Frau, die gegen die damaligen Konventionen kämpft. Ungeschönt beschreibt die Autorin auch die Sklaverei in der damaligen Zeit. Zur Höchstform läuft sie aber auf, als Annes Abenteuer auf See beginnen. Ihr Wissen über die Bauweise von verschiedenen Schiffen, den Funktionen auf Deck und das Piratentum ist erstaunlich, hier wurde wirklich gut recherchiert.
Das Buch ist durchweg spannend und lässt sich kaum aus der Hand legen. Die Dialoge wirken zeitgemäß und ungekünstelt und sowohl Action- als auch ruhigere Szenen lesen sich packend. Doubek legt eine großartig komponierten Geschichte voller unerwarteter und einfallsreicher Wendungen vor. Man merkt förmlich, wie viel Spaß sie beim Schreiben hatte.

Einzige Kritikpunkte: Annes Verhältnis zu den Männern in ihrem Leben wirkt naiv und in manchem Augenblick sogar unglaubwürdig. Dass sie sich hals über Kopf in James Bonny verliebt ist nachvollziehbar, immerhin ist sie jung und fällt auf sein gutes Aussehen und seine verwegene Art herein, die ihr all die Abenteuer verspricht, von denen sie immer geträumt hat. Weshalb sie aber ihre Liebe zu Calico Jack nicht aufgibt, obwohl er die ganze Zeit über säuft wie ein Fass, sich benimmt wie der übelste Kneipenrüpel und sie hin und wieder behandelt wie ein Stück Dreck, konnte ich überhaupt nicht nachvollziehen. Weshalb sollte eine selbstbewusste, starke Frau immer wieder zu einem Mann ins Bett steigen, dem eine gemeinsame Zukunft augenscheinlich egal und der Alkohol viel wichtiger ist? Unbegreiflich. Wett gemacht wurden diese Episoden jedoch vom unverhofften Ende, mit dem ich wirklich gar nicht gerechnet habe und mich wie ein kleines Mädchen auf und ab hüpfen lassen hat.
Zuletzt hab ich nur noch zu beanstanden, dass der Epilog zu kurz geraten ist, in dem die Autorin kurz Stellung zu den berühmtesten Piraten der damaligen Zeit nimmt. „Königin der Meere“ ist keine Biographie, zumal nur sehr wenig über die wahre Anne Bonny bekannt ist. Doch bei einem Roman, der auf einer echten Persönlichkeit beruht, erwarte ich, dass zumindest kurz im Nachwort Fakten und Fiktion voneinander getrennt werden. So jedoch erfährt der Leser nicht, was erwiesen und was Doubeks Fantasie entsprungen ist. Schade.

Fazit: „Königin der Meere“ ist ein üppiger, spannungsgeladener Roman, der sich wohltuend von der Masse der historischen Romane abhebt. Atmosphärisch, vielseitig und mit einer starken Heldin ist das Buch ein gelungener Pageturner, den ich unbedingt empfehlen kann.

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