[Rezension] Jenny-Mai Nuyen – Nocturna

Titel: Nocturna – Die Nacht der gestohlenen Schatten

Autor: Jenny-Mai Nuyen

Taschenbuch: 544 Seiten
Verlag: cbt
ISBN-10: 3570305449

Erster Satz:

„Am Abend traf sich Jorel mit dem Mädchen.“

Inhalt:

„Nocturna – Die Nacht der gestohlenen Schatten“ spielt um 1900 in einem phantastischen Europa und erzählt die Geschichte dreier Jugendlicher: Apolonia, Tigwid und Vampa.
Apolonia, ein kluges, wortgewandtes und ein wenig hochmütiges Mädchen aus gutem Hause hat mit der Vergangenheit zu kämpfen: seit ihre Mutter ermordet wurde und ihr Vater den Verstand verloren hat, versucht Apolonia, hinter das Gemeinis ihrer Mutter zu kommen; ebenso wie sie scheint Apolonia seltsame Gaben zu besitzen …
Tigwid, ein Junge mit besonderen Gaben und vielen Namen, schlägt sich als Kleinganove durchs Leben, immer auf der Suche nach dem „Buch der Antworten“. Denn er will eine Antwort darauf finden, weshalb er keine einzige glückliche Erinnerung mehr besitzt.
Auch Vampa ist auf der Suche. Er ist wie eine leblose, gefühlskalte Hülle, ein 14jähriger Junge, der seit neun Jahren nicht altert und nicht sterben kann. Doch es gibt ein Buch, in dem geschrieben steht, wer er ist und was mit ihm geschehen ist …
Die „Nocturna“, eine politische Geheimorganisation, schreibt diese „Blutbücher“ und raubt Kindern ihre Vergangenheit. Apolonia, Tigwid und Vampa müssen sicht gegen sie verbünden. Doch bald stellt sich ihnen die alles entscheidenden Frage, ob sie auf der richtigen oder der falschen Steite stehen.

Meine Meinung:

Auch in ihrem dritten Buch besticht Jenny-Mai Nuyen durch ihre äußert detailgenauen Charakterbeschreibungen. Die Atmosphäre dieses Buches ist besonders dicht und die Geschichte außergewöhnlich. Mit stetig wachsender Spannung versteht sie es, ihren Leser in den Bann zu ziehen und lässt ihn nur selten zu Atem kommen.
Besonders die feinsinnigen, nachdenklich stimmenden Dialoge in diesem Buch sind noch um einiges gelungener als in ihren beiden vorangegangenen Werken. Alles ist untermalt von einer unaufdringlichen, poetisch anmutenden Klugheit, die für das Alter der Autorin sehr erstaunlich ist.
Ein Kritikpunkt in diesem ansonsten hervorragenden Roman ist die Ähnlichkeit der Charaktere zu denen in den beiden Vorgängern ‚Nijura‘ und „Das Drachentor“: Die selbstbewusste, etwas hochmütige Apolonia hat deutliche Ähnlichkeit mit Arane aus „Nijura“ und Ardhes aus „Das Drachentor“. Der vagemutige und abenteuerlustige Tigwid indes erinnert mich stark an Kaveh und Revyn. Vampa wiederum weist viele Charakterzüge von Scapa oder Alasar auf. Von diesem Charakter-Schema sollte die Autorin das nächste Mal absehen.
Die ein oder andere Länge in der Mitte des Buches wird vom Rest wieder aufgewogen. Nur schade in meinen Augen ist es, dass Apolonias Fähigkeit, mit Tieren zu sprechen, die Jenny-Mai Nuyen auf eine so erfrischende Art umgesetzt hat, im Verlauf des Buches gänzlich auf der Strecke bleibt.

Fazit: Eine Empfehlung an alle, die neben der herkömmlichen Fantasy im tolkien’schen Stil mal etwas Neues ausprobieren wollen. Alles in Allem sind das viereinhalb wohlverdiente Kaffeetassen von mir.

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