[Rezension] Jenny-Mai Nuyen – Feenlicht

Titel: Feenlicht (Die Sturmjäger von Aradon 1)

Autor: Jenny-Mai Nuyen

Gebundene Ausgabe: 480 Seiten
Verlag: Cbt
ISBN: 978-3570160336

Erster Satz:

„Drei Meilen westlich von Har’punaptra, der Hauptstadt der Zwerge und des Handels, trafen sich Sturmjäger und Trollhändler zu einem nicht ganz legalen Geschäft in den Gebirgen der Wüste.“

Inhalt:

Die junge Hel wächst auf der „Schwalbe“, einem fliegenden Schiff und unter dessen Sturmjäger-Besatzung auf. An die Katastrophe, bei der sie ihre Heimat, ihre Familie und eines ihrer Augen verloren hat, kann sie sich nicht mehr erinnern. Doch auf dem zerstörten Auge ist sie nicht blind – sie kann Lirium sehen, die kostbare magische Kraft, die in allen Dingen im Land steckt und es am Leben erhält. So ist sie der Mannschaft eine wertvolle Hilfe auf der Jagd nach Lirium-Stürmen, die sie einzufängt und nach Aradon, dem Magier-Herraschfssitz des Lebendigen Landes, bringt.
Doch das Lebendige Land steht am Rande des Unterganges: Das Lirium wird immer knapper und das Land ist am Aussterben. Die Lage spitzt sich schlagartig zu, als ein Dämon auftaucht. Eine Spur der Verwüstung und des Todes zieht er durch Dörfer und Städte und lässt keinen Überlebenden zurück.
Als die „Schwalbe“ von einem unbekannten Angriff zerstört wird und abstürzt, ist Hel die einzige Überlebende. In der Wüste wird sie von Mercurin gefunden, dem geheimnisvollen Jungen mit dem langen dunklen Mantel und der seltsam flackernden Aura. Gemeinsam machen sie sich auf den Weg nach Har’punaptra, der Zwergenstadt. Ohne es richtig zu merken, verliebt sich Hel in den seltsam schweigsamen Jungen, der viele Alltäglichkeiten ihres Lebens nicht kennt und dessen magische Fähigkeiten sie verwirren. Noch ehe sie sich ihrer Gefühle bewusst wird, trennen sich ihre Wege für immer – so scheint es zumindest.
Hel schließt sich dem Schiff „Taube“ und dem jungen Sturmjäger Nova an. In Aradon wird sie von den Magiern gemeinsam mit Nova, dem Magier Olowain, der zwergischen Attentäterin Harlem und vier Söldnern auf eine höchst gefährliche Mission geschickt: mit Hilfe ihrer Gabe, Lirium zu sehen, soll sie den Dämon ausfindig machen. Nicht genug damit, wird die Gruppe auch noch damit betraut, nach der sagenumwobenen „Mutter Meer“ zu suchen, einer angeblichen Anführerin, die das unterdrückte Volk der Isen um sich scharen soll, um es in einen endgültigen Kampf gegen die Vorherrschaft der Magier zu führen …

Meine Meinung:

„Feenlicht“ packt den Leser und trägt ihn fort in das Lebendige Land, in dem „Kauende Klippen“ Mensch und Baum verschlingen und windige Städte ruhelos durch die von Geistern bewohnte Wüste ziehen. Jedes Buch von Jenny-Mai Nuyen besitzt eine ganz eigene Atmosphäre. „Feenlicht“ ist sandig, heiß und entführt uns ind verwinkelte, höhlenartige Städte mit Gladiatorenkämpfen, verräucherten Tavernen und absonderlichen zwergischen Speisen. Weiter geht es durch neblige Lüft in moosige Wälder voller geheimnisvoller flüsternder Gestalten.
Auch die Figuren haben es wieder einmal in sich. Hel ist eine starke, sehr sympathische Heldin, mit der man sich sofort identifiziert. Der Sturmjäger Nova, angehender Kapitän der „Taube“ und unverschämter Herzensbrecher, genau der richtige Gegenpol und selbstverständlich bester Freund von Hel und auch Gestalten wie die eigenbrötlerische Zwergin Harlem oder der innerlich zerrissene Außenseiter Karat sind spannede Figuren, mit denen man mitfiebert.

Die Geschichte selbst erinnert stellenweise doch etwas an Epen wie Herr der Ringe (Neun Gefährten mit magischen Umhängen, angeführt von einem weishaarigen Magier mit knorrigem Stab, lassen einen um gewisse Assoziazionen nun einmal nicht umhin kommen; auch der dreitägige Marsch durch unheimliche Zwergentunnel unter dem Gebirge erinnerte doch stark an Moria). Solche auffälligen Ähnlichkeiten zu bekannten Werken kennt man sonst von Jenny gar nicht, man verzeiht’s ihr aber gerne, weil der Rest der Geschichte nur so von tollen Einfällen übersprudelt.
Was ich diesmal ein wenig vermisst habe, ist der ausgefeilte und – vor allem nach Nocturna und dem genialen Rabenmond – auffallend reife Stil der Autorin. Was ihre letzten Werke so auszeichnete, vermisse ich in „Feenlicht“ über große Strecken – immer mal wieder holpern die Dialoge oder die Beschreibungen, der Stil wirkt nicht durchgehend flüssig, ab und zu fielen mir Unstimmigkeiten oder kleinere Plotlücken auf. Ab und zu kommt auch die Handlung etwas ins Stocken, der Lesefluss verliert sich zwischen einigen unwichtigeren und etwas zu blumigen Beschreibungen, bis sie etwas später wieder in Fahrt kommt.
Ich könnte mir fast vorstellen, dass die Rohfassung von „Feenlicht“ schon früher enstanden ist und deshalb keinen so ausgefeilten Charakter wie zuletzt „Rabemond“ aufweist. Vielleicht fehlte aber auch einfach die Zeit für eine gründliche Überarbeitung. Wenn stilistisch an der ein oder anderen Stelle noch gefeilt und hier und da noch ein paar Ungenauigkeiten im Plot ausgebügelt worden wären, das Buch hätte vermutlich die volle Punktzahl von mir bekommen.

Fazit: Eine phantastische und unterhaltsame Geschichte mit einem etwas schwächeldem Stil, aber viel Herz und Atmosphäre. Die Wartezeit auf den zweiten Band dauert mir jetzt schon viel zu lange – ich bin wirklich gespannt, wie es mit Hel, Mercurin, Nova und den anderen in dem großen Zwist zwischen Isen, Menschen, Zwergen und Magiern weitergeht.

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