[Rezension] Charlaine Harris – Dead until dark

Titel: Dead until dark (Sookie Stackhouse 01)

Deutscher Titel: Vorübergehend tot.

Autor: Charlaine Harris

Taschenbuch: 336 Seiten
Verlag: Ace Trade
Sprache: Englisch
ISBN: 978-0441018253

Erster Satz:

„I’d been waiting for the vampire for years when he walked into the bar.“

Inhalt:

Sookie Stackhouse ist eine einfache Kellnerin in dem hinterwäldlerischen Städtchen Bon Temps, Northern Louisiana. Ihr Leben könnte ebenfalls einfach sein, wenn da nicht dieses – tja – angeborene Problem wäre: Sookie kann Gedanken hören. Über die Jahre hat sie zwar gelernt, eine Barriere um sich herum zu ziehen, um ein halbwegs normales Leben zu führen, der Gemeinde von Bon Temps ist ihre Andersartigkeit jedoch nicht verborgen geblieben und hat sie öffentlich zum Sonderling abgestempelt.
Eines Tages erscheint Bill im Merlotte’s, der Bar, in der Sookie arbeitet. Seit die Vampire sich vor zwei Jahren öffentlich „geoutet“ haben, hat Sookie auf diesen Moment gewartet – einen echten Vampir zu sehen. Und das Erstaunlichste ist: so sehr sie sich auch anstrengt, Bills Gedanken bleiben ihr verborgen.
Doch dann geschieht ein Mord inmitten der schläfrigen Gemeinde – und es soll nicht der erste bleiben …

Meine Meinung:

Ja, auch ich bin über die herausragende HBO-Serie „True Blood“, die auf den „Sookie Stackhouse“-Büchern basiert, zu diesem Buch gekommen. Eigentlich wollte ich ein bisschen Abstand von all den Vampirbüchern bekommen („Bis(s)“ ist mittlerweile etwas ausgenudelt und hängt selbst mir, als Fan der ersten Stunde, zum Hals raus, einige andere Bücher waren unterhaltsam, ähnelten sich aber irgendwie alle und Laurell K. Hamiltons „Anita Blake“-Serie traf überhaupt nicht meinen Geschmack). Da Charlaine Harris jedoch schon vor der ganzen Vampir-Welle außerordentliche Erfolge mit ihrer Sookie-Reihe feierte und nach Anne Rice damals ganz neue Pfade in dem jungen Genre betrat, war ich neugierig geworden. Zum Glück!

Was Charlaine Harris mit ihren „Southern Vampire Mysteries“ erschaffen hat, ist viel mehr als eine völlig neue Welt der Vampire, Werwesen, Gestaltenwandler und anderer mysteriöser Kreaturen. Selten habe ich ein Buch gelesen, in der so ausgefeilte, lebendige Figuren miteinander interagieren und vom Setting über die Charaktere bis zu den Dialogen alles unheimlich echt wirkt.
Allen voran Sookie. Harris hat mit ihr eine starke Heldin geschaffen, die zwar optisch was her macht, dabei aber Selbstzweifel und Fehler hat und auch sonst völlig menschliche Eigenschaften besitzt. Sie ist clever, aber hin und wieder herrlich naiv, sie hat ihre verletzlichen Seiten, kann in passenden Situationen aber auch rotzfrech werden, sie will unabhängig sein und ihre eigenen Entscheidungen treffen – und tritt in der nächsten Szene kräftig ins Fettnäpfchen. Solche vielseitigen Protagonistinnen findet man nicht in vielen Mysterie-Büchern, erstrecht nicht, wenn es sich um eine Vampirromanze handelt.
Ausgesprochen liebevoll erweckt Harris die Bewohner der erdachten Kleinstadt Bon Temps zum leben. Jeder hier hat seine Ecken und Kanten und, was nicht häufig zu lesen ist, jeder von ihnen hat auch eine Vergangenheit. Durch Sookies Perspektive (und ihre beabsichtigten und unbeabsichtigten Einblicke in die Gedanken ihrer Mitmenschen) entsteht ein scharf umrissenes Bild der Gemeinde und ihrer Mitglieder.
Der mysteriöse Aspekt fügt sich dabei so selbstverständlich in die Geschichte ein, dass man unwiderstehlich in das Geschehen hineingesogen wird. Zusammen mit der schrecklichen Mordserie, die den spannenden krimi-Aspekt der Handlung bildet, den vielen humorvollen Einschüben und der komplizierten und unkonventionellen Romanze wird „Dead until Dark“ ein absoluter Pageturner, den man bis zur letzten Seite einfach nicht mehr aus der Hand legen kann.

Die Unterschiede zur Serie halten sich erstaunlicherweise stark in Grenzen. Natürlich hat Alan Ball für seine TV-Adaption Sookies Blickwinkel auf die der anderen Hauptfiguren erweitert und das ein oder andere hinzugedichtet, die Handlung hält sich dabei jedoch sehr stark an das Original (eine TV-Episode entspricht ziemlich genau einem Kapitel im Buch). Das größte Lob muss man ihm dafür ausprechen, dass er die Atmosphäre der Bücher und die Zeichnung der Charaktere erstklassig eingefangen hat. Eine bessere Buchadaption habe ich schon sehr lange nicht mehr gesehen.

Fazit: Für Leserinnen (und Leser!), denen der aktuelle Vampir-Einheitsbrei auch langsam bis zum Hals steht und alle „True Blood“ Fans ein absolutes, hundertprozentiges Lese-Muss! Ihr bekommt ein actiongeladenes Kopfkino voller interessanter Charaktere und unerwarteter Wendungen – und nicht zuletzt ein Stückchen wirklich guter Literatur. Aber Warnung: Suchtgefahr!!  Fünf absolut verdiente Kaffeetassen!

 

 

Meine Rezension bezieht sich auf die englischsprachige Originalausgabe „Dead until Dark“. Die deutsche Übersetzung kann ich daher nicht bewerten. Empfehlenswert für alle, die erweiterte Englischkenntnisse haben. Der Text ist gut konsumierbar, nur ein paar umgangssprachliche Begriffe und Wendungen müssten nachgeschlagen werden.

In der Sookie-Stackhouse Reihe sind bisher folgende Bände erschienen (plus die Bewertung zu den von mir bereits gelesenen):

1. Dead until dark (Vorübergehend tot) [5/5]
2. Living Dead in Dallas (Untot in Dallas) [5/5]
3. Club Dead (Club Dead) [4,5/5]
4. Dead to the World (Der Vampir, der mich liebte) [5/5]
5. Dead as a Doornail (Vampire bevorzugt) [4,5/5]
6. Definitely Dead (Ball der Vampire) [4,5/5]
7. All Together Dead (Vampire schlafen fest) [5/5]
8. From Dead to Worse (Ein Vampir für alle Fälle) [5/5]
9. Dead and Gone (Vampirgeflüster) [4/5]
10. Dead in the Family
11. Dead Reckoning

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