[Rezension] Antje Babendererde – Indigosommer

Titel: Indigosommer

Autor: Antje Babendererde

Gebundene Ausgabe: 355 Seiten
Verlag: Arena
ISBN: 978-3401063355

Erster Satz:

„Hey, lass dich anschauen, Midget“, sagte Alex.

Inhalt:


Die sechzehnjährige Smilla reist für ein Jahr als Austauschschülerin nach Seattle und wird dort von ihren Gastgeschwistern Alec und Janice auf einen dreiwöchigen Surf-Trip nach La Push eingeladen. Der wildromantische Strand, an dem die siebenköpfige Clique ihr Lager aufschlägt, birgt nur einen einzigen Nachteil – er gehört zum Quileute-Reservat.
Schon bald entstehen erste Konflikte zwischen den indianischen Jugendlichen und den Surfern. Smilla erfährt, dass Alec und die anderen Jungs bereits im letzen Sommer an diesem Ort gesurft haben – und merkt, dass irgendein düsteres Ereignis, über das sie eisern schweigen, ihren Ausflug überschattet.
Als Smilla eines Tages allein surfen geht und dabei beinahe ertrinkt, wird sie von Conrad, einem der verfeindeten Indianer, gerettet. Sie verliebt sich in ihn, weiß jedoch, dass Alec und die anderen nichts davon erfahren dürfen, sonst läuft sie Gefahr, zwischen die Fronten zu geraten. Schon bald erkennt sie, dass Conrads tiefer Hass auf die Surfer-Clique mit den Ereignissen des letzten Sommers zusammenhängen muss. Doch was ist damals geschehen? Und was haben Alec und die anderen damit zu tun?
Meine Meinung:


Ich weiß gar nicht, wo ich mit dem Loben beginnen soll. Mit „Indigosommer“ ist Antje Babendererde ganz ohne Zweifel einer ihrer besten bisherigen Jugendromane gelungen. Das Buch verzaubert und schockiert zugleich – denn Liebe und Hass gehen in diesem Buch inmitten eines atemberaubenden Schauplatzes Hand in Hand. Antje Babendererde entführt in eine spannungsgeladene Geschichte aus Hass, Rache, verbotener Liebe, Vorurteilen und dunklen Geheimnissen. Ihre verblüffend reale Erzählweise, die rasante und emotionale Geschichte und die präzise gezeichneten Figuren lassen den Leser nicht zu Atem kommen, bis er die letzte Seite gelesen hat.
„Indigosommer“ ist neben „Zweiherz“ das mit Abstand erwachsenste und das konfliktgeladenste ihrer Jugendbücher. Es schildert unverblümt den Rassismus und die aggressiven Auseinandersetzungen zwischen den Jugendlichen.
„Indigosommer“ unterscheidet sich auch deshalb von den bisherigen Jugendbüchern, weil man das Geschehen nichts nur aus Smillas, sondern auch aus Conrads Sicht verfolgt und dabei herausgefordert wird, das Ganze sowohl aus der Perspektive der indianischen Jugendlichen als auch der Sicht der Surfer-Clique zu betrachten – und dabei nie vollends Partei ergreifen kann.
Der Leser ist dabei ebenso wie Smilla gefangen zwischen den Vorurteilen und der Überheblichkeit der „weißen Eindringlinge“ und dem verletzten Stolz und dem Hass der indianischen Ureinwohner.
Der Roman ist ergreifend und bestürzend zugleich und fordert unerbittlich zum Nachdenken auf.

Zusammenfassend kann ich nur sagen: „Indigosommer“ ist wahrhaft atemberaubend.
Auf unwiderstehliche Weise vereint die Geschichte eindrückliche Naturbeschreibungen mit der Mystik der Quileute und sogar der ein oder anderen augenzwinkernden Anspielung auf „Twilight“ – zurecht, wenn man bedenkt, welchen Einfluss die Bücher auf den Tourismus in Forks und La Push haben.

Fazit: Antje Babendererde bewschwört die Bilder ihrer Geschichte so deutlich herauf, dass man meint, den Sand unter den Füßen zu spüren, das Rauschen der Wellen zu hören und das indigoblaue Leuchten des Meeres zu sehen. Wie ein Film läuft das Buch vor dem inneren Auge ab und lässt einen mit Smilla und Conrad bangen bis zum überraschenden Schluss – das ist wirklich ganz großes Kino.

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