[Rezension] Amy Plum – Von der Nacht verzaubert

Titel: Von der Nacht verzaubert

Autor: Amy Plum

Gebundene Ausgabe: 400 Seiten
Verlag: Loewe Verlag; Auflage: 1 (Januar 2012)
ISBN: 978-3785570425

Erster Satz:

“Als ich die Statue im Brunnen das erste Mal gesehen hatte, wusste ich noch nicht, wer – oder besser was – Vincent war.”

Inhalt:

Nach dem Unfalltod ihrer Elten zieht die 17-jährige Kate mit ihrer Schwester Georgia zu ihren Großeltern nach Paris. Bald nach ihrer Ankunft sieht Kate ihn in einem Café das erste Mal – den geheimnisvollen Vincent. Sie fühlt sich unwiderstehlich zu ihm hingezogen. Als sie und Georgia ihn eines Nachts dabei beobachten, wie er ein Mädchen vor dem Selbstmord bewahrt und kurz danach in einen ominösen Kampf verwickelt wird, ist für sie klar – Vincent ist kein gewöhnlicher Teenager. Doch ehe sie erkennt, wer Vincent in Wirklichkeit ist und in welche Gefahren er verwickelt ist, hat sie sich unsterblich  in ihn verliebt.

Meine Meinung:

Auf ihrer Website erklärt Amy Plum, dass sie sich von “Twilight”  zu ihrer “Revenants”-Trilogie inspirieren ließ. Und ganz ehrlich: man merkt es dem Buch mit jeder Zeile an. Sicher, die Geschichte spielt in Paris und es geht nicht um Vampire, sondern eine spezielle Art von “Zombies”, aber trotzdem lässt sich die Story beinahe eins zu eins übersetzen. Soll ich mal so böse sein? Also gut:

Kate ist (wie Bella) ein eher introvertiertes (und, obwohl sie es nicht merkt, von allen anderen bewundertes) Mädchen, das sich sprichwörtlich Hals über Kopf in den atemberaubenden Vincent (aka Edward) verliebt, als sie ihn das erste Mal sieht. Anfänglich zeigt Vincent ihr die Kalte Schulter, um sie zu schützen, taucht aber immer wieder in ihrem Leben auf. Er verbirgt nämlich ein dunkles Geheimnis: er ist ein Unsterblicher. Gemeinsam mit einer Gruppe  anderer Revenants lebt er in einer uralten Prachtvilla (= Luxusbude der Cullens) in Paris. Außer ihm gibt es da noch die quirlige und immer gut gelaunte Charlotte (= Alice), ihren mit seiner Existenz hadernden Bruder Charles (=Jasper), den Sprüche klopfenden Muskelprotz Ambrose (= Emmett), den charmanten und gut aussehenden Jules, der sich ebenfalls für Kate interessiert (= Jacob),  den zurückhaltenden Gaspard, die mütterlich-besorgte Haushälterin Jeanne (= Esme) und das ruhig-kalkulierende  Oberhaupt der Gruppe, Jean-Baptiste (aka Carlisle).  Als Kate gegen alle Widerstände eine Beziehung mit Vincent eingeht, gerät sie ins Kreuzfeuer einer uralten Fehde. Die Feinde der Gruppe  sind ebenfalls Revenants, die allerdings auf anderen moralischen Pfaden wandeln und Menschen umbringen (siehe “vegetarische” und blutsaugende Vampirclans). Ihr Anführer ist mit ganz ähnlichen Attributen ausgestattet wie Twilight’s James.  Gesagt werden muss auch noch, dass die waffentechnische Ausrüstung der Revenants ausnahmsweise mal nicht an “Twilight” erinnert – dafür allerdings sehr stark an die der Schattenjäger in der “Chroniken der Unterwelt” von Cassandra Clare.

Doch es sind nicht nur die Charakterkonstellationen, die hier auffallend ähnlich sind, auch der Handlungsverlauf ist erstaunlich übereinstimmend und war für mich zu keiner Minute überraschend. Anders als  Stephenie Meyer wirft einen Amy Plum aber ohne jede Vorwarnung in die Liebesgeschichte hinein: Kate verliebt sich so schnell in Vincent, dass man als Leser das Gefühl hat, den Anschluss verpasst zu haben. Und wo Meyer es irgendwie noch schafft, (meistens) haarscharf an den Kitsch-Klippen vorbei zu schippern, übergießt einen Plum geradezu mit Schmalz. Sie wird nicht müde, Vincent immerfort als “göttergleich” und  “junger Gott” zu bezeichnen. Nach fünfzig Seiten weiß man fast noch nichts über ihn, außer, dass er das Schönste ist, was sich ein 17jähriges Mädchen in ihren kühnsten Träumen ausmalen kann. Weitere Vorzüge  kommen auch danach nicht wirklich hinzu (außer vielleicht – das scheint derzeit in Young Adult Romanen ja als sexy zu gelten – sein unermüdlicher Drang zum Stalken). Ziemlich schnell wird außerdem deutlich, dass Kates Durchschnittlichkeit auch höchstens in ihrer eigenen Vorstellung existiert, da jeder andere sie andauernd als “wunderschön” bezeichnet. Und wenn man dann noch liest, wie wohlhabend Kates Großeltern sind und wie viel Kohle erst die Revenants anhäufen, hat man beinahe schon die Nase voll von all dem Überfluss. Und dann ist da noch dieser Showdown, der so ungeheuerlich viele Parallelen zu dem Finale in Twilight aufweist, dass es beinahe schon eine Frechheit ist.

Ich frage mich inzwischen ernsthaft: Welche Wahrheiten  sollen Mädchen aus Büchern  ziehen, die wie “Von der Nacht verzaubert”  derart einen auf  “geleckt” machen? Dass man nur dann eine Chance auf den “Richtigen” hat, wenn man selbst wunderschön ist ? Dass dieser Freund “göttergleich” aussehen, perfekt gekleidet, steinreich, enthaltsam und auch noch ein toller Schwiegersohn sein muss, der mit Anzug, einer Flasche Wein und einem Strauß Blumen zum familiären Abendessen erscheint? Der einen auf Händen trägt, mit Geschenken überhäuft und in den Nächten wachend an deinem Bett sitzt? Wie langweilig, unrealistisch. Gähn.

Ganz ehrlich: ich liebe Fantasy, aber ich möchte Geschichten lesen, die sich um echte “Personen” drehen, nicht um Götter. Menschen müssen Makel haben, auch, wenn sie inzwischen unsterblich sind. Und es ist auch nicht sonderlich überzeugend, wenn ein übernatürlicher Typ, der schon seit hundert Jahren (enthaltsam) auf der Erde wandelt, sich gerade jetzt das erste Mal unsterblich in die Hauptfigur der Geschichte verliebt.  (In diesem Fall reichten ein paar kurze Begegnungen, schon wurde von tiefen Gefühlen gesprochen – vermutlich bezogen auf das umwerfende Aussehen des jeweils anderen.)

Die Vorzüge dieser Geschichte:  Plums eingängiger Schreibstil und das Pariser Setting mit exotischem Flair (auch wenn sie sich hier auf die romantische, touristische und klischeebeladene Schokoladenseite der Stadt beschränkt und ihre Umschreibungen wie aus einem Hochglanzprospekt wirken). Alles liest sich zügig, auch wenn es bei mir nicht weiter hängen blieb. Unbedingt erwähnt werden sollte auch noch die wunderschöne Covergestaltung des Buches im Art Nouveau-Stil, für die sich Christian Keller verantwortlich zeigt.

Fazit:  Flüssig lesbare Geschichte mit schönem Pariser Flair, die allerdings an einem Übermaß an Kitsch erstickt. Außerdem wurde hier zu viel kopiert und zu wenig eigene Ideen eingebracht, sodass man ständig Vergleiche zieht und zudem nie vom Verlauf der Story überrascht wird. Irgendwie hat man das Gefühl, Ähnliches schon einmal in besserer Form gelesen zu haben. Vom Spaßfaktor hätte ich noch drei Kaffeetassen vergeben, aber gerade zum Ende hin haben mich die dreist abgekupferten Parallelen zu “Twilight” derart aufgeregt, dass ich nur noch zwei vergeben kann.

15 Kommentare (+deinen hinzufügen?)

  1. Anette Leister
    Mär 31, 2012 @ 16:41:57

    oh je… da bin ich ja mal gespannt, wie mir das Buch gefallen wird :D So langsam habe ich von Verriss bis zu absoluter Begeisterung alles an Rezensionen für dieses Buch gelesen…
    LG Anette (Katze mit Buch)

    Antwort

  2. privatkino
    Apr 10, 2012 @ 16:47:41

    War mir wirklich sehr unsicher, ob das Buch etwas für mich wäre, nach deiner Rezession ist aber deutlich klar – ich werde “Von der Nacht verzaubert” nicht lesen. Hasse nichts mehr, wie übertriebene Liebesgeschichten. Danke für deine Warnung ;)

    Antwort

    • keeweekat
      Apr 10, 2012 @ 19:55:18

      Hallo privatkino, also wer nicht absolut kitschresistent ist, sollte auf alle Fälle die Finger davon lassen!^^ Schön, wenn ich dir weiterhelfen konnte! :)

      Antwort

  3. Deniz
    Apr 11, 2012 @ 16:37:24

    Na super. Habe das Buch gewonnen und mich einen Keks abgefreut – bis ich deine Rezension auf amazon gefunden habe. Selten finde ich so gute Rezensionen, die genau beschreiben, warum einem das Buch nicht gefällt. Aber du hast es geschafft!
    Ich hoffe, dass mir das Buch gefallen wird, aber zurzeit gefallen mir die Jugendfantasybücher insgesamt nicht so gut wie früher. Alles ähnelt sich mittlerweile so sehr.
    Ich bin schon gespannt…

    Liebe Grüße,
    Deniz

    Antwort

    • keeweekat
      Apr 11, 2012 @ 17:14:19

      Hallo Deniz – oh nein, ich wollte dir nicht die Vorfreude verderben!! Probier es auf alle Fälle mal aus, es kann ja sein, dass wir völlig unterschiedliche Geschmäcker haben!^^ Aber ein Tipp von mir: lies es erst einmal vorsichtig an und wenn dir die ersten Kapitel zu flach und vorhersehbar sind, dann verschenk es an jemaden, der vielleicht mehr damit anfangen kann. ;)

      Antwort

      • Deniz
        Apr 11, 2012 @ 17:31:27

        Hmm, okay :) Aber kann ich das denn, wenn ich es von lovelybooks bekommen habe?

      • keeweekat
        Apr 11, 2012 @ 17:45:21

        Vielleicht tauscht jemand mit dir? Auf LB gibt es ja Wunsch- und manchmal auch Tauschlisten. Oder du *räusperverkaufstesaufamazonmarketplaceräusper*. ^^

      • Deniz
        Apr 11, 2012 @ 18:00:54

        Mal gucken^^ Erst einmal das Buch bekommen und dann reinlesen :) Und verkaufen werde ich es nicht, da hätte ich ein schlechtes Gewissen :D Aber ich bin so oder so nicht auf amazon angemeldet^^ (oh Wunder, was? Ja, solche Menschen gibt es auch noch xD)

      • keeweekat
        Apr 11, 2012 @ 19:56:59

        Genau, lies erst mal rein. Bin gespannt auf dein Feedback!

  4. :)
    Mai 01, 2012 @ 07:32:35

    Also ich finde das Buch echt toll und es ist gar nicht zu kitschig oder so. Vielleicht sind die Personen wie in Twilight, aber sonst ist es ganz anders. Es ist auf jeden Fall ein echt gutes Buch und ich empfehle es zu lesen!!! :)

    Antwort

  5. Jenny Huang
    Mai 19, 2012 @ 15:57:47

    Deine Rezession ist echt sehr amüsant und ich musste oft ziemlich breit grinsen^^
    nachdem ich das aber gelesen habe fand ich aber, dass ich das buch glaub ich liegen lassen werde ;DD
    mich würde sehr deine meinung interessieren bei einem anderen buch, da mir ebenfalls parallelen zu twilight aufgefallen sind
    auf jedenfall: echt geniale rezension^^

    Antwort

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